Editorial

Wir Lesel, wir!

Marie-Josée Kuhn

Marie-Josée Kuhn, Chefredaktorin work

Corona ist, wenn wir trotzdem lachen. Zum Beispiel mit dem ­deutschen Grafiker und Comedy-Künstler Micha Marx. In der ersten Welle im Frühling war ihm lang­weilig, und es entstanden seine ­Quarantierchen: die verschiedenen Menschentypen im Lockdown als tierische Ebenbilder. Die Videokonferente, der Toilettentapir, der Lesel, der Systemrelefant und eben das Quaranthähnchen. Alle zu bestaunen in diesem work. Und Hand aufs Herz, liebe Leserinnen und Leser: Erkennen Sie sich wieder?

Corona ist, wenn wir trotzdem lachen.

CORONATOR. Ja, Krisen machen manchmal richtig kreativ. Und das ist in diesen dunklen Tagen auch dringend nötig. Die Infektionszahlen steigen. Die Spitäler sind am Anschlag. Die Pflegenden drehen im Hamsterrad. Und ihre Chefs schlagen Alarm: Weil die Schweiz Corona überhaupt nicht im Griff hat. Und so schlägt das Jahr, das schon seit Jahren dauert, nochmals richtig bitterernst zu. Es riecht nach einem zweiten Lockdown (Stand 16. Dezember). Wo wir doch schon müde, müder, coronamüder sind. Da hilft nur noch: Humor. Film-Titel-Humor. Berset-Corona-Filmtitel-Humor. Auf Twitter schlagen User und Userinnen dem SP-Gesundheitsminister jetzt eiskalt Filmtitel um die heissen Ohren. Zum Beispiel: «No weddings and 7000 funerals» (Keine Hochzeiten und 7000 Beerdigungen), in Anlehnung an die britische Komödie «Vier Hochzeiten und ein Todesfall». Oder «Coronator» (statt: «Terminator»). Und: «Impf me, if you can!», als Verballhornung der US-Gaunerkomödie «Catch me, if you can!» Nachdem gewisse Motzer Berset im ersten Lockdown vorgeworfen haben, er herrsche mit Diktator-Allüren, finden ihn jetzt andere einen richtigen Corona-Waschlappen. Volkes launenhafte Stimme halt.

LENZ IST DA. Schweigt die Kultur, wird’s still. In unseren Köpfen. In unseren Herzen. Und im Portemonnaie der Kulturschaffenden. Er habe bisher noch Schwein gehabt, erzählt Mundart-Autor Pedro Lenz im ­grossen work-Jahresend-Interview. Noch sind die Bücherläden offen, und sein neuster Lenz ist da: ein Büezer-Roman. Und der läuft gut. Aber mit Lesungen und Lohn dafür ist schon lange nix mehr. Lesen müssen wir jetzt halt selber. Uns den Lenz laut vorlesen. Weil wir seinen Oberaargauer Dialekt dann auch besser verstehen. Wir Vielleicht-schon-bald-wieder-Lockdown-Tierchen, wir. Wir Lesel!

Liebe Leserinnen und Leser, das ist das letzte work im alten Jahr. Wir wünschen Ihnen trotz allem schöne Festtage und einen guten Rutsch ins 2021. Es kann nur noch besser ­werden!

Ihre work-Redaktion

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