2020: Humor ist, wenn wir trotzdem noch lachen
Wir Corona-Tierchen

Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Auch in Lockdown-Zeiten. Das fand der deutsche Comedy-Künstler Micha Marx (35) und kreierte darum seine Quarantierchen. Erkennen Sie sich wieder?

CORONA-HUMOR: Micha Marx‘ Quarantierchen sind das beste Mittel gegen den Pandemie-Koller. (Illustration: Micha Marx)

Sie sind witzig, auf den Punkt getroffen und verkörpern genau das, was die Welt in dieser verflixten Coronazeit braucht: Humor. Zum Glück hat Micha Marx davon ganz viel und kann auch noch zeichnen. Denn sonst gäbe es sie vermutlich nicht: seine Quarantierchen, die gerade das Netz erobern.

Geschaffen hat Marx die witzigen Wesen schon im Frühling, während der ersten Coronawelle. Er war in selbstverordneter Isolation. Und ihm war langweilig. Also dachte er sich für die verschiedenen Quarantäne-Typen tierische Ebenbilder aus. Den Lesel für die Bücher-­Junkies. Den Toiletten-Tapir für die WC-Papier-Hamsterer. Oder den Kochtopus für all jene, die während des Lockdowns plötzlich die Küche für sich entdeckten.

Im April stellte Marx die ersten Quarantierchen auf Facebook – und sie gingen direkt durch die Decke. Mehrere Tausend Mal wurden die Beiträge geteilt und kommentiert. Als eine Followerin schreibt, dass sie in der Quarantäne gerade sehr oft online einkaufe, wusste Marx: «Diese Idee wollte ich unbedingt umsetzen». Und schon wenig später gab es ihn: den Online-Shoppinguin.

Marx macht «Kritzel-Comedy». Weil er sich nicht zwischen Komik und Zeichnen entscheiden konnte.

STEHAUFMANN. Mittlerweile hat Marx über 60 Quarantierchen gezeichnet (hier gibt’s sie alle zu sehen: rebrand.ly/quarantierchen). Nur gerade 45 Minuten dauert es von der Bleistiftskizze bis zur farbigen Endversion. Marx ist Profi. Er arbeitete früher als selbständiger Grafiker, Illustrator und Trickfilmer. Bevor er sich vor drei Jahren entschied, sein Geld mit Auftritten als Bühnenkünstler zu verdienen. Seither ist Marx mit seiner «Kritzel-Comedy» unterwegs. Einem Genre, das er gleich selber erfunden hat, weil er sich nicht zwischen Komik und Zeichnen ­entscheiden konnte. Marx: «Auf der Bühne sieht das dann so aus, dass ich einen Beamer und Leinwand dabeihabe, Zeichnungen zeige und dazu Blödsinn erzähle.» Etwa Geschichten aus seiner Kindheit in der schwäbischen Provinz. Denn obwohl Marx mittlerweile in Bonn lebt, ist er immer noch ein Vollblutschwabe. Und das ist ­offenbar ein Pandemievorteil, denn: «Als Schwob habe ich natürlich e bissel was zur Seite gelegt.» Deshalb habe es ihn nicht gerade total umgeworfen, als im Frühling der erste (Kultur-)Lockdown kam und sein gesamtes Einkommen wegfiel. Längerfristig «den Hintern gerettet» haben Marx aber seine Quarantierchen, die er inzwischen als Postkarten und T-Shirts verkauft. ­Darauf muss er jetzt noch länger setzen. Denn Deutschland hat gerade wieder dichtgemacht. Und damit ist völlig offen, wann Marx zurück auf die Bühne kann.

Den Humor verloren hat er trotz dem neuerlichen Lockdown aber nicht. Im Gegenteil: Gerade hat er sein jüngstes Tierchen auf Facebook gepostet. Den Maskenverweigeier. Mit der charmant-schwäbischen Botschaft: «Hängt euch den Lappen vor die Gosch, um Himmels willen.»

In diesem Sinne: auf gute Gesundheit und ein besseres neues Jahr!­

Die Quarantierchen zum Bestellen, als Postkarten und T-Shirts:
www.zweigoldshop.de/shop/micha-marx

Kritzel-Comedy in Action:
www.micha-marx.de/videos.html

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