Ladenöffnungszeiten
Loeb: Peinliche Trickserei fliegt auf

Samstags dürfen die Läden in der Berner Innenstadt bis 17.00 Uhr offenbleiben. Das Traditionswarenhaus Loeb hat trotzdem bis 18 Uhr offen – und tarnt die Extrastunde als «Event». Bis ihm Gewerkschaft und Behörden auf die Schliche kommen.

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NICHT GERADE LOEBLICH: Das Traditionswarenhaus Loeb setzte sich über die gesetzlichen Ladenöffnungszeiten hinweg. (Foto: zvg)

Samstag, 17.00 Uhr, Berner Innenstadt: Verkäuferinnen und Verkäufer schliessen die Türen, machen Kassenabschluss und räumen auf, nach und nach wird es dunkel in den Läden. Nicht so im Warenhaus Loeb.

Dort steig ein Samstagsanlass namens «Event O’Clock», und deshalb bleibt der Laden bis 18 Uhr offen. Pikant: Seit dem 1. Januar 2026 ist es den Läden in Bern samstags nicht mehr erlaubt, bis 18.00 Uhr offen zu haben.

Ein Pilotversuch mit längeren Samstags-Öffnungszeiten entpuppte sich als Flop.

Der Regierungsrat teilte mit: der erhoffte Umsatz blieb aus und eine deutliche Mehrheit der Unternehmen und der Beschäftigten sei dagegen. Eine Ohrfeige für alle Turoblädeler. Doch Loeb macht einfach weiter.

So nicht, Loeb!

Genau per 1. Januar 2026 lancierte das Warenhaus seine samstägliche «Event O’Clock»-Veranstaltung. Unter dem Vorwand eines Events blieb der Laden trotz Regierungsratsbeschluss eine Stunde länger offen. Die Belegschaft wurde im Dezember über diese Änderung informiert.

Loeb-Verkäuferin Martina Keller* sagt zu work, es habe ihr «den Nuggi usegjagt», als sie davon erfahren habe.

Ohnehin war der Dezember schon unfassbar streng: verlängerte Abendverkäufe, nervöse Kundschaft und obendrauf die Sonntage, an denen das Warenhaus offen war. «Die längere Samstagsarbeit ist für uns im Verkauf eine enorme Belastung. Doch was nun? Ich ging spazieren, um den Kopf zu lüften und eine Lösung zu suchen», sagt sie. Dann kommt ihr die zündende Idee: «Ich bin seit Jahren Mitglied der Gewerkschaft. Wenn uns jemand da rausboxen kann, dann die Unia.» So meldet sich die Verkäuferin bei der Gewerkschaft. Für Martina Keller ist klar: «Ich mache sicher nicht die Faust im Sack!»

Sie schreibt der Unia einen Brief und berichtet über die Missstände beim Loeb. Für Anna Meier, Gewerkschaftssekretärin und Teamleiterin Tertiär bei der Unia Bern/Oberaargau-Emmental, ein starkes Zeichen. «Sobald wir mit den Unia-Jacken den Loeb betreten, werden wir sofort herausgewiesen. Dass sich die Belegschaft von selbst bei uns meldet, zeigt, dass unsere Präsenz vor dem Laden für Aufmerksamkeit gesorgt hat.»

Weder fair noch legal

Die Gewerkschaft handelt schnell und meldet den Missstand den Behörden. Denn was das Warenhaus samstags veranstaltet, ist nicht legal. Ein klarer Verstoss gegen das Handels- und Gewerbegesetz. Die Gewerbepolizei greift ein. Für ausserordentliche Öffnungszeiten braucht es eine Bewilligung beim Kanton Bern. Eine solche ist für den «Event O’Clock» nie eingereicht worden. Und siehe da: im Loeb wird es jetzt auch um 17 Uhr dunkel. «Event O’Clock» findet jetzt früher statt.  

Rückblickend sagt Verkäuferin Martina Keller:

«Diese ganze Aktion war nicht ohne. Wenn man sich wehrt, ist das oft mit Ängsten verbunden. Andererseits war klar: die Öffnungszeiten sind weder fair noch legal. Und mit der Gewerkschaft im Rücken fühlte ich mich stark.»

Der Fall endete für das Warenhaus als peinliche Trickserei. Für Anna Meier von der Unia ist klar: «Dieses Vorgehen zeigt deutlich die Dreistigkeit der Arbeitgeber. Wir als Gewerkschaft haben unsere Aufgabe sehr ernst genommen und sind dankbar für das Verkaufspersonal, welche sich in Krisenzeiten an uns wendet, mitzieht und uns als wichtige Anlaufstellen wahrnimmt.»

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