Feministischer Streiktag: Kräfte sammeln für den grossen Care-Streik 2027
«Die feministische Bewegung in der Schweiz wächst»

In diesem Jahr ist die Zurückhaltung am feministischen Streiktag deutlich zu ­spüren. Ist bei der feministischen ­Bewegung die Luft ­draussen? Nein, erklärt Unia-Frau ­Victoria ­Lange ­Gómez: Man tanke Energie für den grossen Care-Streik 2027.

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ES WIRD GROSS: Streikkollektive und Gewerkschaften bündeln ihre Kräfte für den nationalen Care-Streik vom 14. Juni 2027. (Foto: isc)

Seit 35 Jahren gehört der 14. Juni der feministischen Bewegung der Schweiz. Denn am 14. Juni 1991 – auf den Tag genau 10 Jahre nach der Abstimmung über die Verankerung der Gleichberechtigung in der Bundesverfassung – schrieben die Frauen hierzulande Geschichte: Ein historischer Streiktag löste nicht nur landesweit eine «lila Welle» los und mobilisierte Hunderttausende Frauen, sondern brachte auch politisch essentielle Verbesserungen. Wenige Jahre später wurde das Gleichstellungsgesetz eingeführt.

Feministisches Nein zur ChaosInitiative

In diesem Jahr überschneidet sich der feministische Streiktag mit einem weiteren wichtigen politischen Ereignis: der Abstimmung über die SVP-Initiative gegen eine «10-Millionen-Schweiz». Victoria Lange Gómez, zurzeit zuständig bei der Gewerkschaft Unia für die Interessengruppe Frauen, betont, wie wichtig es aus feministischer Sicht sei, gegen die Chaosinitiative der SVP abzustimmen:

Diese Initiative greift den Lohnschutz von allen Arbeitnehmenden an. Besonders viele Frauen und Migrantinnen arbeiten heute schon unter prekären Arbeitsbedingungen. Bei einer Annahme wird besonders ihre Situation massiv schlechter.

Konkret sind es Branchen, die unsere Gesellschaft tragen und systemrelevant sind. Beispielsweise die Reinigung, die Pflege oder die Kinderbetreuung. «In Branchen, wo die Löhne heute schon kaum zum Leben reichen, birgt die Chaosinitiative noch mehr Druck, Stress und vor allem Lohndumping», sagt Lange Gómez.

Spürbare Zurückhaltung

Klar ist also: Am 14. Juni abzustimmen ist bereits ein feministischer Akt. Auch in diesem Jahr or­ganisieren die feministischen Streikkollektive schweizweit Aktionen, Demos, Zusammenkünfte aller Art. Die Gewerkschaft Unia ist ebenso in mehreren Städten präsent. Doch dieses Jahr ist eine klare Zurückhaltung spürbar. Ist die Luft draussen?

Unia-Frau Lange Gómez sagt klar: «Nein! Die feministische Bewegung in der Schweiz wächst, doch statt für Fortschritt zu kämpfen, müssen wir uns zurzeit gegen Rückschritte wehren. Zudem basiert viel Organisation rund um den Streiktag auf unbezahlter Arbeit. Die Zurückhaltung in diesem Jahr ist ein Zeichen von Energietanken.» Während in vielen Schweizer Städten Demonstrationen stattfinden, verzichtet das Berner Streikkollektiv bewusst auf eine Demo. Die Begründung: «Einerseits werden die Ressourcen bereits für den nationalen Care-Streik vom 14. Juni 2027 benötigt. Andererseits wurde die Organisation der Grossdemonstration in den vergangenen Jahren von einer kleinen Gruppe getragen.»

Grosse Pläne für 2027

Klar ist also: Am 14. Juni 2027 findet in der Schweiz der grosse Care-Streik statt. Auch die Gewerkschaftsmitglieder der Unia sind vorne mit dabei. So beschlossen die Pflegenden an ihrem Kick-off-Treffen Ende Mai, den Fokus auf den Care-Streik im nächsten Jahr zu legen. Ein Vorteil ist die lange Vorlaufzeit für die Planung und konkrete Umsetzung. Für Lange Gómez ist aber wichtig zu betonen, dass die Arbeitsniederlegung in der Pflege viele Hürden hat. «Schliesslich entscheidet die Belegschaft, ob und wie sie streiken möchte. Die Aufgabe von uns als Gewerkschaft ist, sie in allen Anliegen bestmöglich zu unterstützen», sagt sie.

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