Strike for Future am 21. Mai:

«Jetzt muss sich im Klimaschutz endlich etwas tun!»

Anne-Sophie Zbinden

Eric Ducrey ist Bauarbeiter und Klimaaktivist. Er kennt die Anliegen der Klimabewegung und auch die Sorgen der Bauleute.

GEGEN MASSLOSEN ZEMENT-HUNGER: Als Bauarbeiter wünscht sich Eric Ducrey eine Zukunft für seine Baubranche – aber eine Zukunft mit Umweltverantwortung. (Foto: Manu Friederich)

«Ja, da bin ich der Richtige!» sagt Eric Ducrey zu work. «Wenn es um den Klimanotstand geht, bin ich einer der engagiertesten Bauarbeiter der Region.» Mit seinen 45 Jahren ist er zwar nicht der typische Vertreter der Klimabewegung. Aber er ist überzeugt: «Wir müssen diese Jugendlichen sehr ernst nehmen!»

Ducrey ist Baupräsident der Unia Freiburg. Und Mitglied der Klimaorganisation Exctincion Rebellion. Und er steht in engem Kontakt zur Klimajugend. So war er auch dabei, als die Polizei Ende März das von rund 200 Aktivistinnen und Aktivisten besetzte Gebiet Mormont im Kanton Waadt räumte. Am Mormont ­betreibt Lafarge Holcim eine Zementfabrik und einen Steinbruch, der ausgeweitet werden soll. Die Klima­aktivisten hatten den Mormont mit seinen seltenen Orchideen und archäologischen Stätten im Oktober 2020 besetzt und zur ZAD erklärt. ZAD steht für «Zone à défendre» (Verteidigungszone).

Nebst dem Landschaftsschutz ging es der ­Bewegung hauptsächlich um die klimaschädliche ­Zementproduktion. Lafarge Holcim produziert beim Mormont jährlich 800’000 Tonnen Zement und ­bläst fast 400’000 Tonnen klimaschädliches CO2 in ­die Luft.

Als die Polizei nach fast fünf Monaten die ZAD räumte, war für Baubüezer Eric Ducrey klar, «da muss ich hin». Er sagt: «Die Räumung verlief zum Glück friedlich!» Einige Aktivisten kassierten Gefängnis­strafen. Ducrey kam ungeschoren davon. «Wegen meines ­Alters lief ich wohl etwas unter dem Radar der Polizei.»

«Es braucht jetzt endlich eine Regelung für Hitzetage.»

JOBSICHERHEIT

Für Ducrey steht der Mormont für den masslosen ­«Zement-Hunger» von Firmen, die nur auf Profit aus sind: «Was für eine Welt wir unseren Kindern überlassen, ist ihnen egal.» Der Konflikt auf dem Mormont zeigt für Ducrey aber auch: «Klar, wenn es um Zement geht, sind auch wir Bauarbeiter betroffen.» Was, wenn Zement als Baustoff verboten wird? Was wird dann aus den Bauleuten, ihrem Wissen, ihrer Berufserfahrung? «Damit wir nicht auf die Strasse gestellt werden, müssen wir jetzt zusammenstehen. Wir brauchen Job­sicherheit – und Weiterbildungen, damit wir den ­Anschluss ans nachhaltige Bauen nicht verpassen.»

Wie Umweltschutz sozialverträglich umgesetzt werden kann, hat die Gewerkschaften schon in den 1980er Jahren beschäftigt. Die GBH und die GBI (beides Vorläufergewerkschaften der Unia) veröffentlichten zwischen 1983 und 1995 drei Berichte, die Investitionen in ökologische sinnvolle Projekte forderten – ­kombiniert mit der Forderung nach einer Verkürzung der Arbeitszeit. Und in der Wirtschaftskrise der 1990er Jahre berechnete die GBI, dass mit dem Ausbau erneuerbarer Energien Tausende Jobs geschaffen werden könnten. Politische Initiativen, die dies ermöglich hätten, wurden aber verworfen. Die Klimabewegung hat das Thema jetzt wieder auf die politische Agenda ­gebracht, auch die Gewerkschaften unterstützen die ökosoziale Wende.

KLIMAALARM

Was Klimaerhitzung bedeutet, erfahren Arbeiter wie Eric Ducrey am eigenen Leib. Er sagt: «Vor 20 Jahren waren Hitzetage noch sehr selten. In den nuller Jahren war es vielleicht mal eine Woche richtig heiss. Jetzt ­beginnen die Hitzetage schon im Juni und dauern bis September.» Ducrey befürchtet, dass es mehr Unfälle und sogar Tote geben werde. Tatsächlich führt Hitze zu mehr Arbeitsunfällen. In einer Studie stellte die Suva fest: An Hitzetagen mit mehr als 30 Grad passieren im Bau- und im Transportgewerbe sieben Prozent mehr Unfälle, wegen Konzentrationsmangels und Über­müdung. Deshalb fordert Ducrey: «Es braucht jetzt endlich eine Regelung für Hitzetage.»

Und Ducrey ist nicht alleine mit seinen Anliegen. «Der Klimawandel ist ein Thema unter den Kolleginnen und Kollegen. Vor allem die Jungen sind für das Thema sensibilisiert.» Deshalb werden sie am 21. Mai am «Strike for Future» beim Klimaalarm um 11.59 Uhr tüchtig Lärm machen. Weitere Aktionen sind noch in Planung. Eric Ducrey: «Damit sich im Klimaschutz endlich etwas tut, aber nicht auf Kosten der Arbeit­nehmenden.»


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