1x1 der Wirtschaft
Von Gleichstellung keine Spur: Und die Frauen ­bezahlen die ­Zeche

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Noch immer arbeiten fast 60 Prozent der Frauen Teilzeit – und nur 20 Prozent der Männer. Bei Eltern ist der Unterschied noch grösser: 75 Prozent der Mütter mit Kindern jünger als 25 Jahre arbeiten Teilzeit. Bei den Vätern sind es bloss 14 Prozent. Frauen geben dreimal häufiger als Männer Kinderbetreuung oder andere familiäre oder persönliche Verpflichtungen als Gründe für ihr Teilzeitpensum an. Frauen wenden 61 Prozent ihrer totalen Arbeitszeit für unbezahlte Haus- und Familienarbeit (Care-Arbeit) auf – Männer bloss 42 Prozent. Die unbezahlte Care-­Arbeit und die bezahlte Erwerbs­arbeit sind also immer noch sehr ­ungleich zwischen den Geschlechtern verteilt – auf Kosten der Frauen. Denn Teilzeitarbeit wirkt sich negativ auf Lohn, Karriere und Renten aus.

Kita-Kosten

Die Schweiz gehört zu den Ländern mit den höchsten Kosten für familienergänzende Kinderbetreuung. Zudem ist das Angebot an Betreuungsplätzen in vielen ­Regionen ungenügend. Deshalb ­reduzieren viele Frauen ihr Arbeits­pensum, um sich um die Kinder zu kümmern. Die familienergänzende Kinderbetreuung muss fundamental gestärkt werden, wie dies zum ­Beispiel die Kita-Initiative der SP ­be­absichtigt, über die bald abgestimmt werden könnte. Damit würden auch die schlechten Arbeitsbedingungen in den Kitas verbessert werden. Zudem braucht es eine richtige Elternzeit, damit die Care-­Arbeit von Anfang an gerechter ­zwischen den Eltern aufgeteilt ­werden kann.

Der lange Vollzeitstandard von 42 Stunden macht es unmöglich, Kinderbetreuung, Hausarbeit und Vollzeitpensum unter einen Hut zu bringen. Dies führt dazu, dass vor allem Frauen ihr Erwerbsarbeitspensum reduzieren. Es braucht eine Verkürzung der bezahlten Arbeitszeit, um unbezahlte Care-Arbeit und Erwerbsarbeit besser vereinen und zwischen den Geschlechtern aufteilen zu können.

Noémie Zurlinden ist Ökonomin bei der Unia.

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