Editorial

Wir haben es in der Hand

Marie-Josée Kuhn

Marie-Josée Kuhn, Chefredaktorin work

Alpha, Beta, Gamma, Delta, Omikron: Bald können wir schon das halbe griechische Alphabet auswendig. Und das nur wegen Sars-CoV-2. So nannten wir das Coronavirus vor bald zwei Jahren, als es uns, von Italien heranrollend, einholte. Und aufschreckte. Solch tödliche Viren, das gibt’s doch in Afrika, das gibt’s doch nicht bei uns! So dachten wir damals in unserer ganzen Wohlstandsverwöhntheit. Und nicht wenige denken immer noch, Corona könne ihnen nichts an­haben. Obwohl ein hartes Triage-Regime in den Spitälern näher rückt. Weil das Virus den Förderalismus liebt. Und weil die Kantone besser sind im Reklamieren als im Handeln.

Die meisten von uns aber lernen den Tod in Wellen griechisch buchstabieren. Nur das «Xi» hat die internationale Gesundheitsorganisation WHO bei der Taufe der Virusmutationen übersprungen. Offenbar nicht direkt wegen Chinas Präsidenten Xi Jinping, sondern weil «Xi» ein gängiger Nachname sei und man niemanden beleidigen möchte. Doch auch ohne «Xi» und ohne «Ny», das die WHO auch schon ausgeschlossen hat, verbleiben uns im griechischen Alphabet immer noch zig Buchstaben. Uiuiui, bitte, nein! Wir wollen es uns gar nicht ausmalen. Hingegen möchten wir jetzt, wo sich das Jahr ermattet seinem Ende zuneigt, ultimativ-definitiv Antwort auf die bange Frage: Wann hört das endlich auf?

Seuchen können beendet werden.

DIE GUTE NEUIGKEIT: Seuchen haben die Menschheitsgeschichte mitgeschrieben. Das zeigt die grosse work-Infografik der Welt der Pandemien von A wie Aids bis T wie Tuberkulose. Die geschätzte Zahl der Toten, die solche Pandemien gefordert haben, und die Zeit, die sie andauerten, sind eindrücklich. Ja, andauerten, in der Vergangenheitsform. Denn Seuchen können auch beendet werden, schreibt work-Autor Oliver Fahrni: «Die Krankheitserreger verschwinden nicht, fast alle Viren früherer Epidemien sind noch immer unter uns. Dass sie ihre Wucht verlieren, ist das Resultat eines gesellschaft­lichen Vorgangs.» Wir haben es also in der Hand. Wir bestimmen das Ende einer Pandemie, indem wir lernen, mit ihr umzugehen. Indem wir Impfstoffe und Medikamente entwickeln. Aber auch, indem wir die Treiber von Pandemien auszuschalten versuchen. Soziale Not, Umweltzerstörung, Zerstörung der Artenvielfalt, Kriege usw.

UND DIE SCHLECHTE NACHRICHT? Auch wenn der politische Wille schon da wäre, was eindeutig nicht der Fall ist, schon gar nicht hierzulande: so was kann dauern. Die Pocken wüteten schon vor 12’000 Jahren in Nordafrika und forderten weltweit geschätzte 310 Millionen Tote, bevor die WHO 1967 durchgriff. Mit einer globalen Impfpflicht und einer grossen Impfkampagne. Seit 1980 gilt die Krankheit nun schon als ausgerottet. Das ist tröstlich. Aber ja, das löst unser Corona-Problem nicht. Jeder Blick in die Geschichte hat halt immer beides, etwas Tröstliches und etwas Beunruhigendes zugleich.

So oder so: Das nächste Jahr kommt bestimmt. Und mit ihm auch neue Hoffnungen. In diesem Sinn und Geiste wünschen wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, möglichst sorgenlose Festtage und einen rassigen Rutsch ins 2022 mit seinen 3× 2!

Am 21. Januar sind wir wieder bei Ihnen im Briefkasten. Und bis dann ohne Unterbruch auf workzeitung.ch, Facebook, Twitter und Instagram für Sie da. Die Redaktion

1 Kommentar

  1. Peter Bitterli

    Ein verantwortungsloses Gewäsch über einen „Tod“, der sich zwei Jahre lang trotz Panikgerede in keiner Art und Weise im Übermass eingestellt hat. Aber viel Selbsterkenntnis für einmal: Wohlstandsverwöhntheit. Ja, genau so lässt sich das gesamte Tun und Treiben der Unia bezeichnen.

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