Die «Hölzigen» machen Lärm
Ein Weckruf an die ganze Branche

Rund 300 Schreinerinnen und Zimmerleute sorgen in Luzern für Krach. Lautes Hämmern soll den Arbeitgebern klar machen: In den GAV-Verhandlungen müssen sie sich jetzt bewegen.

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SCHREINERINNEN, SCHREINER UND ZIMMERLEUTE: Gemeinsam fordern sie mehr Lohn, mehr Ferien und kürzere Arbeitszeiten. (Foto: Jakob Ineichen)

Die Reussbrücke in Luzern ist autofrei und deshalb normalerweise ruhig. Doch diesen Samstag zur Mittagszeit machen hier die Mitarbeitenden der Holzberufe ordentlich Krach: Immer wieder hämmern sie auf Holzbalken ein. Es ist das traditionelle Zimmermannsklopfen, wie es eine Gruppe von Unia-Mitgliedern bereits Anfang Oktober in einer Aktion im Kanton Zürich nutzte (work berichtete). Doch diesmal sind es rund 300 Schreinerinnen, Schreiner und Zimmerleute aus der ganzen Schweiz, die gemeinsam hämmern. Die Aktion im Rahmen der diesjährigen Landsgemeinde der Holzberufe unterstreicht ihre Forderungen in den derzeit laufenden GAV-Verhandlungen. Die wichtigsten: Mehr Lohn für alle, mehr Ferien, kürzere Arbeitszeiten.

Aus Uzwil SG gekommen ist Möbelschreiner Bruno Sennhauser. Eine dicke orange Jacke schützt ihn vor dem kühlen Wind. Der 57jährige weiss, was er am Schreiner-GAV als erstes ändern würde: Mehr Freizeit. Aktuell gilt die 41,5-Stunden-Woche. «Stell dir vor, wir könnten das auf, sagen wir, 36 Stunden senken. Das gäbe mehr Freizeit und auch mehr Energie, um etwas zu unternehmen!»

KÄMPFT FÜR EHR FREIZEIT: Möbelschreiner Bruno Sennhauser. (Foto: Jakob Ineichen)

«Eine Frechheit»

Für Zimmermann Michael Wunderle sind dagegen höhere Mindestlöhne zentral. «Weil sie für alle gelten», so der 40jährige aus Winterthur ZH. Es könne nicht sein, dass jeder und jede einzeln den Lohn mit dem Chef aushandle. Dann seien die im Nachteil, die zwar gute Arbeit machten, aber nicht gut verhandeln könnten. Mit 12 Jahren Berufserfahrung liegt sein Lohn bei 5500 Franken brutto. Der Zimmermann sagt:

Für das, was wir leisten, sind unsere Löhne eine Frechheit.

FORDERT HÖHERE MINDESTLÖHNE: Zimmermann Michael Wunderle. (Foto: Jakob Ineichen)

Auf der Reussbrücke halten einige Plakate in die Höhe, statt zu hämmern. Darauf zwei Zahlen: 913 Zimmerleute und 881 Beschäftigte aus der Schreinerbranche haben die Petitionen mit den GAV-Forderungen unterzeichnet. Die Unterschriften und das laute Klopfen gehen an die Adresse des Schreinermeister-Verbands und von Holzbau Schweiz. Mit ihnen verhandelt die Unia aktuell je über einen neuen GAV. Beide Verträge sollen Anfang 2028 in Kraft treten.

Schattenregierung der Schreinermeister

Vor dem Umzug durch die Luzerner Innenstadt und dem Klopf-Protest auf der Brücke liessen sich die Mitglieder an der Landsgemeinde über den Stand dieser Verhandlungen informieren. Für die Schreinerbranche gab es bisher zwar schon acht Verhandlungsrunden – aber noch keine Ergebnisse, wie Unia-Branchenleiter Kaspar Bütikofer informierte: «Im Gegenzug zu unseren Forderungen verlangen die Arbeitgeber mehr Flexibilität – haben aber noch nicht gesagt, was sie sich genau vorstellen.» Zäh mache das Ganze eine Eigenheit des Schreinerverbandes: Hinter der Verhandlungsdelegation existiert eine GAV-Kommission, die Vorgaben macht. Bütikofer: «Dadurch kann die Delegation oft gar nicht richtig verhandeln. Und die Kommission dahinter sehen wir nie.» Ein Ende der Blockade sei derzeit nicht in Sicht.

Im Holzbau konnte Giuseppe Reo, Mitglied der Unia-Delegation, bereits ausloten, wo Spielraum besteht: «In einigen Bereichen zeigt sich der Verband gesprächsbereit, etwa bei der Arbeitszeit. Ich denke, über Modelle für eine Jahresarbeitszeit und eine Vier-Tage-Woche werden wir diskutieren können.» Anderes blockten die Arbeitgeber kategorisch ab, etwa eine zusätzliche Mindestlohnstufe für Mitarbeitende mit mehr als zehn Jahren Erfahrung. Reo sagt: «Über viele Anliegen wollen sie gar nicht mit uns diskutieren. Das wirkt ziemlich arrogant.»

Somit ist klar: Mit dem Zimmermannsklopfen auf der Brücke wollen die «Hölzigen» den Verbänden nicht etwa auf die Schulter klopfen. Eher auf die Finger. Auch Mariusz Decewicz, Schreiner aus Graubünden, hämmert kräftig mit. Später sagt der 50jährige, in den beiden Berufen brauche es dringend bessere Löhne:

In St. Moritz und anderen Tourismusorten findest du mit einem Handwerkerlohn keine zahlbare Wohnung. Das kann es doch nicht sein.

KRITISIERT DIE TIEFEN LÖHNE: Schreiner Mariusz Decewicz. (Foto: Jakob Ineichen)

«Eine Kraft aufbauen»

Als auf der Brücke wieder Ruhe einkehrt, sagt Zimmermann Michael Wunderle noch: Er verstehe diese Aktion nicht nur als Warnsignal an die Arbeitgeber. «Schau, die Chefs werden immer sagen, es gibt nicht genug Geld. Wir müssen uns unseren Teil des Kuchens selber erkämpfen. Drum ist das Klopfen auch ein Weckruf an uns, dass wir die Kollegen im Betrieb motivieren, mitzumachen.» Wunderle ist Teil einer aktiven Gruppe von Berufsleuten, die sich genau das zum Ziel gesetzt hat. Es sei ganz einfach, sagt er: «Wir müssen auf unserer Seite eine Kraft aufbauen, wenn wir am Schluss bessere Bedingungen wollen.»

FÜR FAIRE GESAMTARBEITSVERTRÄGE: Die Hölzigen auf der Reussbrücke in Luzern. (Foto: Jakob Ineichen)

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