Laura mal laut
Laura und der königliche Bürostuhl

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Laura Gonzalez Martinez ist Verkäuferin in Zürich und Gewerkschafterin.

Zufällig habe ich bei einem Einkauf ein krasses Gespräch mit angehört. Ein Mitarbeiter erhielt von seinem Chef eine sehr harte und herabwürdigende Kritik. Ich war ziemlich baff und musste danach lange über diese Szene nachdenken. Wieso sprechen Vorgesetzte in diesem respektlosen Ton mit den Mitarbeitenden? Ich kenne das allzu gut. Ich hatte bereits alle möglichen Arten von Chefinnen und Chefs. Einige mussten sich auf diese Weise profilieren, weil sie geringe fachliche Kompetenzen aufwiesen, andere waren völlig überfordert. Es ist klar, dass unsere Chefs, die genauso wie wir Mitarbeiterinnen Ergebnisse liefern müssen, unter Druck stehen. Aber zu welchem Preis?

Verrückte Idee

Dann kam mir eine verrückte Idee: Was wäre, wenn unsere Vorgesetzten sich bei uns Mitarbeiterinnen bewerben müssten anstatt beim HR? Und sofort überlegte ich mir: Was für ein Anforderungsprofil wäre mir wichtig? Welche weiteren Eigenschaften ausser fachliche Kompetenz sind notwendig? Was hilft mir, meine Arbeit einwandfrei zu erledigen?

Unschönes Wort

Ich brauche Vorgesetzte, die lösungsorientiert arbeiten. Und hier kommt’s: Menschen, die mutig sind, Massnahmen zu ergreifen. Massnahmen. Ein ­unschönes Wort. Klingt für uns Mitarbeiterinnen negativ, schon fast bedrohlich. Wir wollen eigentlich keine Massnahmen zu spüren bekommen. Massnahmen können aber sehr effizient sein. Wenn sie denn schlau umgesetzt werden. Wenn ein Arbeitsablauf auf längere Zeit nicht funktioniert, bringt ein Rüffel, vor allem in der Öffentlichkeit, rein gar nichts. Gute Vorgesetzte stellen Fragen: Warum klappt es nicht? Was können wir ändern und verbessern? Wo brauchen die Mitarbeitenden Unterstützung? Ein gewisses Mass an Reflexion, Flexibilität und ein gutes Gschpüri für Teamarbeit sind vom Chef erforderlich. Und Vertrauen. Denn Massnahmen zur Verbesserung unserer Arbeit können wir auch selbst ergreifen.

Eigene Massnahmen

Durch die vielen ­Erfahrungen mit jähzornigen und überforderten Chefs habe ich gelernt, dass auch ich durchaus fähig bin, Massnahmen zu ergreifen. Ich kann Grenzen setzen. Und die Art, wie mit mir gesprochen wird, mitbestimmen. Klar kommunizieren, was ich brauche, damit ich speditiv und qualitativ gut arbeiten kann. Dank meinen Massnahmen ist es mir gelungen, einige Vorgesetzte von ihrem königlichen Bürostuhl herunterzuholen. Sie sind auf dem Teppich gelandet, wo wir gemeinsam erfolgreich arbeiten konnten. Denn so, finde ich, funktioniert es am besten für alle: als Team aufeinander zu achten, damit wir gesund gemeinsam Herausforderungen meistern können.

Illu: Laura Gonzalez Martinez

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