Corona-Forschung: US-Wissenschafter gelingt ein grosser Schritt

Unser Genosse Nobelpreisträger macht’s möglich

Clemens Studer

US-Forschende entdecken das Übertragungsprotein des Coronavirus – dank einer Erfindung des Schweizer Chemie-Nobelpreisträgers Jacques Dubochet (77).

JACQUES DUBOCHET: Schweizer Biophysiker. (Foto: Keystone)

Weltweit arbeiten Forscherinnen und Forscher mit Hochdruck an der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen gegen das aktuelle Coronavirus. Ein wichtiger Schritt ist dabei Wissenschaftern der University of Texas in Austin USA gelungen. Sie entdeckten das «Spike»-Protein des Coronavirus Sars-CoV-2. Warum ist das wichtig? Um in menschliche Zellen eindringen zu können, muss das Virus mit einem seiner Oberflächenproteinen an die Zelloberfläche andocken können. Und ebendieses Protein konnten die texanischen Forschenden jetzt entschlüsseln. Je besser die Eigenschaften eines Spike-Proteins bekannt sind, desto gezielter können Medikamente und Impfstoffe entwickelt werden.

Es ist das erste Mal, dass Dubochets Erfindung konkret angewendet wurde.

GEFRIERGETROCKNET

Zentral für die schnelle Entdeckung war der Einsatz von Kryo-Elektronenmi­kroskopie. Diese Methode hat der Waadtländer Biophysiker Jacques Dubochet entwickelt. Der Sozialist, Klimaaktivist, Gewerkschafter und Professor an der Uni Lausanne erhielt für seine Forschungen 2017 neben Richard Henderson und ­Joachim Frank den Chemie-Nobelpreis. Bei der Kryo-Elektronenmi­kroskopie werden die Proben im Unterschied zur tradi­tionellen Elektronenmikroskopie vor der Untersuchung quasi gefriergetrocknet und können damit exakter beobachtet werden. Dank dieser Methode gelang es den US-Forschenden jetzt, die dreidimensionale Struktur des für die Bindung an die Zelle wichtigen Teils des Spike-Proteins erstmals mit atomgenauer Auflösung abzubilden.

ÜBERRASCHT

Sie veröffentlichten ihre Erkenntnisse im US-Wissenschaftsmagazin «Science». Und Jacques Dubochet war der erste, der überrascht war, dass sein Name jetzt mit der Coronavirus-Forschung verbunden ist. Das sagte er dem Westschweizer Fernsehen RTS. Und: «Die Leute in Stockholm haben erkannt, dass die Kryo-Elektronenmikroskopie revolutionär ist, ein Wendepunkt, hier ist ein Beispiel.» Laut RTS ist dies das erste Mal, dass die Kryo-Elektronenmikroskopie derart konkret angewendet wurde.


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