Laura mal lautLaura und die Narben
Die Werte der SVP sind für mich rassistisch, faschistisch, kapitalistisch, absurd, verwirrend und unmenschlich.
Anne-Sophie Zbinden, Chefredaktorin

Die SVP will die Schweizer Wohnbevölkerung bei 10 Millionen deckeln. Just am feministischen Streiktag stimmen wir über diese Initiative ab. Auf den Tag genau 45 Jahre nach der Verankerung der Gleichstellung in der Bundesverfassung. Und 30 Jahre nach der Einführung des Gleichstellungsgesetzes. Darum lasst uns alles deckeln:
10 Millionen gebügelte Hemden sind genug.
10 Millionen leere Bettpfannen sind genug.
10 Millionen Windelwechsel sind genug.
10 Millionen Putzlappenmeter sind genug.
Klingt absurd? Ist es auch. Aber nicht mehr als der Bevölkerungsdeckel. Und was den feministischen 14. Juni anlangt: Die Initiative bringt uns der Gleichberechtigung keinen 10-Millionstel näher: Lohnungleichheit, Rentenlücken, Gewalt gegen Frauen, unbezahlte Care-Arbeit, nichts davon wird mit dem Bevölkerungsdeckel besser. Im Gegenteil: Kommen weniger Migrantinnen, liegt die Gesundheitsversorgung 10 Millionen Mal flach.
Denn die Frauen können nicht noch mehr. Sie können nicht «ein bisschen früher aufstehen und etwas später ins Bett» (Rudi Bindella). Sie sitzen nicht auf der Ersatzbank der Nation und warten darauf, endlich Vollzeit arbeiten zu dürfen. Denn das tun sie bereits. Sogar mehr als das, bezahlt und unbezahlt über 57 Stunden pro Woche. Mehr wäre absurd. So absurd, wie von unserer stolzen Fussball-Nati zu verlangen:
Stürmer sind ab sofort auch Schiedsrichter.
Mittelfeldspieler übernehmen nebenbei die Massage.
Der Goalie macht nach dem Spiel noch die Platzpflege.
Und der Trainer wäscht die Trikots.
Im WM-Land USA, dem Trumpschen Absurdistan, würde das wohl nicht mal sonderlich auffallen. Doch was werden Schweizer Nati-Spieler wie Embolo, Sow, Manzambi, Ndoye oder Rodriguez wohl denken, wenn sie am 14. Juni aus Übersee auf die Schweiz blicken? Auf die Abstimmungsresultate? Auf das Land, für das sie rennen, kicken und schwitzen?
Im Fussball ist die Schweiz ja eigentlich ganz einfach zu erklären: Alle Spieler im roten Trikot gehören dazu, ob auf dem Spielfeld oder der Ersatzbank. Ob aus Zürich, Yaoundé oder einem Dorf zwischen zwei Bahnhöfen. 10 Millionen? Für Transfers wahrscheinlich nicht genug. Eine laut singende Menschenmenge, auf beschränktem Platz zusammengepfercht? Kein Dichtestress, sondern die Zuschauertribüne. Die entscheidende Grenze? Nicht jene zwischen zwei Ländern, sondern die Strafraumgrenze. Die beste Schweiz? Nicht jene, die am saubersten abgrenzt, sondern die, die am saubersten zuspielt. Und auch beim 10-Millionsten Tor würden wir uns nicht fragen, ob die Schweiz gerade zu gross geworden ist. Sondern feiern.