Ausgerechnet im Extremsommer:
Baumeisterverband bremst beim Hitzeschutz!

Endlich erreicht die Heisszeit auch klimatisierte Amtsstuben: Erste Kantone verhängen hitzebedingte Arbeitsverbote. Und in Parlamenten fordern selbst SVPler Baustops bei Extremhitze. Nur der Baumeisterverband trödelt. 

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CHRAMPFEN IN DER HITZE: Die Baumeister lassen die Büezer im Stich. (Foto: Keystone)

Was sprengte dieser Sommer alles an Rekorden! Höchste je gemessene Temperatur in Zürich, Basel, Luzern; Tropennächte-Rekord in Lugano, noch nie so viele Extremhitzetage mit über 35 Grad, Höchstwerte bei den aufeinanderfolgenden Hitzetagen über 30 Grad … Kein Wunder, war die Hitzebelastung auch für viele Gewerkschaften das dominierende Thema.

In Bern intervenierte die Unia in brütend heissen Ladenlokalen, im Tessin musste die Gewerkschaft einen Wirt massregeln, der seine Köche bei 45 Grad schuften liess, und im ganzen Land wurden die Unia-Teams auf die Baustellen gerufen. Duarte Pacheco, Teamleiter Bau bei der Unia Zürich-Schaffhausen:

Die Bedingungen unterschieden sich je nach Firma, Polier und Termindruck. Aber besonders häufig wurde die Pausenregel missachtet.

Die Suva verlangt bekanntlich ab 33 Grad stündliche Pausen von 15 Minuten an einem kühlen Ort. Pausen, die laut Gesetz zur Arbeitszeit zählen! Manche Chefs missachteten selbst die elementarsten Bedürfnisse. Pacheco: «Auf zwei Baustellen mussten wir das Recht auf Trinkwasserversorgung durchsetzen!»

Genf und Wallis preschen vor

Noch mehr Arbeit gab es für die Unia im Wallis, wo der Kanton den Hitzeschutz verschärft und fünf Gefahrenstufen mit entsprechenden Massnahmen herausgegeben hatte. Gleichzeitig drohte er mit Strafverfahren und Arbeitsverboten, falls die Empfehlungen nicht befolgt würden. Die Unia inspizierte darauf 41 Baustellen. Resultat:

Mehr als 88 Prozent der Firmen hielten die Massnahmen nicht oder nicht vollständig ein.

Im Gegensatz zum Wallis lehnten sich die allermeisten Kantone bequem zurück. Das Zürcher Amt für Wirtschaft liess verlauten, für hitzebedingte Arbeitsstops fehle die gesetzliche Grundlage. Dass es Wege gibt, bewies dagegen der Kanton Genf, der nach Druck der Gewerkschaften rigoros einschritt: Angesichts der Temperaturen von über 36 Grad im Schatten verbot er an mehreren Tagen alle sonnenexponierten Arbeiten ab 13 Uhr. Nur sicherheitsrelevante Arbeiten blieben erlaubt, aber auch solche nur, wenn auf 15 Minuten Arbeit 45 Minuten Pause folgten!

Das Genfer Durchgreifen habe sich auf den Baustellen schnell herumgesprochen, sagt Unia-Mann Pacheco. «Viele Kollegen verstanden nicht, warum die anderen Kantone inaktiv blieben.» 

Nur heisse Luft vom SBV

Zunehmend Fragezeichen haben Bauleute aber auch beim sogenannt Runden Tisch Hitze. Dieser geht zurück aufs Jahr 2022, als sich der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) weigerte, im Rahmen der LMV-Erneuerung den Schlechtwetterschutz zu stärken. Als Ersatz entstand 2024 der runde Tisch, an dem seither der SBV, die Gewerkschaften, wichtige Bauherrenvertretungen sowie Bund und Suva teilnehmen.

Greifbare Resultate? Fehlanzeige! In bloss vier Sitzungen in über zwei Jahren ist bisher lediglich eine Absichtserklärung zur Revision der Baustellenverordnung zustande gekommen. Und die letzte physische Sitzung fand im Winter 2025 statt!

Der Ball liegt beim SBV. Letzten April hat er den Auftrag gefasst, ein nächstes Treffen zu organisieren. Einen Termin gibt es noch immer nicht. «Aufgrund verschiedener noch ausstehender Rückmeldungen ist eine Terminkoordination aktuell noch nicht möglich», schreibt SBV-Sprecher Dominik Lüthi. Aber nicht genug: Just nach der ersten Hitzewelle dieses Sommers vollzog der SBV eine 180-Grad-Wende: Von Baustops ab einer gewissen Hitze will er nichts mehr wissen. Dabei hatte er noch 2024 zusammen mit der Unia gefordert: «Ab einer (…) Temperatur von 33 Grad und höher sollen schwere Arbeiten im Freien an nicht dauerhaft beschatteten Stellen eingestellt werden.»

Die Ironie: In mehreren Städten und Kantonen fordern selbst Parlamentarier der SBV-nahen SVP und FDP solche Baustops. Ob die Meister den Schuss gehört haben? Die Unia zweifelt – und lädt am 31. August zu einer Pressekonferenz. Dort stellt sie die Resultate einer Umfrage vor, die sie jüngst unter 1000 Bauleuten durchgeführt hat. Die Grunderkenntnis vorab: «Die aktuellen Vorkehrungen werden nicht eingehalten, die Massnahmen nicht durchgesetzt – die Gesundheit der Bauarbeiter ist in Gefahr.»

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