Beitrag vorlesen lassen.
0:00 / 3:07
Laura Gonzalez Martinez ist Verkäuferin in Zürich und Gewerkschafterin.

In letzter Zeit haben ausnahmslos alle meine weiblichen Gspönli im ­Laden sich über ihre Müdigkeit beklagt. Eine grosse, allgemeine Müdigkeit. Erschöpft vom ständigen Funktionierenmüssen. Erschöpft vom ­Organisieren, Erschöpft vom Mitdenken und erschöpft davon, sich um andere zu kümmern. Denn stets für andere zur Stelle zu sein und die Verantwortung tragen zu müssen, überfordert enorm. Parallel zur Arbeit rotieren die Gedanken ständig. Es sind die unsichtbaren und selbstverständlichen Dinge wie: Was koche ich heute für die Familie oder ich muss nach der Arbeit noch an Termine der Kinder denken. Nach der Schicht von neun Stunden muss gewaschen, geputzt, eingekauft und sich um Familienangehörige gekümmert werden. Pflegen und organisieren.

Gedankenkarussell

Wenn ich frage, wie meine Gspönli die freien Tage verbringen, höre ich immer wieder dasselbe: waschen, putzen, kochen, pflegen, organisieren usw. Der Kopf ist ständig voll mit der Sorgearbeit. Um alles zu bewältigen, arbeiten wir Teilzeit. Ergibt Sinn, oder? So sind wir entlastet und haben Zeit für die «privaten» Angelegenheiten. Nur doof, dass wir diese Entlastung aus dem eigenen Sack bezahlen und sie erst noch unsere Renten negativ beeinflusst. Diese Mehrfachbelastung kann zu Burnouts führen. Denn nach der Schicht haben wir längst nicht Feierabend. Und unsere Arbeit beginnt auch nicht erst mit Schichtbeginn. Sie startet, wenn wir aufstehen, und endet erst dann, wenn wir schlafen, im besten Fall. Sieben Tage in der Woche, das ganze Jahr. Das sehen nicht nur meine Gspönli und ich als Problem und Belastung. Sondern Hunderte, Tausende und Millionen Menschen auch. Überall und immer wieder.

Stillstand

Als Beispiel: In Island legten 1975 die Frauen die unbezahlte Care-Arbeit nieder, um für mehr Gleichheit, eine gerechtere Bezahlung und eine bessere Kinderbetreuung zu demonstrieren. Das gleiche schon 1970 in den USA. Dasselbe in Spanien 2018. In der Schweiz kam es 1991 zu einem grossen Streik, auch 2019 wurden wir gemeinsam laut. Doch es scheint nicht zu reichen. Deshalb braucht es am 14. Juni 2027 einen grossen Care-Streik. Die Unia ist mit dabei, weitere gute Gründe findest du hier. Denn was die bisherigen Streiks und Aktionen deutlich gezeigt haben: Ohne uns kommt der Stillstand und NUR MIT UNS gibt es Veränderungen! Bleiben wir dran.

llu: Laura Gonzalez Martinez

Schreibe einen Kommentar

Bitte fülle alle mit * gekennzeichneten Felder aus.