Kuriere bereiten Proteste vor
Just Eat? «Verhungert einfach!»

Der Kurierdienst Just Eat will das Uber-Modell kopieren und die meisten seiner 700 Rider entlassen und als Scheinselbständige weiterarbeiten lassen. Jetzt machen die Gewerkschaften mobil – auch gegen Schwarzarbeit tolerierende Behörden!

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JUST STARVE – VERHUNGERE EINFACH: Fahrer Bob* hat seiner Arbeitgeberin einen neuen Namen verpasst. (Foto: Keystone)

500 der 700 Fahrerinnen und Fahrer von Just Eat sollen entlassen werden und danach als Scheinselbstständige weiterarbeiten. Nur in den Kantonen Genf und Waadt, wo das illegale Geschäftsmodell von Uber und Uber Eats durch die Behörden nicht toleriert wird, gibt es keine Entlassungen.

Ganz anders in Zürich. Hier hat Just-Eat-Fahrer Bob* seinen orangen Kuriersack und seine Weste übersprayt: «Just starve» – verhungere einfach. Bei einer von der Gewerkschaft Syndicom organisierten Protestaktion vor dem Just-Eat-Hauptsitz sagt er:

Es geht nur darum, die Konten der Konzernchefs zu füllen, für uns ist dieses Modell mega unsicher.

Gemeint ist die Arbeit auf Abruf, Nachtarbeit, auftragsabhängige Tiefstlöhne sowie die fehlenden Sozial- und Unfallversicherungen. Den von Just Eat vorgeschlagenen Sozialplan will Bob nicht akzeptieren.

Kuriere organisieren sich

Während in Zürich die Kurierinnen und Kuriere mehrheitlich bei Syndicom organisiert sind, ist in den Belegschaften Berns, Basel oder der Ostschweiz die Unia am Drücker. Weit über 100 Mandate hat die Unia mittlerweile bekommen.

WEHREN SICH GEGEN AUSBEUTUNG: Protestaktion der Just-Eat-Fahrerinnen und -Fahrer in Zürich. (Foto: Keystone)

Die Anliegen sind im konkreten Fall allerdings hüben wie drüben dieselben: Just Eat muss im laufenden Konsultationsprozess mit den beiden Gewerkschaften zusammen an den Tisch sitzen und Verhandlungen aufnehmen. Das gleiche gilt für die Temporärfirma Randstad, bei der viele Just-Eat-Fahrer unter Vertrag sind. Zudem fordern Syndicom und die Unia eine Verlängerung der Konsultationsfrist bis Ende November. Nur so könnten Alternativen zur Massenentlassung überhaupt seriös entwickelt werden. 

Behörden müssen aufwachen!

Die Just-Eat-Rider planen aber auch weitere Proteste. Und sammeln mit der Unia Unterschriften für die Petition «Ausbeutung und illegale Scheinselbstständigkeit bei Uber, Just Eat & Co. stoppen!» (hier unterschreiben). Diese fordert von kantonalen Behörden und dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) endlich gegen die systematische Schwarzarbeit bei Firmen wie Uber, Uber Eats und Bolt vorzugehen.

Die juristischen Grundlagen dazu sind längst vorhanden. Das Bundesgericht entschied 2023 in einem Streit mit der Zürcher Ausgleichskasse, dass die Fahrer von Uber als unselbstständig Erwerbende einzustufen sind. Und bereits 2022 hatte das Bundesgericht in einem Genfer Fall festgehalten, dass Uber-Eats-Kuriere Angestellte sind. Dennoch fehlt in den meisten Kantonen immer noch der politische Wille, gegen die Dumping-Firmen vorzugehen. Solange die Behörden untätig bleiben, wird das Uber-Modell das Schweizer Arbeitsgesetz weiter unterwandern und gesetzestreue Kurierunternehmen aus dem Markt drängen. Eine Entwicklung übrigens, die kaum bei der Delivery-Branche enden wird.

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