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Lichttechnikerin Alina Moser sorgt dafür, dass andere glänzen 

Früher baute Alina Moser als «Stage Hand» Bühnen auf und ab. Heute sorgt die Lichttechnikerin hinter dem Mischpult dafür, dass Bands auf der Bühne glänzen. Mit dem Verein «Changeover» setzt sie sich für mehr Vielfalt und weniger Sexismus in der Veranstaltungsbranche ein.

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AM MISCHPULT: Hier fühlt sich Alina Moser wohl. (Foto: Matthias Luggen)

Bei einem Konzert blicken alle nach vorne. Auf die Sängerin. Die Band. Die Bildschirme am Bühnenrand. Kaum jemand schaut zur Front of House, die mitten im Publikum steht. Von dort aus steuert Alina Moser das Licht. Die Technikerin entscheidet, wann sich eine Bühne verdüstert, wann sie explodiert und wohin die Blicke der Massen entlang den Spotlights wandern. Ab dem ersten Takt ist sie hochkonzentriert. Sechzig Minuten lang Adrenalin. «Das sind meine Lieblingsmomente», sagt sie. Zu sehen, wie alles zusammenspielt und der Funke aufs Publikum überspringt. Auf diese Minuten arbeitet die 32jährige tagelang, manchmal wochenlang hin. 

Gelingt die Show, nimmt von der Bernerin kaum jemand Notiz. Das passt zu ihr: «Ich stehe nicht gerne im Rampenlicht. Mir gefällt die Arbeit im Hintergrund.» Das gilt auch für ihren Auftritt im Internet. Wer sie googelt, findet keine Homepage, keine Verlinkungen, keine schön gepflegten Social-Media-Kanäle. Dabei arbeitet Alina Moser mit Grössen wie Dino Brandão, Crimer, Elie Zoé oder Sophie Hunger zusammen. 

ORDNUNG MUSS SEIN: Bei Alina Moser ist alles schön abgelegt. (Foto: Matthias Luggen)

Einstieg als Stage Hand

Den Weg in die Konzert- und Festivalwelt fand sie durch Zufall. Nach dem Gymnasium zog Alina Moser nach Bern. Sie lebte in besetzten Häusern und auf Wagenplätzen, zimmerte, hämmerte und gestaltete Räume mit – mit viel Eigenverantwortung und Raum, Neues auszuprobieren. «Zeit zu haben, Interessen und Begabungen zu entdecken und zu bemerken, was mir wichtig ist – das war mein grosses Privileg.»

Mit zwanzig Jahren heuerte sie als Stage Hand an. Diese sind das unsichtbare Herz jedes Events: Sie bauen Bühnen auf, sorgen für die technischen Einrichtungen und Umbauten während des Festivalbetriebs. Ganze Sommer verbrachte sie auf Open Airs wie Gurten, Gampel, Festi-neuch oder am Argovia-Fäscht. Direkt im Geschehen, umgeben von wummernden Bässen und feiernden Massen.

DIE BAND INS RICHTIGE LICHT GERÜCKT: Am Open Air Festi’neuch in Neuenburg war Alina Moser tätig. (Foto: pd)

Der Schlaf-, Ruhe- und Warteplatz: unter der Bühne. Immer auf Abruf. Auf den nächsten Auftrag, auf den nächsten «Changeover» – jene Minuten zwischen zwei Konzerten, wenn auf der Bühne plötzlich alles gleichzeitig passiert. Im Publikum wird noch geklatscht und die Band verabschiedet. Gleichzeitig werden Instrumente weggerollt, Spots eingerichtet, Kabel umgesteckt. «Ohne Teamwork und gute Kommunikation läuft nichts. Alles muss on point sein. Mega stressig, mega cool», erinnert sich Moser lachend. 

In die Selbständigkeit

Gleichzeitig machte sie im hauseigenen Konzertkeller die ersten Versuche mit der Beleuchtung. Das meiste brachte sie sich selbst bei: das Verkabeln, das Mischpult, die Wirkung der unterschiedlichen Lampen. Und natürlich das Spiel mit Effekten, Farbe und Bildern. 

