Italien in Aufruhr
«Machen wir es wie in Frankreich»

Der Lack ist ab: Italiens rechtsextreme Regierungs­chefin Giorgia Meloni ­verschärft ihr Regime. Doch mit der neuen Jugendbewegung erwächst ihr eine mächtige Gegnerin.

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LEERE REGALE: Die Folgen des Last­wagenstreiks in Italien. (Foto: Keystone)

Begleitet von sechs Bodyguards, wollte Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Ravello an der Amalfiküste ein wenig Proviant besorgen. Pech, die Gestelle des Conad-Supermarktes waren leer. Man belehrte «La Merkel», dass Protest-Strassensperren den Nachschub verhinderten: Süditaliens Trucker wollen den teuren Sprit der Ölmultis nicht mehr bezahlen. Worauf sofort die Produktion von Mozzarella di bufala stockte, Tankstellen das Benzin ausging und Bauern ihre Ernten liegen liessen. Giorgia Meloni schickte die Armee, aber versprach 174 Millionen Euro Hilfe.

Zu wenig, zu spät. Am 16. Oktober organisierte die Gewerkschaft CGIL eine Grossdemo in Rom gegen Teuerung und die So­zialkürzungen, miese Löhne und exorbitante Rüstungsausgaben. Alles gesittet, dafür sorgte ihr ­Ordnungsdienst. Aber anderswo kochte die Wut längst über. In ­Turin, Bologna, Mailand usw. veranstalteten Schüler und Studentinnen zusammen mit Basis-Gewerkschaften (Cobas, USB) einen «No Meloni Day». Die Polizei eskalierte mit harter Repression. Tags drauf brannte die Innenstadt von ­Mailand. 500 Fallschirmjäger sollen dort nun für Kasernenhofruhe sorgen.

«Grüss Gott in der Finsternis»

Die Zukunftschancen der Jugend sind mindestens so desolat wie in Frankreich. In Bologna tauchte ein französischer Slogan auf: «Grüss Gott in der Finsternis.» In Turin riefen die Kids: «Facciamo come in Francia.»

Vor allem dreht Meloni selbst die Temperatur hoch. Unmittelbarer Auslöser war ein rassistisches Schuldekret, das Migrantenkinder diskriminiert. Seit sie im Frühjahr mit ihrem Versuch gescheitert war, per Referendum die antifaschistische Verfassung Italiens auszuhebeln, zeigt sie ihr wahres Gesicht. Schritt um Schritt demontiert sie die Grundrechte. Anfang Oktober boxte sie ein neues Wahlrecht durch, Vorstufe zu einem Präsidialregime.

Besonders explosiv ist die italienische Lage, weil Jugend- und Sozialbewegung Hand in Hand gehen. Am 20. November will die CGIL das Land per Generalstreik aufrütteln. Die Cobas («gegen Krieg und Sparterror») kommen ihr am 30. Oktober zuvor.

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