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Baba, Ajil und Ali

Anne-Sophie Zbinden, Chefredaktorin

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Anne-Sophie Zbinden, Chefredaktorin

Er ist Kriminologe und renommierter ­Terror­ismusforscher. Auf Instagram berichtet er, wie ihn die Moderatorin im Vorgespräch einer Podiumsdiskussion gefragt habe: «Du wirst dich dann schon nicht als IS-Kämpfer entpuppen. Oder?» 

Bild

Was hat wohl die Moderatorin bewogen, ihm diese Frage zu stellen? Er ist in Oftringen im Kanton Aargau aufgewachsen. Er war Militärpolizei-Grenadier bei der Schweizer Armee. Er hat in Lausanne Kriminologie studiert und für die Bundespolizei gearbeitet. Die wahrscheinlichste Erklärung für das Terroristen-Bild im Kopf der Moderatorin: Er heisst Ahmed Ajil und nicht Hanspeter Hugentobler (zum Interview mit Ahmed Ajil). 

Netzhaut

Gewisse Bilder in unseren Köpfen sind fast feuerfest. Auch deshalb, weil sie uns immer und immer wieder eingehämmert werden. Von rechten Parteien wie der SVP, mit freundlicher Beihilfe bis weit in die politische Mitte: das «Migrationsproblem», der «kriminelle Ausländer», der «Asylschmarotzer». Und je tiefer sich diese fremdenfeindlichen Bilder in unsere Netzhaut einbrennen, desto schwie­riger ist es, sie neu zu belichten. 

Schärfe

Dabei hilft es vielleicht schon, den Blick zu schärfen. Welche stereotypen Bilder haben sich in meinem Gehirn festgesetzt? Welche fehlen? Existiert in irgendeiner ­Gehirnwindung das Bild einer Fahrlehrerin mit Kopftuch? Oder das eines Gemeinderatsmitglieds mit ausländischem Pass? Gibt es eines von Geflüchteten, die Fussball spielen und dabei fröhlich sind? (zur Foto-Reportage

Farben

Was wir brauchen, sind andere Bilder. Kein Kitsch in Mulitkultifarben, sondern solche wie das der Fahrlehrerinnen-Pionierin Ahlam Ali aus Bern Bethlehem (zum Beitrag). Oder jenes von Cyprien Baba, Swatch-Concierge und Gemeinderat ohne Schweizer Pass, weil in der Gemeinde Le Locle NE auch Migrantinnen und Migranten das Stimm- und Wahlrecht haben (zum Interview). Oder jenes des Kriminologen Ahmed Ajil, der im Alter von drei Jahren aus dem Irak in die Schweiz gekommen und jetzt stolz darüber ist, wenn seine Nichte mit ihrem Grossvater Arabisch spricht, vor all ihren Schul-Gspänli. 

Hintergrund

Wir müssen dazu nicht mal bei null anfangen. Denn die Schweiz als Migra­tions­land ist auch eine Erfolgsgeschichte. Nur leider rückt dieser Ausschnitt meistens in den Hintergrund: Die Saisonnière aus Portugal, die jetzt einen Coiffeursalon führt. Der Bau­arbeiter aus Spanien, der die eigene Firma gründet. Die Tochter der italienischen Saisonniers, die heute unterrichtet, forscht oder eine Gewerkschaft leitet. 

Fokus

Vielleicht wird die Moderatorin dem Kriminologen Ajil noch mal begegnen – und vielleicht taucht dann in ihrem Kopf nicht mehr der IS-Terrorist auf, sondern der Wissenschafter, der über Terrorismus forscht. Wir brauchen einen neuen Fokus für vielfältigere, differenziertere, ehrlichere Bilder. Auf denen Menschen sichtbar sind, die Baba, Ajil, Ali oder Hugentobler heissen. Erst wenn diese Bilder Platz in unseren Köpfen haben, können wir sehen, was die Schweiz tatsächlich ist.

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