Hitze
8 Fakten, die Sie kennen sollten

Was macht die Hitze mit unserem Körper? Wer ist besonders gefährdet? Und wie kühlt man sich am effektivsten ab? work weiss Bescheid. Und Rat.

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BEI SCHWINDEL ODER UNWOHLSEIN HILFT: Schatten, Flüssigkeit und vor allem Ruhe. (Foto: Canva)

Kaum jemanden lässt sie kalt – buchstäblich und im übertragenen Sinn: Die Hitze ist seit Wochen Dauerthema Nummer eins, am Familientisch, beim Small Talk im Büro, im Tram. Und fast niemand freut sich uneingeschränkt über die heissen Temperaturen. Viele leiden körperlich darunter, fühlen sich schneller geschwächt und reagieren schneller als sonst auf Flüssigkeitsmangel. Seit dem Jahrhundertsommer 2003, in dem in der Schweiz fast tausend Menschen mehr starben als üblich, überwacht der Bund die Folgen der Hitze systematisch. 2024 etwa wurden 326 hitzebedingte Tode registriert. Das klingt dramatisch – doch was heisst das konkret für den eigenen Körper, und für wen ist Hitze wirklich gefährlich?

1. Der Körper gerät unter Dauerstress

Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) steigt ab einer Tageshöchsttemperatur von 30 Grad das hitzebedingte Sterberisiko mit jedem Grad deutlich an – und setzt den Körper unter Stress: Um die Kerntemperatur von rund 37 Grad zu halten, weiten sich die Hautgefässe, das Herz muss mehr pumpen, der Körper produziert mehr Schweiss. Die Folgen: Müdigkeit, Antriebslosigkeit, schwere Beine. Besonders mühsam wird es in sogenannten Tropennächten, wenn die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt und dem Körper die nötige Erholungsphase fehlt. Wird ausreichend getrunken und die körperliche Belastung angepasst, übersteht ein gesunder Erwachsener aber auch mehrere heisse Tage in aller Regel problemlos.

2. Für wen kann die Hitze gefährlich werden?

Gefährlich wird Hitze vor allem für bestimmte Gruppen: ältere Menschen, besonders ab 75 Jahren, Säuglinge und Kleinkinder, Schwangere sowie Personen mit Herz-Kreislauf-, Nieren- oder Atemwegserkrankungen. Auch bestimmte Medikamente wie zum Beispiel Diuretika oder Blutdrucksenker vertragen sich unter Umständen nicht so gut mit hohen Temperaturen. Auch Menschen, die im Freien arbeiten wie zum Beispiel Bauarbeiter, sollten besonders auf sich achten. Auch wer draussen Sport treibt, sollte sich der erhöhten körperlichen Belastung bewusst sein und sportliche Aktivitäten idealerweise auf die Morgen- oder Abendstunden verlegen.

3. Das Herz-Kreislauf-System ist bei Vorbelastung am empfindlichsten

Bei starkem Schwitzen sinkt das Blutvolumen und der Blutdruck kann fallen. Ein gesundes Herz kann das in der Regel gut ausgleichen. Bei einer bestehenden Herzschwäche oder verengten Herzkranzgefässen kann diese zusätzliche Belastung jedoch spürbar werden – etwa durch Herzstolpern oder Kurzatmigkeit. Wer eine entsprechende Vorerkrankung hat, sollte mit dem Hausarzt oder der Hausärztin besprechen, worauf im Sommer besonders zu achten ist.

4. Auch die Nieren können betroffen sein

Was viele nicht wissen: Auch die Nieren können unter der Hitze leiden. Wer stark schwitzt und dabei zu wenig trinkt, verliert neben Wasser auch Elektrolyte wie Natrium und Chlorid. Das belastet auf die Dauer die Nieren. Die beste Vorbeugung: regelmässig trinken.

5. Richtig reagieren bei einem Hitzschlag 

Kommt der Körper nicht hinterher mit der Kühlung, kann es zum Hitzschlag kommen. Dieser äussert sich unter anderem durch hohe Körpertemperatur, Übelkeit, Kopfschmerzen, Verwirrtheit. Im Extremfall kann es auch zur Bewusstlosigkeit kommen. Wichtig: Reagieren Sie bei den ersten Anzeichen wie Schwindel oder Unwohlsein – dann reichen oft schon Schatten, Flüssigkeit und Ruhe. Was sonst noch zu tun ist, falls bei Ihnen oder einer Person in Ihrem Umfeld obengenannte Symptome auftreten: sich hinlegen, den Körper mit feuchten Tüchern kühlen und ein elektrolythaltiges Getränk zu sich nehmen. Falls nach kurzer Zeit keine Besserung eintritt, sollte in jedem Fall ein Arzt gerufen werden.  

