Hitzetage im Gartencenter, Laden oder Kiosk
Brutal heiss, brutal ungesund

Heisse Temperaturen erschweren die Arbeit vieler Menschen und gefährden ihre Gesundheit. Deshalb ist klar: Gesundheitsschutz sollte bei Hitzewellen an erster Stelle stehen. 

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HITZEWELLE: Viele Arbeiterinnen und Arbeiter leiden unter den hohen Temperaturen. (Foto: Getty Images)

Die Temperaturen in Bern klettern bereits Ende Juni auf über 33 Grad. Während viele Menschen Schatten suchen oder sich im Wasser abkühlen, arbeiten andere den ganzen Tag draussen oder in nicht klimatisierten Räumen. Die Hitze belastet den Körper, erschwert die Arbeit und wirft Fragen zum Gesundheitsschutz auf.

Wie erleben Arbeitende die Hitzetage? Und sollte es ab einer bestimmten Temperatur hitzefrei geben? Bäckereiverkäuferin Debora aus Bern erzählt: «Man merkt schon, dass man bei dieser Hitze müder ist und nicht mehr die gleiche Leistung erbringen kann. Zum Glück ist bei uns im Sommer, wenn es besonders heiss ist, meist etwas weniger los. Dadurch können wir zwischendurch auch mal durchatmen. Mein Tipp: Viel trinken und später noch baden gehen. Gerade Menschen, die ständig draussen arbeiten, hätten hitzefrei verdient.»

Ähnliches erlebt Floristin Jenny, ebenfalls in Bern tätig. Die hohen Temperaturen seien nicht nur für die Menschen, sondern auch für die Blumen eine Herausforderung: «Die Blumen vertragen Hitze nicht besonders gut, was die Arbeit zusätzlich erschwert. Auch persönlich ist die Hitze belastend, besonders hier, wo wir weder eine Klimaanlage noch andere Kühlmöglichkeiten haben. Wenn es ganz schlimm wird, lege ich mir ein nasses Tuch in den Nacken.»

Nicht nur der Bau ist betroffen

«Die Hitze ist für mehr Menschen auf der Arbeit eine Herausforderung, als viele meinen. Der Bau ist ein Brennpunkt, doch es gibt weitere Branchen, die wir auf dem Radar haben müssen», sagt Unia-Gewerkschaftssekretärin Anna Meier. Sie war mit ihrem Team in den vergangenen Tagen in Bern unterwegs. Besonders zu schaffen macht die Hitze dem Verkaufspersonal in geschlossenen Räumen ohne Klimaanlage oder mit schlechter Belüftung. Sehr heiss wird es in Gartencentern mit Treibhäusern. Weiter erwähnt Meier die Kioskverkäuferinnen, die an den offenen Ständen der Hitze ausgesetzt sind. 

Brutal ist die Hitze auch für das Personal --in der Sicherheitsbranche. Meier sagt:

Teilweise stehen die Arbeiterinnen und Arbeiter stundenlang an der gleichen Stelle in der prallen Sonne, ohne von ihren Arbeitgebern mit Sonnenschutz und Wasser versorgt zu werden. Zudem sind es oft viel zu lange Schichten.

In der Region Bern musste die Gewerkschaft in solchen Fällen bereits mehrmals eingreifen. 

Je heisser, desto mehr Massnahmen

Die Auswirkungen des Klimawandels sind real und treffen immer mehr Arbeitnehmende. Deshalb nimmt die Unia das Thema bei Verhandlungen zu neuen Gesamtarbeitsverträgen mit an den Verhandlungstisch. Florian Rudin, Unia-Fachsekretär für Gesundheitsschutz, sagt: «Das Risiko für Dehydrierung, Hitzschläge und Kreislaufprobleme am Arbeitsplatz steigt erheblich bei hohen Temperaturen. Besonderen Schutz benötigen ältere Arbeitnehmende, Jugendliche und natürlich Schwangere.»

Auch in Innenräumen ist Hitze gefährlich. Gerade hohe Feuchtigkeit oder viele Maschinen können das Arbeiten massiv erschweren. Dabei nennt Rudin das Beispiel der Textilreinigung, wo durch die sehr hohe Feuchtigkeit eine Extremsituation entsteht. Einfache Massnahmen können da bereits sehr hilfreich sein, weiss Rudin: «Wärmequellen reduzieren, lüften, Getränke bereitstellen und, besonders wichtig: mit den Mitarbeitenden weitere Massnahmen besprechen und sie über die Risiken aufklären.»


Hitzewelle Genf stoppt Arbeit im Freien

HEISS: Büezer in der Sonne. (Foto: Keystone)

Genf greift durch! Während Hitzetagen ordnet das kantonale Arbeitsinspektorat einen Arbeitsstop im Freien an. Büezerinnen und Büezer, die im Freien arbeiten und direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, müssen ab 13 Uhr die Schaufel, den Hammer oder die Gartenschere liegen lassen. Weiterarbeiten dürfen sie nur unter strengen Vorschriften: Ab 13 Uhr sind höchstens 15 Minuten Arbeit an der Sonne erlaubt, darauf folgt eine Erholungspause von 45 Minuten im Schatten. Der Baustop sorgt beim Baumeisterverband (SBV) für rote Köpfe. Die strengen Terminpläne auf dem Bau rechnen nämlich nicht mit Unterbrechungen. Doch die Gluthitze kennt keine Terminpläne und ist eine akute Gefahr für die Gesundheit und die Arbeitssicherheit. Das Unfallrisiko auf Baustellen steigt an Tagen mit über 30 Grad um satte sieben Prozent, schreibt die Suva.

Die Unia setzt sich seit Jahren für klare Regeln bei extremer Hitze auf dem Bau ein. Sie fordert, dass ab 33 Grad schwere Arbeiten im Freien vorübergehend unterbrochen werden müssen. Und dass Baufristen in solchen Fällen entsprechend anzupassen sind. Das liegt auch im Interesse der Baumeister, sie unterstützen die Forderungen der Gewerkschaften. Damit die Regelung für alle gilt, muss sie aber noch in der Bauarbeitenverordnung des Bundes verankert werden. Sogar im nationalen Parlament konnte die Unia Erfolge verbuchen: Eine Motion, die verlangt, dass Fristen bei unverschuldeten Ereignissen erstreckt werden können – etwa bei Hitze –, fand im Nationalrat breite Unterstützung. Nur die SVP stimmte gegen den Schutz der Büezer. Die Motion ist aktuell noch im Ständerat hängig.

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