Nach den Wahlen:

Neue Frauen hat das Land

Patricia D'Incau

Diese Frauen machen das ­Parlament jünger, grüner und weiblicher.

NEU GEWÄHLT. Diese 19 rot-grünen Politikerinnen bringen frischen Frauenwind ins Parlament. (Fotos: Keystone, Franziska Scheidegger, Yoshiko Kusano, ZVG)

Sie sind jung, links und feministisch. Sie waren zuvorderst mit dabei, als am Frauenstreik Hunderttausende für mehr Gleichstellung auf die Strasse gingen. Und jetzt, rund sechs Monate später, ziehen sie ins Bundeshaus ein: Greta Gysin (36) und Léonore ­Porchet (30) für die Grünen sowie Tamara Funiciello (29) für die SP. Und mit ihnen: So viele Frauen wie noch nie!

84 von 200 Nationalratssitzen sind in der kommenden Legislatur in Frauenhand. Damit steigt der Frauenanteil in der grossen Kammer von 32 auf 42 Prozent. Insgesamt sind 54 Prozent aller Neugewählten Frauen.

Bei den Grünen und der SP stellen sie jetzt sogar die Mehrheit: Ihre Fraktionen haben neu je einen Frauenanteil von über 60 Prozent. Bei der GLP sind es 50 Prozent. Und sogar bis weit nach rechts hat das Frauenstreikjahr mehr Kandidatinnen ins Parlament befördert: Selbst bei der SVP ist der Frauenanteil von 16,9 auf 24,5 Prozent gestiegen.

54 Prozent aller Neugewählten sind Frauen.

GRÜN IST WEIBLICH

Frauenwahl oder Klimawahl? In vielen Fällen war es beides. 17 Sitze haben die Grünen zugelegt, 10 davon gehen an neue Kandidatinnen: an Maschinenbau­ingenieurin Franziska Ryser (28) in St. Gallen zum Beispiel und an Hobby-Fussballerin Meret Schneider (27) in Zürich.

Auch die Neuenburgerin Céline Vara (34) wollte in den Nationalrat, wurde aber auf Anhieb zur Ständerätin gewählt. Und das als totale Newcomerin im nationalen Parlament. Damit gelang Vara die Überraschung des Tages.

Neben ihr im Stöckli sitzen könnte ab ­Dezember die Genferin Lisa Mazzone (31). Sie muss zwar in den zweiten Wahlgang, hatte nach dem ersten aber schon die Nase vorne. Chancen haben neben Mazzone noch vier weitere grüne Frauen (siehe Wahl-Analyse). Sie würden das Stöckli nicht nur weiblicher (und grüner) machen, sondern auch jünger. So, wie es ihre Kolleginnen bereits im ­Nationalrat gemacht haben. Dort liegt das Durchschnittsalter aller Ratsmitglieder jetzt bei 49 Jahren. Vorher war es noch 53 Jahre – und im Ständerat sogar 6 Jahre mehr.

BASEL, OBWALDEN, ZUG

Besonders frauenfreundlich scheinen die Basler Wählerinnen und Wähler zu sein: In Basel-Stadt sind 3 von 5 Nationalratssitzen mit Frauen besetzt. Im Kanton Basel-Land sind es 5 von 7. Darunter Ex-Juso und SP-Frau Samira Marti (24). Sie folgte bereits letztes Jahr auf die abgetretene Susanne Leutenegger Oberholzer (71). Marti ist die jüngste Frau im Parlament – und hat die Wiederwahl problemlos geschafft.

Eine bessere Frauenquote als Basel hat nur das konservative Obwalden. Mit 100 Prozent Frauenanteil. Was allerdings daran liegt, dass der Halbkanton nur einen Nationalratssitz hat. Geschnappt hat sich den zum ersten Mal in der Obwaldner Geschichte eine Frau: Monika Rüegger (51) von der SVP. Rüegger sagte zwar am Frauenstreik noch, Gleichstellung halte sie für «überholt». Am Wahltag meinte sie dann aber gegenüber SRF: Sie habe viel Unterstützung von Frauen bekommen und wolle sich in Bern auch für die Frauen einsetzen. work bleibt dran.

Erstmals mit einer Frau zieht nun auch der Kanton Zug in den Nationalrat: Mit Manuela Weichelt-­Picard (52) von der Partei ­Alternative – die Grünen (ALG).

Vor den Wahlen orakelte der Politologe Michael Herrmann im SRF noch: Der «Frauenstreik-Effekt» sei schon wieder etwas ­«verpufft». Nun ja: Man(n) kann sich auch irren.


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