DIE TECHNIK: Scheinwerfer kennt Alina Moser in allen Formen und Grössen. (Foto: Matthias Luggen)

Erste Aufträge folgten. Grössere Bühnen auch. 2019 machte sie sich selbständig. Zuerst war sie bei den Konzerthäusern unter Vertrag. Heute arbeitet sie vorwiegend direkt mit den Künstlerinnen und Künstlern zusammen, begleitet ganze Tourneen und entwickelt Lichtkonzepte für ihre Shows. Aktiv Werbung machen muss Alina Moser nicht. Im Gegenteil: Oft lehnt sie Anfragen ab. «Es ist schön, dass ich mir die Menschen aussuchen kann, mit denen ich zusammenarbeiten will», sagt sie.

Für einen Auftritt erhält sie zwischen 350 und 600 Franken. «Die finanziellen Möglichkeiten der einzelnen Projekte sind sehr unterschiedlich. Ich muss jeweils selbst entscheiden: passt das Budget oder ist es zu sehr an der Schmerzensgrenze?» Etwas finanzielle Sicherheit gibt ihr ein 30-Prozent-Pensum im Schlachthaus Theater Bern. Dort verdient sie gut 1500 Franken brutto. Trotz finanziellen Unsicherheiten – die Vorteile überwiegen: «Ich schätze es sehr, meinen Alltag flexibel gestalten zu können, mag die Abwechslung, das Unterwegssein und die vielen Überraschungen.»

Sexismusproblem in der Branche

Sosehr Alina Moser ihren Job liebt, einfach ist er nicht. «In der männlich dominierten Veranstaltungsbranche ist das Sexismusproblem der Gesellschaft omnipräsent.» In vielen Köpfen sei die Technikperson – egal ob Licht oder Ton – noch immer männlich, weiss und meist heteronormativ. Wer anders ist, muss sich dagegen behaupten. «Es gibt super Orte, die Sicherheit bieten und hinschauen, wenn Diskriminierung passiert.» Dazu zählt sie auch das Schlachthaus Theater. Trotzdem gehört Belächeltwerden für Alina Moser oft zum Grundrauschen. Unterschätztwerden auch. «Ist das dein Hobby, oder machst du hier ein Praktikum?» sind die harmlosesten Sprüche. Von blöden und anzügliche Bemerkungen bis hin zu körperlichen Übergriffen haben sie und ihre Arbeitskolleginnen alles schon erlebt.

ENGAGIERT: Alina Moser ist Mitgründerin des Vereins «Changeover». (Foto: Matthias Luggen)

Gemeinsam mit anderen Technikerinnen gründete sie deshalb vor zwei Jahren «Changeover». Der Verein will die Veranstaltungsbranche für alle Menschen zugänglich machen. In Workshops lernen Frauen, nonbinäre, trans und agender Personen die technischen Grundlagen. Daneben vermittelt der Verein Praktika und Kontakte in die Branche. «Die Nachfrage ist gross – ein trauriges Zeichen dafür, dass wir nötig sind», sagt Alina Moser.

Ihr Ziel ist einfach: Wer sich für Technik interessiert, soll sich diese zutrauen. Unabhängig von Geschlecht oder Identität. Dafür braucht es neue Vorbilder. Menschen, die zeigen, wer heute am Mischpult steht, Licht macht oder eine Bühne aufbaut. Alina Moser: «Es gibt noch viel zu tun. Aber wir sind da, und wir werden viele!»

Alina Moser: Ein Hobby mit Luft nach oben

«In meiner Freizeit verbringe ich am liebsten Zeit mit den Menschen, die mir wichtig sind. Das ist das beste Hobby», sagt Alina Moser. Lange reichte ihr das vollkommen. «Ich erlebe in meinem Alltag so viel Action, da braucht es gar nicht viel daneben.» Vor einiger Zeit fand sie dennoch, dass es Zeit für ein richtiges Hobby sei. Sie suchte und fand «Billard spielen!» – was nicht nur sie, sondern auch ihr Freundeskreis feiert. 

Die Voraussetzungen dafür sind geschaffen: Ein Queue steht zu Hause. Gutscheine liegen bereit. Und an Mitspielerinnen mangelt es nicht. Was noch fehlt, ist die Praxis. Bisher hat Alina Moser genau zweimal gespielt. «Aus Gründen», sagt sie und lacht. Immerhin: Ein Hobby ist gefunden.

HAT VIEL ACTION IN IHREM JOB: Lichttechnikerin Alina Moser. (Foto: Matthias Luggen)

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