Schutz vor Hitze
Jedes dritte Heim unternimmt nichts

Für viele Altersheime und Spitäler scheint Hitzeschutz noch ein -Fremdwort zu sein. Eine Studie mit 900 Pflegenden im Auftrag des BAG zeigt: Oft stellt der Betrieb nicht einmal Wasser zur Verfügung. 

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VIEL WASSER TRINKEN: Das gilt besonders an Hitze-Tagen. (Foto: Keystone)

Schützen Heime, Spitäler und Spitex-Betriebe die ihnen anvertrauten Menschen vor den Gefahren der Hitze? Sind sie gerüstet für die Zunahme von Hitzewellen, auf die wir uns einstellen müssen? Jetzt gibt es dazu Zahlen in einer Studie, die das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Auftrag gab. 900 Mitarbeitende in Pflege und Betreuung wurden befragt, welche Massnahmen es an ihrem Arbeitsort gibt, um Mitarbeitende wie auch Bewohnerinnen und Patienten zu schützen.

Alle wissen: Hitze ist für ältere und kranke Menschen besonders gefährlich. Gleichzeitig lässt sie die Belastung für Pflegende noch weiter ansteigen (zum Beitrag). Deshalb bezeichnete schon 2008 die Weltgesundheitsorganisation WHO den Hitzeschutz im Gesundheitssystem als einen zentralen Bestandteil von Aktionsplänen gegen die Hitze. Doch die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigen: Diese Botschaft ist noch längst nicht in allen Betrieben angekommen. 

Kein Abkühlen in der Pause

In der Langzeitpflege gab ein Drittel der Befragten an, für Mitarbeitende gebe es an ihrem Arbeitsort keine besonderen Massnahmen zum Hitzeschutz. Bei 22 Prozent existierten auch keine Schutzmassnahmen für die Bewohnerinnen und Bewohner.

Dort, wo die Heime etwas für ihre Mitarbeitenden taten, war das kostenlose Bereitstellen von Wasser die häufigste Massnahme. Das ist wirksam und mit wenig Aufwand machbar. Umgesetzt wurde es trotzdem nur bei etwas mehr als der Hälfte der Teilnehmenden (58 Prozent).

Die Forschenden wollten auch wissen, was die Pflegenden im Kampf gegen die Hitze als wichtig einstuften. Neben dem Trinkwasser waren oft genannte Antworten: zusätzliche Pausen – und dafür ein gekühlter Raum. Doch nur ein Viertel der Befragten gab an, ihr Heim habe einen gekühlten Pausenraum. Zusätzliche Pausen bei Hitze gibt es sogar nur bei drei Prozent.

Spitäler und Spitex: noch übler

Doch es geht noch schlimmer. Im Rest des Gesundheitswesens ist der Hitzeschutz noch löchriger. 4 von 10 Spitex-Mitarbeitenden und sogar 6 von 10 in Spitälern berichteten, in ihrem Betrieb gebe es keinerlei besonderen Schutzmassnahmen für Mitarbeitende während Hitzeperioden.

Durchgeführt haben die Studie Forscherinnen und Forscher des Schweizerischen Tropeninstituts in Basel, und zwar im Herbst 2025, also noch vor den Hitzewellen dieses Jahres. Dennoch zeigen die Antworten, wie stark die Hitze bereits im letzten Sommer Pflegende belastet hat. Fast neun von zehn gaben an, wegen des heissen Wetters hitzebedingte Symptome oder Beschwerden erlebt zu haben. Am häufigsten war starkes Schwitzen; je rund die Hälfte aller Teilnehmenden berichtete aber auch über Konzentrationsprobleme und starke Müdigkeit – beides potenziell gefährliche Zustände bei Mitarbeitenden, die unter anderem Medikamente verabreichen.

Heime, sprecht mit den Pflegenden!

Die Studie hält fest:

Der Klimawandel erhöht Häufigkeit, Intensität und Dauer von Hitzeextremen. Daher wird die Belastung über die nächsten Jahre vermutlich steigen.

Keine Frage also, in Sachen Hitzeschutz haben die Schweizer Heime, Spitäler und Spitexen noch sehr viel zu tun. Das zeige sich auch am Auseinanderklaffen zwischen dem, was Betriebe bisher unternehmen und dem, was Mitarbeitende als besonders wichtig einstufen. Dies «verdeutlicht den weiteren Handlungsbedarf», so die Studie. Sie empfiehlt, die Mitarbeitenden einzubeziehen. Denn die Forschung habe gezeigt: Dies verbessere sowohl Akzeptanz als auch Wirkung von Massnahmen.

Unia fordert: Politik muss Massnahmen für alle durchsetzen

Ob Köchinnen, Kinderbetreuer oder Verkaufspersonal: Für viele wurde der Arbeitsplatz diesen Sommer unerträglich heiss. Für Enrico Borelli, Co-Leiter Pflege bei der Unia, steht die Hitze in Alters- und Pflegeheimen deshalb für ein grösseres Problem: «Die Zunahme von Wetterextremen zwingt uns, die Arbeitsplätze von Grund auf zu überdenken. Im Freien sowieso, aber auch im Inneren.»

Die meisten Gebäude, auch ­Altersheime, wurden in einem ganz anderen Klima geplant und gebaut. Jetzt müssen sie an die neue Realität angepasst werden. Allenfalls mit einer Klimaanlage, aber nicht nur: Auch Sonnenschutz, bessere Lüftung sowie mehr Grünflächen und Bäume können helfen, ein Heim zu kühlen. Für Borelli ist klar:

Als Gesellschaft dürfen wir die Verantwortung dafür nicht allein dem Gutdünken der einzelnen Heim- und Konzernleitungen überlassen.

Denn erstens sei der Klimawandel ein strukturelles Problem und brauche eine Gesamtschau, damit kein ­Flickwerk entstehe. Zweitens gehöre das Pflegen von alten Menschen zu den ­öffentlichen Aufgaben. «Die ­Anpassung wird staatliche Finanzierung brauchen. Deshalb braucht es eine politische Steuerung.»

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