Balkonien, Städtetrip oder doch ans Meer?
So machen Unia-Mitglieder Sommerferien!

Die Ferien, wie wir sie heute kennen, sind eine gewerkschaftliche Errungenschaft. work hat bei Unia-Mitgliedern nachgefragt, wie sie ihren Sommer verbringen.

Für viele Büezerinnen und Büezer in der Schweiz sind die Ferien, besonders im Sommer bei heissen Temperaturen, das Highlight des Jahres. Gemeinsame Zeit mit den Kindern oder Enkelkindern, Besuch im Heimatland oder einfach ein paar Tage mit einem kurzen Städtetrip die Tapete wechseln. Wie verbringen Unia-Mitglieder ihren Sommer? work hat nachgefragt.
 
Jack Kolb, 26, Informatiker, Zürich

Ich war diesen Sommer in Istanbul und habe dort eine sehr schöne und sonnige Zeit verbracht. Ich habe gleichgesinnte Freunde getroffen und mich ausgetauscht. Ansonsten halte ich mich kalt mit vielen Badibesuchen und vielen Glacés aus der Gelateria.

Monika Nacht (58), Servicepersonal Bäckerei, Oberwangen BE:

Wenn ich in der Schulferienzeit am Arbeiten bin (weil andere Kolleginnen und Kollegen Ferien beziehen), dann gehe ich gerne am Nachmittag kurz ins Marzili zum Abkühlen in der Aare. Noch viel schöner ist es jedoch, wenn ich frei habe und am morgen früh ins Hallenbad oder im Marzili meine Zeit verbringe. Danach noch einen Kaffee trinken und den Tag genussvoll weiterplanen.

Mein Highlight diesen Sommer war die Reise nach Edinburgh und London mit meinen Söhnen. Eine Seltenheit, wenn wir noch zu Dritt Ferien verbringen! Und die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen, ist nicht ganz einfach. Spätestens beim indisch Essen gehen, sind wir alle happy.

Im August stehen für mich alleine noch ein paar Tagesausflüge an. Das wird zum Beispiel eine Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee sein, ein Shoppingtag in Deutschland und hoffentlich mal ein Berglauf im Berner Oberland.

Ich weiss es schon jetzt: viel zu schnell ist der Sommer vorbei.

Shohaya Wagner (44), Teamleiterin Gastronomie, Biel

Wir verbringen unsere Ferien am Bodensee, am Meer ist es momentan zu heiss. Gemeinsam unternehmen wir Wanderungen und baden täglich.

Monika Antenen (55), Pflegehelferin, Bern

Ich war mit meinem Mann in der Beatushöhle. Es war so schön bei kühlen 10 Grad! Auch im Tessin habe ich ein paar schöne Tage mit meinem Mann verbracht. Auf der Arbeit war es bei den heissen Temperaturen hart! Ich muss nicht nur dafür sorgen, dass die Bewohner genug trinken, sondern auch ich selbst! Zu Hause hatten wir ständig die Storen runtergerollt, um die Wohnung kühl zu halten. Und nach der Arbeit habe ich keine grossen oder strengen Aktivitäten vorgenommen. Umso wichtiger die Auszeit und der Tapetenwechsel!

Maryam Goudarzi (37), Verkäuferin, Kloten

Diesen Sommer habe ich mir bewusst Zeit für einen Tagesausflug nach Genf genommen. Angesichts der belastenden Ereignisse in der Welt wollte ich einen Ort besuchen, der für Dialog, Frieden und internationale Zusammenarbeit steht. Der Besuch beim UNO-Sitz hat mich daran erinnert, wie wichtig Solidarität, gegenseitiger Respekt und gemeinsame Verantwortung sind. Solche Momente geben mir Kraft und helfen mir, den Sommer mit Zuversicht und neuer Energie zu geniessen.

Ljiazim Bakjia (67), pensionierter Gerüstbauer, Flamatt FR:


Ich bin gerade in meiner alten Heimat Nordmazedonien, in der Stadt Tetovo. Runtergefahren bin ich mit meinem Sohn, es lief super, nur in Kroatien hatten wir etwas Stau. Hier ist es gemütlich: Freunde, Familie und gutes Essen. Wobei wir da eher zurückhaltend sind bei der Hitze! Fast 40 Grad ist es mittlerweile. Übrigens: Hier unten treffe ich immer wieder auch auf Landsleute, die ich von der Unia kenne!

