Eine überzeugten Gewerkschafterin
Dolly Parton kreierte die Hymne der Arbeiterinnen-Bewegung

Dolly Parton ist im Alter von 80 Jahren verstorben. Weltweit kennt man sie als Songwriterin und Country-Sängerin. Doch Dolly Parton war auch überzeugte Gewerkschafterin und hat mit «9 to 5» ein Lied geschrieben, das den berufstätigen Frauen eine grosse Bühne gab.

EIN FILM, DER BEWEGTE: Dolly Parton 1980 im Film «9 to 5». (Foto: pd)

Diese Woche hat die Familie von Dolly Parton den Tod der bekannten US-Sängerin verkündet. Sie ist am 25. August 2026 im Alter von 80 Jahren nach einem «kurzen, aber tapferen Kampf gegen den Krebs» verstorben, wie ihre Familie kommunizierte.

«Es ist ein Spiel für reiche Männer»

Der internationale Durchbruch gelang Dolly Parton 1973 mit dem Welthit Jolene. Doch der Song, mit dem sie 1980 die Charts stürmte, machte sie zu einer Ikone der Arbeiterinnenbewegung. Die Rede ist vom Lied «9 to 5». Zum Rhythmus einer tippenden Schreibmaschine singt Parton vom harten Alltag der Büroarbeiterinnen und dem Gefühl, nur ein Mittel zum Zweck des Chefs zu sein («just a step on the boss’s ladder»). Gesellschaftskritisch prangert sie die Bedingungen der arbeitenden Frauen an. Mit Zeilen wie «They just use your mind and they never give you credit» (Sie nutzen nur deinen Verstand und würdigen dich nie) oder «It’s a rich man’s game no matter what they call it» (Es ist ein Spiel für reiche Männer, egal wie man es nennt) beschreibt sie das Gefühl der Ausbeutung.

«9 to 5» war der Titelsong eines gleichnamigen Films, in dem Dolly Parton an der Seite von Jane Fonda und Lily Tomlin mitspielte. Der Film kam zwar als Komödie daher, hatte aber eine ernste, feministische und gesellschaftskritische Botschaft. Dolly Parton spielte eine Büroangestellte, die gemeinsam mit ihren Kolleginnen ihren tyrannischen und sexistischen Chef gefangen nahmen. Kurzerhand ergriffen die Frauen die Kontrolle über das Büro, führten flexible Arbeitszeiten, eine Kita und Lohngleichheit ein.

Inspiration zum Film und Song war die so genannte «9to5»-Bewegung, offiziell die National Association of Working Women. Dabei handelte es sich um eine gewerkschaftliche Organisation, die 1973 in Boston von Büroangestellten gegründet wurde, um gegen miserable Bezahlung, mangelnde Aufstiegschancen und Sexismus zu kämpfen. Diesen mutigen Frauen wollten Jane Fonda, Dolly Parton und Lily Tomlin ein Denkmal setzen. Sie verliehen der Arbeiterinnenbewegung eine grosse Bühne und trugen ihre wichtigen Forderungen quer über den Globus.

SZENE AUS 9 TO 5: (v.l.) Jane Fonda, Lily Tomlin, Dolly Parton und Dabney Coleman (gefesselt). (Foto: pd)

Die Botschaft von «9 to 5» vertrat Dolly Parton mit Überzeugung. «Sie wusste, wie es ist, zu kämpfen, denn sie setzte sich ihr ganzes Berufsleben lang für arbeitende Familien ein», schrieb der grösste US-Gewerkschafts-Dachverband AFL-CIO (American Federation of Labor and Congress of Industrial Organizations). Und weiter: «Sie war eine Ikone und eine Inspiration. Ruhe in Frieden, unsere Gewerkschaftsschwester.»

Gewerkschaftsverträge für ihre Musikerinnen

Wie das linksliberale Magazin «The Nation» berichtet, war Parton fast 60 Jahre lang Mitglied verschiedener Gewerkschaften. So zum Beispiel in der Federation of Musicians of the United States and Canada (AFM), die als Gewerkschaft 70’000 Sänger und Musikerinnen vertritt. Die AFM schrieb zum Tod von Dolly Parton: «Sie war ein Mitglied, deren Einfluss weit über die Grenzen der Country-Musik hinausging, das aber nie aus den Augen verlor, wer sie war und welche Werte sie vertrat.“

Gegenüber «The Nation» sagte Dave Pomeroy, Präsident der einflussreichen AFM-Ortsgruppe 257 aus Nashville, dass Parton 58 Jahre ein «stolzes und vollberechtigtes Mitglied» ihrer Ortsgruppe gewesen sei. Sie habe Massstäbe bei der Unterstützung ihrer Band und Musikerkollegen gesetzt. Auch habe Dolly Parton mit Bands, Sängerinnen und Studiomusikern konsequent die AFM-Gewerkschaftsverträge abgeschlossen.

EIN LEBEN AUF DER BÜHNE: Dolly Parton im Jahr 2022 am Southwest Music Festival in Austin, Texas. (Foto: Keystone)

Parton war auch über 50 Jahre lang Mitglied der Gewerkschaft SAG-AFTRA (Screen Actors Guild – American Federation of Television and Radio Artists) mit über 160’000 Mitgliedern. Präsident Sean Astin wird von «The Nation» wie folgt zitiert: «Der Tod von Dolly Parton wird bei unseren Mitgliedern tief zu spüren sein. Ihr Leben und ihr Vermächtnis voller Freude und Kreativität hatten einen unbeschreiblichen Einfluss auf die Welt. Ihre grundlegende Menschlichkeit ist weltweit bekannt, und sie wird von unzähligen Millionen Menschen einfach geliebt.»

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