Editorial

Weg ist weg

Marie-Josée Kuhn

Marie-Josée Kuhn, Chefredaktorin work

Weg ist weg, immerhin! Endlich hat Twitter dem orangen Irren den Stecker gezogen. Und damit auch demonstriert, wer in den USA wirklich das Sagen hat. Nicht nur dort: Twitter, Google, Facebook & Co. regieren die Welt. Aber immerhin: Endlich ist Donald Trump stillgelegt. Als das Grossmaul am 6. Januar 2017 den Thron im Weissen Haus bestieg, zeichnete ihn der Schweizer Karikaturist Chapatte vor zwei roten Knöpfen sitzend. Der eine war angeschrieben mit «Twitter». Der andere mit «Nuke», Atombombe. Diese Bombe hat der Bombenleger in seiner Amtszeit nicht gezündet. Dafür taumeln die Staaten jetzt am Abgrund eines Bürgerkriegs. Der Putschversuch der Trump-Hörigen am Dreikönigstag hat’s dramatisch vor Augen geführt. Die alten (Sezessions-)Geister, die der Präsident rief, wird Washington DC nun so schnell nicht mehr los. Also Obacht, hey, Joe! (Biden) und Kamala Harris: Es wird windig.

Also Obacht, hey, Joe! und Kamala.

UNGLEICHHEIT. Weg ist weg, immerhin! Doch das Ende von Trump ist noch lange nicht das Ende des Trumpismus. Das zeigt work-Autor Oliver Fahrni in seiner fulminanten Analyse im work-Dossier. Denn Trump ist die Vergangenheit der Republikanischen Partei und ihre Zukunft. «Seine Linie war und bleibt die Leitschnur der Partei: weisse Vorherrschaft, Abbau der sozialen Sicherheit, Steuersenkungen für Reiche und Konzerne, Ausschluss afroamerikanischer und hispanischstämmiger US-Amerikanerinnen und -Amerikaner von den Wahllisten, Kritik der Demokratie, militarisierte Grenzen, Unterdrückung sozialer Bewegungen und Nationalismus.» So was hinterlässt Spuren. So was macht weh. «Die USA leiden unter einer schweren Krankheit», sagt Amerika-Expertin Sylvie Laurent: der Ungleichheit. Was es jetzt brauche, seien Umverteilung und Reformen. Also Obacht, hey, Kamala! und Joe: Es wird ernst.

TRUMP & BLOCHER. Die USA sind nicht die Schweiz. Aber auch hier grassiert der Trumpismus. Christoph Blocher ist zwar nicht Donald Trump, aber … da sind mehr als Ähnlichkeiten. Der Wille zur Macht. Die Verachtung der Institutionen. Die Lügen und die Wut. Nachzulesen im erhellenden Polit-Psychogramm von work-Autor Clemens Studer. Und auch für Blocher gilt: Weg (aus dem Bundeshaus) ist weg, immerhin!

4 Kommentare

  1. Peter Bitterli

    „Der eine war angeschrieben mit «Twitter». Der andere mit «Nuke», Atombombe. Diese Bombe hat der Bombenleger in seiner Amtszeit nicht gezündet.“
    Naja, etwas muss für Heyjoe ja noch übrigbleiben, wo es doch ohnehin eine schöne alte Tradition seiner Partei ist, Kriege allüberall anzuzetteln, ob mit oder ohne Früdensnobelpreis. Übrigens auch ein schöner Beweis für die immer wieder zu beobachtende zeitgeistige Kurzsichtigkeit dieses Karikaturisten Chapatte.
    Und natürlich für die notorische Verbieglichkeit der Leitartiklerin. Das Lob auf politische Zensur durch die Internetkonzerne verbunden mit Tadel für deren schiere Existenz ist schon ein demokratiepolitischer Hochseilakt. Die Ranschmeisserei an den falschprognostizierenden Karikaturisten plus das Augenverschliessen vor dem nicht und nie und nirgends gedrückten Nuke-Knopf plus der unabdingbare Nachtritt gegen Blocher: Gummikörperyoga auf flockiger Kommunistenmatte.

  2. Alfred Schläpfer

    Die Abwahl von Christoph Blocher hat mein Vertrauen in die schweizerische Demokratie wiederhergestellt.

    • Peter Bitterli

      Demokratie nach dem Verständnis des Herrn Dschugaschwili.

  3. Zaugg Andres Edwin

    Die Welt leidet unter einer schweren Krankheit: „Dem grenzenlosen Ego der Gläubigen.“

Schreiben Sie einen Kommentar

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus.