Editorial

Herrliberg first

Marie-Josée Kuhn

 

Marie-Josée Kuhn, Chefredaktorin work

«This is a message from Herrliberg», eine Blocher-Durchsage an die EU: So startet das fulminante Nein-Video des Gewerkschaftsbundes zur SVP-Kündigungsinitiative, über die wir am 27. September abstimmen. Eine durch und durch arbeitnehmendenfeindliche Initiative, wie SBG-Chefökonom Daniel Lampart und work-Autor Clemens Studer im Dossier aufzeigen. Drum auch die Pointe am Schluss des Videos: «Herrliberg first, Büezer second!» In Anlehnung an den grossen Donald in Übersee: «America first!» Die Egoisten und Geld­säcke zuerst, sie nehmen alles. Die anderen sollen schauen, wo sie bleiben. Das Video zeigt Donald Duck Blocher, wie er sich in den Geldnötli suhlt und einfältig grinst: «Überfull, mein Bankkonto!» Deftig, frech und temporeich spielt der ganze Clip: voll auf den Herrliberger, auf sein Englais fédéral und seine Killer-Ks, die aus tiefstem Rachen rausspeuzen. Wunderbar parodiert vom Kabarettisten Michael Elsener. Der sagt, er habe es einfach tun müssen, weil: «Es ist ähnlich wie bei Blocher: Ich spürte ganz stark den Auftrag.» Gratulation, Michael Elsener!

Endlich schiessen die «Linken und ­Netten» scharf zurück!

FREIZÜGIG. Endlich wagen es die «Linken und Netten» mal richtig scharf zurückzuschiessen! Und sich nicht immer nur von Herrliberg auf die Kappe scheissen zu lassen. Gratulation, SGB! Endlich beissen die Gewerkschaften mal herzhaft zu. Kalauernd auch: Das Video spielt mit der Doppelbödigkeit des Begriffs «Personenfreizügigkeit» und zeigt den grossen Blocher blutt in roter Badehose mit Ranzen am Strand. Und schliesslich sehen wir ihn auch noch in der «Personenunfreizügigkeit»: ganzkörperverschleiert mit Burka. Grossartig!

ENTLARVEND. Aber darf man das überhaupt? Darf man so etwas Ernstes und Brandgefährliches wie diese Initiative hochkant auf die Schippe nehmen? Und den grossen SVP-Führer grad ebenso? Man darf nicht nur, manfrau muss sogar. Gerade weil so viel auf dem Spiel steht. Gerade weil wir die SVP-Initiative mit allen Mitteln bodigen müssen. Auch mit guter Satire. Die ist nämlich nicht einfach Larifari. Gute Satire ist bitterer Ernst. Nur wirk­samer, weil der Ernst im Tütü dahertanzt. Gute Satire ist auch ganz schön subversiv. So wie das SGB-Video: die Trumps & Blochers blasen sich zwar auf und nehmen sich alles, aber wir können sie ausziehen. Entlarven. Zeigen, wie sie lügen. Zeigen, was wirklich hinter ihren Phrasen steckt. Zeigen, wie sie uns Wasser predigen und selber Wein saufen. Doch schauen Sie selber, liebe work-Lesende: rebrand.ly/youblocher


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2 Kommentare

  1. Peter Bitterli

    Klar hält der SGB die Initiative für „brandgefährlich“, nachdem er gerade in diesen EU-Fragen immer wieder hin und her taumelte und taumelt. Schliesslich garantieren die Zwangs-Mitgliederbeiträge der zugewanderten Arbeitnehmer die Spitzenlöhne der Gewerkschaftsangestellten, die dann wieder die ideologische Agenda propagieren können, die keinen der Zahler interessiert.

  2. Beat Hubschmid

    Ja, es war ein trauriges Bild: Die „einigen Sozialpartner“, wie die Genossen Wüthrich und Maillard bei den Neoliberalen – zusammen mit BR Keller-Sutter – zu Kreuze gekrochen sind. Die Cüpli-Sozialisten haben uns Büezer ans Messer geliefert: Das FZA ist für uns ein Genickschuss! In den 80ern hatten wir noch Lohnsicherheit, und ohne FlaM – dafür den Schutz des Berufstandes. Heute sind wir Leiharbeiter (Sarah Wagenknecht).

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