Rosa Zukunft ‒ Technik, Umwelt, Politik
Roboter & KI: Rennen sie uns schon bald davon? Mitsamt unseren Arbeitsplätzen?

In Peking lief der schnellste humanoide Roboter der Welt im Halbmarathon allen Menschen davon. Es war ein Quantensprung! Wohin geht die Reise?

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WIE DER BLITZ: Beim Halbmarathon in Peking lief Roboter Lightning des Smartphone-Herstellers Honor allen davon. (Foto: PD)

Die Mehrheit der Hundertjährigen behaupten, sie hätten in ihrem Leben nie Sport betrieben. Wahr ist wohl: Bewegung war Bestandteil ihres Lebens. So legen Service­mitarbeitende pro Tag und Schicht noch heute oft 14 Kilometer zurück. Sie müssen nicht noch zusätzlich in ihrer Freizeit um die Häuser laufen.

Dennoch: Marathonlaufen wird zum Massenevent. Kürzlich erreichten beim Wien-Marathon von 50 000 Startenden mehr als 40 000 rechtzeitig das Ziel. Laufen oder davonlaufen ist hier die Frage. Wohl beides ein bisschen.

Und auch Roboter laufen um die Wette: Diesen Monat lief in Peking der schnellste humanoide Roboter der Welt im Halbmarathon allen Menschen davon. Er heisst Lightning und war drei Mal so schnell wie der schnellste Roboter beim gleichen Rennen vor einem Jahr. Ein Quantensprung innerhalb von 12 Monaten! Die chinesischen Kommunisten verstehen ihr ­Handwerk. Und nach dem Schach­computer setzt jetzt der huma­noide Laufroboter den Menschen schachmatt.

Für den Grossteil der Menschen, die weder Schach spielen noch Halbmarathons laufen, stellt sich die bange Frage: Bedrohen diese humanoiden Roboter neben und mit der künstlichen Intelligenz (KI) auch meinen Arbeitsplatz?

Beispiel 1: Die Versicherung ­Helvetia schluckt die Baloise-Ver­sicherung. Bisher haben zusammengezählt 29 Expertinnen und Experten die versicherten Unternehmen beraten. Neu sollen und werden es nur mehr 9,5 sein. Alle Prozesse werden auch mit Hilfe der KI standardisiert und automa­tisiert. Diese Prozesse laufen ­schleichend und verunsichern immer mehr Lohnabhängige in der Schweiz, gerade auch gutbezahlte.

Beispiel 2: Ich beschäftige mich seit einigen Wochen intensiv mit den möglichen und absehbaren Auswirkungen von humanoiden Robotern auf das Gastgewerbe. Zwischenstand meiner Erkenntnis, vielleicht auch meines Irrtums: Der beste Roboter auf dem Markt scheint zurzeit der Robbyant R 1 zu sein. Sein Preis beläuft sich auf 55 000 Dollar (umgerechnet 43 000 Franken).

Wie teuer ist er pro Arbeitsstunde? Alles hängt davon ab, wie viele Stunden er pro Jahr einsetzbar ist. Pro Arbeitsstunde kostet er somit im Durchschnitt wohl 5 Dollar oder 4 Franken.
Und was kann er schon alles? Wenn wir der Werbung und den Videos glauben wollen, schon verdammt viel – und er soll lernfähig sein! Was das auch immer heissen mag. Wird sich der Robbyant durchsetzen? Vielleicht, und vielleicht werden andere humanoide Roboter Arbeiten schneller, besser und billiger erledigen. Der Fortschritt frisst auch hier viele seiner Kinder. Doch eins scheint mir zunehmend sicher: Ein grosser Umbruch, eine Disruption, steht in der Haustür.

Entweder – oder

Historisch gesehen erhöhten die Fliessbänder des US-Autopioniers Henry Ford die Produktivität bei der Herstellung von Autos. Die Stundenlöhne stiegen, die Fünftagewoche setzte sich durch, und immer mehr Arbeitende konnten sich auch ein Auto leisten. Dank der Arbeit und dank den Arbeitskämpfen der Gewerkschaften.

Auf heute übertragen und nach vorne gedacht, heisst das: Huma­noide Roboter und KI müssen uns höhere Mindestlöhne und die Vier­tagewoche bringen. Sonst werden sie zu einem wirtschaftlichen und politischen Problem. Denn entweder wird uns auch dieser grosse Umbruch mehr Sozialstaat bringen, oder er bringt uns mehr Rechts­extremismus.

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