Der Berufswahlprozess ist für viele Jugendliche nicht einfach: Wer bin ich? Was kann ich gut? Was interessiert mich? In einer Schnupperlehre können Schülerinnen und Schüler für einen oder mehrere Tage in einen bestimmten Beruf eintauchen. Tipps, Tricks und Wissenswertes rund ums Schnuppern.

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HANDWERK: Finde beim Schnuppern heraus, ob dieser Beruf zu dir passt. (Foto: Shutterstoc)

Möchtest du gerne mit Menschen arbeiten? Oder zieht es dich in ­einen handwerklichen Beruf? Vielleicht ist Chemie dein Lieblingsfach, und du kannst dir vorstellen, einmal in einem Labor zu arbeiten? Oder hast du noch überhaupt keine Ahnung, was du später einmal arbeiten willst? Das geht vielen Jugendlichen so. Herauszufinden, welcher Beruf der richtige ist, ist gar nicht so einfach. Es braucht Zeit und Geduld. Sicher ist aber: Die meisten treffen die Berufswahl nicht von zu Hause aus, sondern beim Schnuppern. Vielleicht braucht es dafür zwei, vielleicht zehn, vielleicht zwanzig Schnupperlehren oder -tage. Wenn es dann aber plötzlich «Klick» macht und dir klar ist: genau das will ich machen, dann hast du es geschafft. Deshalb nutze die Chance, die Betriebe, die dich interessieren, ­kennenzulernen. Schnuppererfahrung kommt auch bei den Lehrbetrieben gut an. Denn damit signalisierst du bei einer Lehrstellenbewerbung, dass du dich intensiv mit deiner Berufswahl auseinandergesetzt hast und nun ­genau weisst, was du willst. Was du rund ums Schnuppern wissen solltest:

Rechtliches

Grundsätzlich darfst du eine Schnupperlehre machen, sobald dein 13. Geburtstag hinter dir liegt. Wenn du während der Schulferien einen Betrieb kennenlernst, darf die Schnupperlehre höchstens die Hälfte der Ferien in Anspruch nehmen, und eine einzelne Schnupperlehre darf nicht länger als zwei Wochen dauern. Du darfst nicht mehr als 8 Stunden pro Tag und 40 Stunden pro Woche schnuppern und nicht zu anderen Zeiten als zwischen 6 und 18 Uhr. Diese Dinge sind in der Jugendarbeitsschutzverordnung geregelt. Eine allgemeingültige Regelung für Schnupperlehren, zum Beispiel, was die Entlöhnung oder die Übernahme von Fahrkosten betrifft, gibt es nicht, weder auf Bundes- noch auf Kantons­ebene. Richtlinien und Empfehlungen sind Sache der einzelnen Berufsverbände. Für die Unia ist aber klar: Der Betrieb sollte zumindest die Fahrt- und Verpflegungskosten übernehmen. Wenn eine Schnupperlehre eine Woche oder länger dauert, ist auch eine Vergütung angebracht.

Versichert?

Gemäss Unfallversicherungsgesetz (UVG) sind Jugendliche, die eine Schnupperlehre ­absolvieren, obligatorisch gegen Unfälle versichert. Der Betrieb muss die Arbeitssicherheit von Jugendlichen in der Schnupperlehre gewährleisten.

Zweck

Es gibt zwei Arten von Schnupperlehren: jene, bei denen es einfach darum geht, einen Beruf kennenzulernen, und jene, die im Rahmen einer konkreten Lehrstellenbewerbung stattfinden, um abzuklären, ob Bewerbende und Betrieb zusammenpassen und ob eine grundsätzliche Eignung für den Beruf da ist. Falls du dir unsicher bist, um welche Art von Schnupperlehre es sich handelt, frag im voraus nach! Dann gibt es keine Missverständnisse.

Kontakte nutzen

Kennst du oder deine Eltern jemanden, der in deinem Traumberuf arbeitet? Persönliche Kontakte sind immer die besten. Nutze sie! Es kann nur von Vorteil sein, im Betrieb, bei dem man sich bewirbt, schon jemanden zu kennen.

Erstkontakt

Ist ein Beruf ausgemacht, in dem du schnuppern möchtest, und hast du einen Betrieb gefunden, der dich interessiert (siehe Spalte unten), kannst du dich um eine Schnupperlehre bewerben. Am besten ist es, sich telefonisch bei der Firma zu melden und sich zu erkundigen, ob eine Schnupperlehre angeboten wird. Dann kannst du auch gleich fragen, welche Unterlagen verlangt werden – da gibt es grosse Unterschiede: Manchen Betrieben reicht ein einfacher Lebenslauf, andere benötigen die Zeugnisse der letzten zwei Jahre und die Bestätigungs- oder Bewertungsblätter vergangener Schnuppereinsätze. Es kann auch sein, dass du ein Motivationsschreiben verfassen musst, warum du gerade in diesem Beruf und weshalb du ­gerade bei diesem Betrieb schnuppern möchtest. Die Berufsberatung stellt eine praktische Checkliste zur Verfügung, die hilft, das Telefonat gut über die Bühne zu bringen. Falls dich das Telefonieren trotzdem zu viel Überwindung kostet, kannst du ein Mail schreiben und auf diesem Weg nachfragen, welche Unterlagen du einschicken sollst. Es gibt auch Betriebe, die nur Onlineanfragen wünschen.

Vorbereitung

Es ergibt Sinn, sich vor dem Schnuppern ein wenig vorzubereiten. Um was für ein Unternehmen handelt es sich? Notiere dir ein paar Fragen, die du zum Beruf, zur Ausbildung oder zum Betrieb stellen möchtest, und überlege dir eine Antwort auf die Frage, was dich an dem Beruf besonders interessiert und warum du dir vorstellen könntest, in diesem Bereich zu arbeiten.

Alternativen

Manchmal ist es schwierig, eine Schnupperlehre zu finden, sei es, weil der Beruf sehr beliebt ist oder weil es nicht viele Betriebe in der betreffenden Branche gibt.

Es gibt noch andere Wege, sich mit einem Beruf auseinanderzusetzen. Besuche Berufs- und Ausbildungsmessen sowie Infoveranstaltungen. Alle vom Berufsinformationszentrum (BIZ) organisierten Veranstaltungen finden sich über diesen Link. Sprich mit Personen, die deinen Traumberuf ausüben, und frag sie Löcher in den Bauch – auch so kann man einen Beruf kennenlernen. Wenn du niemanden kennst, kannst du auch in Betrieben nachfragen, ob jemand bereit wäre, dir Auskunft zu geben.

work-Tipp: Schauend zum Traumjob

Eine weitere Möglichkeit, um mehr über einen bestimmten Beruf zu erfahren, sind Videos, in denen Lernende oder Ausgebildete Einblick in ihren Berufsalltag geben. Rund 400 Videos (eigene und von SRF school) sind auf der Website der Berufsberatung abrufbar. Das Portal von SRF school findest du hier. Die Website des Vereins «Lehrberufe Live!» ­präsentiert rund 200 verschie­dene Berufsbilder. Während ­interaktiver Live-Streams können Schülerinnen und Schüler den Lehrbetrieben ­direkt Fragen stellen (lehrberufe-live.ch).


Schnupperlehre suchenFündig im Web

Eine Schnupperlehre findet sich am einfachsten, wenn du oder deine Eltern jemanden kennen, der in diesem Beruf oder in dem Betrieb, der dich interessiert, arbeitet. Es geht aber auch ­anders: Ausgeschriebene Schnupperlehren findest du unter www.yousty.ch. Dort siehst du auch gleich, ob und ab wann der Betrieb eine Lehrstelle anbietet. Die Seite berufsberatung.ch stellt eine Liste mit Betrieben zur Verfügung, die für Schnupperlehren angefragt werden können. Auf der Plattform schnuppy.ch, einer Non-Profit Organisation, die von Gewerbe und Schulen initiiert wurde, können ­Betriebe Inserate für Schnupperangebote erstellen. Jugendliche müssen sich registrieren und können danach die Angebote einsehen. Das Angebot ist zurzeit in den Kantonen ­Zürich, Aargau, Thurgau, Schaffhausen, Zug und in Teilen der Kantone St. Gallen und Schwyz verfügbar. Weitere Regionen sind in Planung. Manche Betriebe schreiben ihre Schnupperangebote auch direkt auf der eigenen Website aus.

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