Das offene Ohr

Krankentaggeld: Was passiert nach der Kündigung?

Myriam Muff von der Unia-Rechtsabteilung ­beantwortet Fragen aus der Arbeitswelt.

Ich bin seit drei Monaten zu 100 Prozent krank geschrieben. Jetzt hat mir mein Chef gekündigt. Da meine Firma für ihre Mitarbeitenden eine Kollektiv-Krankentaggeldversicherung abgeschlossen hat, erhalte ich Kranken­taggelder von der Versicherung. Aber was passiert nun? Verliere ich mit dem Job jetzt auch noch die Taggelder?

KRANK GESCHRIEBEN: Mit einer Kranken-Taggeldversicherung sind Sie auch nach der Kündigung abgesichert. (Foto: iStock)

Myriam Muff: Nein. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Firma oder – noch sicherer – direkt bei der Krankentaggeldver­sicherung, ob die Versicherung auf dem Krankenversicherungsgesetz (KVG) oder auf dem Versicherungsvertragsgesetz (VVG) basiert. Beide Arten von Kollektiv-
Krankentaggeldversicherungen sind in der Schweiz freiwillig.

VON VORTEIL. Manche Firmen sind per Gesamtarbeitsvertrag zum Abschluss ­einer Krankentaggeldversicherung verpflichtet. Ist dies nicht der Fall, können die Firmen selbst wählen, ob sie eine solche Versicherung abschliessen wollen, und auch, ob es eine nach VVG oder nach KVG sein soll. Ohne eine solche Versicherung sind die Unternehmen gestützt auf das Obligationenrecht leider nur für eine ­relativ kurze Zeit (abhängig von Dienstjahren) verpflichtet, Lohnersatz bei Krankheit zu bezahlen. Dass Ihre Firma also eine Krankentaggeldversicherung abgeschlossen hat, ist schon einmal ein Glück für Sie: Sie müssen sich zwar sehr wahrscheinlich zur Hälfte an der Prämie dieser Versicherung beteiligen (die andere Hälfte bezahlt Ihre ­Arbeitgeberin), und im Krankheitsfall ­erhalten Sie «nur» 80 Prozent des versicherten Lohnes (allerdings ohne Sozialversicherungsabzüge). Dafür erhalten Sie in der Regel während rund 2 Jahren Taggelder, falls Sie so lange krank sind und das ­Arbeitsverhältnis weiter dauert.

GENAU PRÜFEN. Wie es nun bei Ihnen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses weitergeht, hängt davon ab, ob Ihre Arbeit­geberin eine Krankentaggeld­versicherung nach KVG oder nach VVG abgeschlossen hat. Bei einer Versicherung nach KVG scheiden Sie aus der Kollektiv­versicherung Ihrer Firma aus, haben aber trotz bereits bestehender Krankheit das Recht, sich dafür für die weiteren Taggelder versichern zu lassen. Allerdings müssen Sie dafür die vollen ­Prämien selbst bezahlen. Versicherungen nach VVG kommen heutzutage häufiger vor. Sie haben den Vorteil, dass sie nach Beendigung des Arbeitsvertrages meistens ein sogenanntes Nachleistungsrecht vorsehen. Das bedeutet, dass die bisherige Kollektiv-Krankentaggeldversicherung die übrigen (noch nicht «aufgebrauchten») Taggelder weiterbezahlt, sofern sie während des Arbeitsverhältnisses bereits Krankentaggelder ­erbracht hat. Und: auch die Prämien müssen Sie in diesem Fall nicht selbst bezahlen. Um sicher zu sein, ob es sich genau so verhält, müssen Sie unbedingt die allgemeinen Versicherungsbedingungen verlangen und studieren!

Wenn Sie unsicher sind oder weitere Fragen haben, empfehle ich Ihnen, sich an Ihre Unia Sektion zu wenden.

Schreibe einen Kommentar

Bitte fülle alle mit * gekennzeichneten Felder aus.