Dominique Hodel (35), Teamleiterin Detailhandel, Bern

In diesem Sommer geniesse ich die Zeit in Bern, umgeben von Freunden*innen und der lebendigen Atmosphäre der Stadt. Singen, Tanzen, Lachen, all das erleben wir beim Gurtenfestival. Es ist eine wundervolle Gelegenheit, Erinnerungen zu schaffen und die Energie unserer Seelen aufzuladen. Die Musik, die Menschen und die Atmosphäre bringen uns zusammen und lassen uns die Freude des Augenblicks voll auskosten.

Köbi Auer, 65, pensionierter Logistiker, Arbon

Seit nun mehr 38 (!) Jahren fahre ich mich meiner Frau mindestens zwei Wochen im Jahr nach Golfo de Sole in Follonica. Meine drei Söhne freuten sich jedes Jahr auf das Meer, die Animation, das Kinderprogramm und vor allem «wir gehen ans Meer nach Italien».

Früher hatte der SMUV eigene Häuser, welche sehr beliebt waren und die schon fast Jahre im Voraus reserviert werden mussten. Auch die Fahrt damals mit dem Auto war ein Erlebnis. Da gab es noch keine Tablets oder Handys. Büechli lesen, malen oder auf der Kassette Kasperli hören, das war in! Mit der Zeit hatten meine Söhne die ersten Kinder und es ging weiter wie bis anhin. Letztes Jahr schafften wir es, dass der komplette «Auer Clan», 15 Personen, eine Woche miteinander verbringen konnte.

Jetzt frisch zurück aus Follonica, im Juni die erste Woche und nun im Juli zwei Wochen, planen wir schon 2027. Die Fahrt geht mittlerweile im Bus, den Opa tapfer lenkt, damit die Enkelinder alle Platz haben. Auch wenn das Poolangebot sicher in anderen Anlagen grösser und attraktiver ist, sind es der Charme und die Leute, die dort seit Jahren arbeiten und einen kennen, die Umgebung und die Stadt Follonica, die einen in den Bann zieht. Mittlerweile sind die Kinder ohne Windeln, und der Duft während der Busfahrt ging nicht mehr unter die Kategorie «Kläranlage».

Vania Alleva, 57, Unia-Präsidentin, Bern

Unia presente!!! Am Meer in Italien tanke ich Kraft für unsere gemeinsamen Kämpfe.

Die Geschichte der Ferien

Ferien, wie wir sie heute kennen, sind keine Selbstverständlichkeit! In Frankreich kämpfte ein Zusammenschluss aus linken Parteien und Gewerkschaften, die sogenannte Front populaire, in den 1930er Jahren für fundamentale Verbesserungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter. Als die Volksfront am 5. Juni 1936 an die Macht kam, erfüllte sie die wichtigen Forderungen der Arbeiterschaft: Darunter eine 40-Stunden-Woche und einen gesetzlichen Anspruch auf Ferien.

Die Schweiz machte es Frankreich in den 1940er Jahren nach: Solothurn war der erste Kanton in der Schweiz, der 1946 mittels Volksabstimmung die kantonalen Feriengesetze regelte. Alle Arbeitnehmenden konnten ab dann zwei Wochen Ferien im Jahr beziehen. Auch andere Kantone etablierten nach und nach ein Recht auf Ferien: 1947 Glarus, Waadt und Genf; 1948 Zug; 1949 Basel-Landschaft und Neuenburg; 1950 Schwyz; 1952 Zürich; 1953 Tessin; 1960 Schaffhausen. Die gesetzliche Verankerung auf Bundesebene erfolgte 1966. Erst seit dem 1. Juli 1984 gelten in der Schweiz vier Wochen Ferien für alle. Die gewerkschaftliche Initiative für 6 Wochen Ferien für alle verwarf der Souverän 2102 mit über 66 Prozent Nein-Stimmen.

Schreibe einen Kommentar

Bitte fülle alle mit * gekennzeichneten Felder aus.