Zwei Monate Hitzewelle
Büezerinnen und Büezer sind am Anschlag: Was sich jetzt ändern muss

Nach zwei Monaten extremer Hitze sind Büezerinnen und Büezer erschöpft. So etwa ein Sicherheitsmitarbeiter, der unter praller Sonne den Verkehr regelt. Oder eine Pflegehelferin, die berichtet, mit welchen Herausforderungen sie im Pflegeheim konfrontiert ist.

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DER SONNE AUSGELIEFERT: Sicherheitsmitarbeiter, die den Verkehr regeln, haben harte Wochen hinter sich. (Foto: Thierry Porchet/Archiv)

Die Sonne brennt auf den Asphalt, die Luft ist schwül, die Autos reihen sich vor der Baustelle ein und warten auf das Zeichen des Sicherheitsmitarbeiters, bis er ihnen das Signal zur Weiterfahrt gibt. Der Mann, der hier den Verkehr regelt, leidet unter der Hitze. Er gehört zu jenen Arbeiterinnen und Arbeitern, die seit Beginn der Hitzewelle unter extremen Arbeitsbedingungen chrampfen müssen. «Es ist wirklich sehr hart», sagt Bernard Moser*, der seit über zehn Jahren als Sicherheitsmitarbeiter in der Westschweiz arbeitet. «Ich muss den ganzen Tag auf meinem Posten bleiben, ohne ausreichenden Schutz und ohne ausreichende Pausen», führt er aus. Seine Kritik ist deutlich:

Wir sollten uns abwechseln können. Aber dafür müsste die Firma einen zweiten Mitarbeiter hinzuziehen. Das verursacht Kosten, deshalb tut sie es nicht.

Die Unternehmen sind per Gesetz dazu verpflichtet, die Sicherheit ihrer Mitarbeitenden zu gewährleisten. Normalerweise konsultieren Firmen dazu Fachleute, wie etwa Frédéric Regamey. Er ist Arbeitsmediziner und hilft Arbeitgebern dabei, Schutzmassnahmen für die Büezerinnen und Büezer zu entwickeln. Dabei gehe es nicht nur darum, den Komfort der Arbeiterinnen und Arbeiter zu verbessern. Denn ohne angemessene Präventionsmassnahmen könne die Hitze die Gesundheit beeinträchtigen, das Unfallrisiko erhöhen und die Arbeitsleistung mindern, führt Regamey aus. Anzeichen für einen nicht ausreichenden Schutz äussern sich durch Müdigkeit, Kopfschmerzen oder verminderte Aufmerksamkeit, die durch Schlafstörungen noch verstärkt würden. «In den schwersten Fällen kann die Hitzebelastung zu schwerer Dehydrierung oder zu einem Hitzschlag führen, was einen echten medizinischen Notfall darstellt.»

Kann sich unser Körper akklimatisieren?

Die Wissenschaft ist sich einig: Solch extreme Hitzewellen werden häufiger. Ist es möglich, dass sich unser Körper an die neuen Bedingungen gewöhnt und dadurch weniger belastet wird? Frédéric Regamey sagt: «Der Körper ist in der Lage, sich teilweise an die Hitze zu gewöhnen.» Diese Anpassung setze in der Regel nach ein bis zwei Wochen ein und ermögliche insbesondere eine effizientere Schweissbildung sowie eine Anpassung des Herz-Kreislauf-Systems. Sie müsse aber jährlich neu erfolgen. Zudem, so Regamey:

Die Anpassung schützt uns weder vollständig vor den Auswirkungen der Hitze noch vor dem Risiko eines Hitzschlags.

Selbst wenn Unternehmen Massnahmen ergreifen, um ihre Mitarbeitenden vor der Hitze zu schützen, bleiben die Arbeitsbedingungen schwierig. Das zeigt das Beispiel von Pflegehelferin Alexia Rodríguez*, die in einem Pflegeheim in Genf arbeitet. Sie sagt: «Die Heimleitung hat schnell reagiert. Sie hat uns per Mail über einen Hitzewellenplan informiert und mit Plakaten auf die richtigen Verhaltensweisen aufmerksam gemacht. Zudem wurde am Morgen und Abend zusätzliches Personal eingeplant, um zusätzliche Ruhezeiten zu ermöglichen. Auch erhielt jeder von uns einen Kühlbeutel.» Trotzdem seien die Tage durch die Hitzewelle zusätzlich anstrengend. Die Pflegehelferin erklärt: «Ein grosser Teil unserer Arbeit besteht darin, die Bewohnerinnen und Bewohner mit Flüssigkeit zu versorgen. Wir gehen viel häufiger in die Zimmer, um ihnen etwas zu trinken anzubieten, da viele keinen Durst verspüren. Wir versuchen auch, sie im Erdgeschoss unterzubringen, wo es dank der Ventilatoren etwas kühler ist. Das Problem ist, dass das Gebäude die Wärme speichert. Selbst wenn wir den ganzen Tag die Rollläden geschlossen halten und nachts die Fenster öffnen, kühlen die Räume kaum ab.»

Es braucht bauliche Verbesserungen

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Pflegeheims sind die ersten, die unter der Hitze leiden, und dies erfordert ständige Wachsamkeit seitens des Pflegepersonals. «Sie sind verwirrter, schläfriger, essen weniger und weigern sich oft, mehr zu trinken», so Alexia Rodríguez. Und weiter: «Manche bitten sogar um eine Jacke, ohne zu merken, dass sie gerade dehydrieren.» Zu den getroffenen Notfallmassnahmen sagt sie:

Heute helfen sie uns, die Situation zu bewältigen, aber sie reichen nicht mehr aus. Es wären umfangreiche bauliche Umgestaltungen erforderlich und kurzfristig zumindest eine Klimaanlage in den Gemeinschaftsräumen – den Fluren, dem Speisesaal, den Aufenthaltsräumen –, um den Bewohnern bessere Lebensbedingungen und dem Personal bessere Arbeitsbedingungen zu ermöglichen.

Die Temperatur ist aber nicht der einzige Faktor. Arbeitsmediziner Regamey erklärt: «Die Arbeitsintensität, die Luftfeuchtigkeit, die Sonneneinstrahlung oder auch das Tragen von Schutzausrüstung müssen ebenfalls berücksichtigt werden, um die tatsächliche Belastung der Arbeitnehmer zu bewerten.» Vor allem müsse man sich organisieren, bevor das Thermometer die 30-Grad-Marke überschreite, um die durch die Hitzewelle verursachten Schäden zu mindern: «Arbeitgeber tun gut daran, noch vor dem Einsetzen der Hitze mit Unterstützung von Fachleuten Aktionspläne auszuarbeiten. Es obliegt ihnen zudem, die Arbeitnehmenden über die bestehenden Risiken sowie über die zu ergreifenden Präventionsmassnahmen zu informieren und sie dafür zu sensibilisieren.» Dies seien äusserst wichtige Massnahmen, wenn man bedenke, dass die Suva beispielsweise schätze, dass jährlich etwa 1000 berufsbedingte Hautkrebsfälle auftreten könnten, so Frédéric Regamey.

*Namen geändert

Dieser Beitrag ist zuerst in der französischsprachigen Unia-Zeitung «L’Evénement syndical» erschienen und wurde von work übersetzt.

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