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Mannomann: In welchem Jahrhundert leben wir eigentlich?

SVP-Nationalrätin Céline Amadruz wird als potenzielle Nachfolgerin von Bundesrat Guy Parmelin gehandelt. Und plötzlich geht es um die Frage, ob Amadruz das Amt und ihre Mutterrolle unter einen Hut bringen kann. Was soll das?

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Bundesrat Guy Parmelin tritt zurück. So sicher wie die Bilanzen des bun­desrätlichen Tuns folgen auf einen Bundesratsrücktritt die Spekulationen über mögliche Nachfolger. Und ­Nachfolgerinnen. Und damit leider so sicher wie verstörend die Frage: Hat sie Kinder? Lässt sich ein solches Amt überhaupt mit einer Familie vereinbaren? So geschehen bei den Bundesratswahlen 2022, als Bundesratskandidatin Evi Allemann allen Ernstes gefragt wurde, ob sie das alles unter einen Hut bringe, da ihre Kinder sieben und zwölf seien und sie nicht mehr mit dem Vater zusammenlebe. Und jetzt, vier Jahre später, die gleiche Leier. SRF-Bundeshausmann Philipp Burkhardt kommentiert eine mögliche Kandidatur der Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz so: Diese sei «Mutter von zwei Töchtern im Alter von einem und drei Jahren, womit sehr fraglich ist, ob sie sich für eine Kandidatur zur Verfügung stellen will».

Zum Teufel

Céline Amaudruz ist SVP-Nationalrätin. Nun ist ja die SVP nicht gerade bekannt für die Stärkung der Gleichberechtigung. Aber trotzdem: Wo zum Teufel leben wir eigentlich? Und in welchem Jahrhundert?

Als Alain Berset 2012 Bundesrat wurde, waren seine Kinder zwischen vier und neun Jahre alt. Didier Burkhalters jüngstes Kind war bei seiner Wahl in den Bundesrat 16 Jahre alt. Ueli Maurers jüngster Sohn war elf. Hat jemals jemand diese Männer gefragt, wer denn nun zu ihren ­Kindern schaue? Ob sie ein solches Amt mit ihrer Vaterrolle vereinbaren könnten? Es geht ja nicht mal darum, ob dies tatsächlich möglich ist oder nicht. Sondern um die simple Tat­sache, dass auch im Jahr 2026 wie selbstverständlich die Hauptverantwortung für die Kinder bei den ­Müttern liegt. Und mehr noch: Müttern werden damit gleichzeitig auch Kompetenzen abgesprochen. Das ist falsch und ungerecht und ein Armutszeugnis unserer Gesellschaft.

Baby-Killer

Und wenn sich jetzt Bürgerliche und Wirtschaftslobbyisten die Köpfe darüber zerbrechen, wieso die Frauen im Land immer weniger Kinder kriegen (wollen), dann wäre das eine naheliegende Antwort: Zementierte, nicht hinterfragte Rollenbilder sind Baby-Killer par excellence. Denn noch immer übernehmen Frauen den Löwinnenanteil der unbezahlten Care-Arbeit. Dafür reduzieren sie ihre Pensen und bezahlen das Kinderkriegen obendrauf noch mit einem tieferen ­Einkommen.

Höchste Zeit, die Verteilung von (unbezahlter) Care-Arbeit umzu­krempeln. Höchste Zeit für einen Care-Streik, wie er für den 14. Juni 2027 geplant ist.

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