Ynysybwl
Ynysybwl. Nein, da ist kein Kätzchen über die Tastatur gelaufen. So heisst ein Ortin Wales, Grossbritannien, der in die Geschichte eingehen wird:
Anne-Sophie Zbinden, Chefredaktorin

Die Zeichen stehen auf Sturm. Der Nahe Osten steht in Flammen, die USA sind ausser Rand und Band, rechtsextreme Tendenzen nehmen weltweit rasant zu, der Vormarsch von künstlicher Intelligenz mit seinen verunsichernden Folgen ist nicht mehr aufzuhalten, das Völkerrecht wird mit Füssen getreten, Frauenrechte sowieso – die Weltordnung zerfällt (zum work-Beitrag).
Die Zeichen stehen auch auf Frühling: Neubeginn, Hoffnung, Lichtblicke. Denn die gibt es, auch in Bezug auf Frauenrechte. Auch wenn sie manchmal unter einer dicken Schicht grösseren und kleineren Wahnsinns schlecht erkennbar sind. Da ist zum Beispiel ein Urteil aus Genf: Das Arbeitsgericht hat den Betreiber einer Fast-Food-Filiale verurteilt, weil er seine Mitarbeiterinnen nicht genügend vor sexueller Belästigung und Übergriffen geschützt hat (zum Artikel). Ein Urteil mit Signalwirkung. Oder der Gastro-GAV. Dieser wird nach Jahren des Stillstandes jetzt wieder neu verhandelt. Damit es endlich vorwärtsgeht in einer Branche, in der mehrheitlich Frauen arbeiten. Die Fotostiftung Schweiz macht Frauenbilder sichtbar und bringt damit eine Männerbastion ins Wanken. Denn die Fotografiegeschichte war lange Zeit vor allem eine Geschichte männlicher Fotografen, überliefert aus männlicher Perspektive. Von den rund 160 Archiven in der Fotostiftung sind nur 26 Archive Fotografinnen zuzuschreiben.
Oder Island: Zum fünften Mal in Folge belegt das Land den ersten Platz im «Women in Work Index» des Wirtschaftsprüfungskonzerns PWC. Die Erwerbsquote der Frauen liegt bei 85 Prozent – gut 12 Prozentpunkte über dem OECD-Durchschnitt. Was wir von Island lernen können? Grosszügige Elternzeitregelungen, gute Kinderbetreuung sowie eine familienfreundliche Arbeitskultur, beispielsweise mit einer Vier-Tage-Arbeitswoche. Sogar in der Medizin gibt es Fortschritte. Dort, wo sonst Frauenkörper wie Männerkörper in Bikinis behandelt werden, wo also die Forschung geschlechterspezifische Unterschiede häufig ignoriert: Zum zweiten Mal findet dieses Jahr in Bern das Swiss Gender Medicine Symposium statt. Die Veranstaltung bringt Fachpersonen zusammen, um über die neuesten Entwicklungen und Herausforderungen in der Gendermedizin zu diskutieren. Diese befasst sich mit dem Einfluss von biologischen Unterschieden auf Gesundheit, Erkrankung, Forschung, Behandlung und Prävention.
Und im Oberwallis, nicht gerade bekannt als progressive Hochburg, lehrt jetzt eine junge Frau an der Spitze der Unia-Sektion die Machos das Fürchten (zum Portrait). Ausserdem gibt es Grund zu feiern! 2026 ist das Jahr von zwei fast runden Geburtstagen, auch wenn die Jubilarinnen noch ziemlich jung sind: Seit 45 Jahren ist die Gleichberechtigung von Frau und Mann in der Bundesverfassung verankert. Und seit 40 Jahren verbietet das Gleichstellungsgesetz Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund des Geschlechtes.
Ja, ABER! Natürlich reicht das alles hinten und vorne nicht. Ganz bestimmt ist in Sachen Gleichberechtigung nichts für immer errungen. Garantiert sind die Fortschritte heute mehr denn je bedroht. Und selbstverständlich braucht es am 8. März, dem Tag der Frauenrechte, starke Zeichen und klare Forderungen. Aber manchmal hilft es in stürmischen Zeiten, sich auf das JA vor dem Aber zu konzentrieren.