Anlagestiftung Ethos:

Nachhaltig für Nachhaltigkeit

Ralph Hug

Seit 1997 engagiert sich die Stiftung Ethos für eine nachhaltige Wirtschaft. Wie, verrät Direktor Vincent Kaufmann im Gespräch mit work.

ETHOS-DIREKTOR VINCENT KAUFMANN: Er sorgt dafür, dass Pensionskassen möglichst nicht in Öl- oder Gasbohrungen in der Arktis investieren. (Foto: Keystone)

Am Anfang war eine Idee: Warum nicht den Kapitalismus mit seinen eigenen Waffen verändern? Pen­sionskassen könnten doch nicht nur Renditen herausholen. Sondern sich mit ihren Anlagen auch für eine nachhaltige Wirtschaft einsetzen. Dank ihrer grossen Kapitalkraft als Investoren. Gut gebündelt, könnten sie als einflussreiche Playerinnen ins Wirtschaftsgeschehen eingreifen und dieses in eine ökologische Richtung lenken.

Ethos war geboren. Heute sind über 220 Pensionskassen und gemeinnützige Stiftungen Mitglied der Stiftung. Die Ethos-Vertreterinnen lernten so manche Konzernchefinnen und -chefs das Fürchten. Weil sie seit Jahren Abzockersaläre und Machtkonzentration in den Unternehmen kritisieren. Und an den Generalversammlungen zur Ablehnung von überrissenen Vergütungspaketen oder Doppelmandaten in Verwaltungsrat und Geschäftsleitung aufrufen. Hat’s genützt? Ja, sagt Ethos-Direktor Vincent Kaufmann: «Wir beobachten eine Mässigung bei den höchsten Salären.» Zwar verdienen Spitzenmanager wie UBS-Chef Sergio Ermotti oder Roche-CEO Severin Schwan immer noch zweistellige Millionengehälter pro Jahr. Doch Lohnexzesse wie bei CS-Chef Brady Dougan, der einmal 72 Millionen im Jahr kassierte, sind passé.

«Wir beobachten eine Mässigung bei den höchsten Salären.»

GOLDENE FALLSCHIRME

Als das Volk 2013 die Abzockerinitia­tive von Thomas Minder annahm, wurde die Arbeit für Ethos leichter. Erst die Transparenzpflicht bei den Löhnen ermöglichte es der Stiftung, Abzockerei an den Generalversammlungen direkt anzuprangern. «Transparenz setzt die Unternehmensleitungen unter Druck. Die Chefinnen und Chefs passen auf und werden vorsichtiger», so Vincent. Zufrieden ist er aber noch lange nicht. Die Unternehmen hätten immer noch zu viel Spielraum. Und Fälle wie der goldene Fallschirm des abgelösten ABB-Chefs ­Ulrich Spiesshofer seien fast nicht zu verhindern. Dank Jahressalär und einer Abgeltung fürs Konkurrenzverbot darf der geschasste Strommanager 13 Millionen Franken einstreichen – fürs Nichtstun. Auch das neue Aktienrecht, das das Parlament soeben verabschiedet hat, lässt für Kaufmann so manche Wünsche offen.

Geärgert hat sich der Ethos-Direktor unlängst über den Bundesrat. Dieser behauptet, die Kriegsgeschäftsinitiative der GSoA schade der Wirtschaft. «Das sehe ich nicht.» Das postulierte Investitionsverbot für Pensionskassen betreffe internationale Rüstungskonzerne. Auch den Kassen selbst entstünde kein Nachteil. Denn die Banken würden bei einem Ausschluss von Rüstungskonzernen sofort neue Anlageprodukte ohne diese anbieten. Ethos wird vor allem 2021 viel Arbeit haben. Dann gilt es zu prüfen, wie die Unternehmen mit den Verlusten aus der Corona-Pandemie umgehen. Und ob Manager weiterhin abkassieren oder Saläre, Boni und ­Dividenden den Verhältnissen anpassen. «Wir werden das genau verfolgen», verspricht Kaufmann.

«Die Kriegsgeschäftsinitiative schadet der Wirtschaft nicht.»

ANLEGER PROFITIEREN

Davon profitieren viele Anlegerinnen und Anleger. Denn Ethos nimmt systematisch die börsenkotierten Konzerne unter die Lupe, analysiert Geschäftsberichte und Generalversammlungen und erstellt dann Berichte und Indizes, die Interessierten zur Verfügung stehen. Alles unter dem Zeichen der Nachhaltigkeit.

So ist die Stiftung mit ihrem Team von zwanzig Mitarbeitenden an den Standorten Zürich und Genf zu einem Dienstleister für alle geworden, die sich mit ökologischen, sozialen und nachhaltigen Investments befassen. Kürzlich hat Ethos seine Kriterien für Anlagen, die als nachhaltig gelten dürfen, weiter verfeinert. Atom, Kohle, Rüstung, Tabak und Glücksspiele waren bisher schon ausgeschlossen. Neu sind es auch noch Firmen, die mit Ölsand und Schieferöl und -gas operieren oder in der Arktis nach neuen Quellen bohren.


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