6. Stressfaktor Tropennächte 

Viele leiden nicht unbedingt in erster Linie unter den Hitzetagen, sondern vielmehr unter den Tropennächten, die einem den Schlaf rauben. Und wer zu wenig schläft, ist tagsüber schneller gestresst, leichter reizbar und kann sich weniger gut konzentrieren. Bei ohnehin belasteten Personen kann das die psychische Verfassung weiter verschlechtern.

7. Sind Langzeitschäden möglich? 

Ein Hitzesommer hinterlässt bei gesunden Menschen normalerweise keine bleibenden Spuren – ausser der Vorfreude auf die kälteren Monate. Wiederkehrende, sehr starke Hitzebelastung über viele Jahre, etwa bei Hitzearbeitsplätzen ohne Schutzmassnahmen oder bei chronisch Kranken ohne angepasstes Verhalten, kann langfristig die Nieren und das Herz-Kreislauf-System stärker fordern. Allerdings sind Hitzesommer längst kein Jahrhundertereignis mehr: Der Klimawandel führt zu höheren Durchschnittstemperaturen und hat häufigere Hitzeperioden zur Folge. «Gleichzeitig wächst der Anteil älterer, gesundheitlich vorbelasteter Menschen – eine Bevölkerungsgruppe, die besonders empfindlich auf Hitze reagiert», schreibt das BAG auf seiner Website. «Faktoren wie die Raumentwicklung beeinflussen das Risiko hitzebedingter Gesundheitsprobleme und Todesfälle erheblich. Entscheidungsträger aus diversen Politikbereichen sind gefordert, die Bevölkerung heute und verstärkt in Zukunft vor Hitze zu schützen.»

8. So schützen Sie sich und andere 

Es lässt sich nicht oft genug wiederholen: Regelmässig trinken ist wichtig, an Hitzetage auch ohne grosses Durstgefühl. Verlegen Sie Anstrengungen wenn möglich in die kühleren Morgen- oder Abendstunden. Lüften Sie die Wohnung nachts richtig durch, und dunkeln Sie sie morgens, wenn Sie aus dem Haus gehen, ab. Achten Sie während Hitzewellen auf ältere oder alleinlebende Nachbarinnen und Nachbarn sowie Angehörige. Doch gerade wer draussen arbeitet, kann sich die Arbeit meist nicht frei nach Temperaturen einteilen. Deshalb brauchen Branchen, die der Hitze ausgeliefert sind, wie etwa die Baubranche, dringend mehr Schutz vor Hitze. Genf macht es vor: An Hitzetagen müssen Büezerinnen und Büezer, die im Freien arbeiten und direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, neu ab 13 Uhr die Arbeit niederlegen.

Webtool zu Hitze: Wo Menschen besonders leiden

Wo ist es am heissesten? Klar: In Städten sind die Temperaturen höher als in der Natur, in den Bergen tiefer als in den Tälern. Doch auch innerhalb von Städten gibt es grosse Unterschiede. Je dichter die Bebauung, je mehr versiegelte Flächen, desto heisser. Wie die Hitze ist auch die Anzahl vulnerabler Personen innerhalb einer Stadt sehr unterschiedlich. Es gibt Quartiere, in denen besonders viele ältere Menschen leben. Das Webtool «Urban Heat Vulnerability» zeigt auf, wo in Bern, Basel und Zürich Hitzebelastung und Vulnerabilität aufeinandertreffen. Dabei unterscheidet das Tool nach Bewohnenden und Arbeitenden. Man kann also herausfinden, wo besonders viele Arbeitende aus Landwirtschaft, Industrie und aus der Dienstleistungsbranche besonders unter der Hitze leiden. Besonders betroffene Quartiere sind dabei oft solche, in denen grosse Einrichtungen wie Pflegeheime, Spitäler oder Schulen beheimatet sind. Denn hier sind gleichzeitig Bewohnende, Patientinnen und Patienten wie auch Mitarbeitende erhöhten Risiken ausgesetzt.

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