«Die Uhrmacherferien sind ein kleines Trauma für mich.» Reto Studer, heute 59, erzählt die Anekdote mit einem Lächeln. Es war in den 1970er Jahren, Juli, die langen Schulferien hatten begonnen. Mit seinen Eltern ging es mit dem Zug von Olten nach Grenchen. Eine Jurawanderung stand auf dem Programm. An der Bushaltestelle die erste böse Überraschung: Das Postauto auf den Grenchenberg fährt zurzeit nicht. «Also mussten wir zu Fuss dort hoch», erzählt Studer. Immerhin, der Weg führte an der Bäckerei vorbei, wo sich Familie Studer mit Proviant eindecken wollte. Aber: Das Geschäft hatte geschlossen. Sowieso: Das ganze Städtchen war wie ausgestorben.
Was aus heutiger Sicht so tönt, als ob jemand die Anfangsphase der Coronapandemie aus dem Jahr 2020 schildert, war in den 50ern, 60ern und 70ern in Grenchen etwas Normales. Und nicht nur dort. Auch Biel, La Chaux-de-Fonds oder Le Locle waren im Sommer wie ausgestorben. Schuld an diesem Lockdown-ähnlichen Zustand war aber kein Virus, sondern die Uhrmacherferien. Dieser Begriff hält sich in den Gebieten in den Kantonen Bern, Solothurn, Neuenburg und Jura, wo die Uhrenindustrie angesiedelt ist, bis heute: Nichts los hier? Uhrmacherferien halt.