Kolumbien
Nestlé stoppt nach den schweren Erdbeben die Lohnzahlungen

Im August bebte in Kolumbien die Erde. Es gab Hunderte Tote und Tausende Verletzte. Doch statt seine Mitarbeitenden zu unterstützen, setzt der Nahrungsmittelmulti sie unter Druck. 

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VERHEEREND: Das Erdbeben richtete in Kolumbien grosse Schäden an. (Foto: Keystone)

Die Mitarbeitenden von zwei Nestlé-Fabriken in Kolumbien haben knapp einen Monat nach dem schweren Erdbeben Post von Nestlé erhalten. Im Brief, der work vorliegt, teilt der Nahrungsmittelkonzern den Mitarbeitenden mit, dass sie wegen Produktionsausfällen bis Ende September suspendiert seien. Als Grund nennt Nestlé die Schäden des Erdbebens vom 10.  August und macht höhere Gewalt geltend. Das kolumbianische Arbeitsgesetz erlaubt in einem solchen Fall die Aussetzung des Arbeitsvertrages.

Die Arbeiterinnen und Arbeiter der Fabriken in Bugalagrande und Dosquebradas, die durch das Erdbeben beschädigt wurden, erhalten deshalb vorerst keinen Lohn mehr. Als «Solidaritätshilfe» will der Konzern jedem Mitarbeitenden für den Monat September umgerechnet etwas mehr als 150 Franken zahlen. Das entspricht jedoch nicht mal einem Drittel der regulären Lohnzahlungen, schreibt die Gewerkschaft Sinaltrainal. 

«Ein Schlag ins Arbeiterherz»

Sinaltrainal wehrt sich nun mit rechtlichen Mitteln gegen das Vorgehen von Nestlé. In einer Mitteilung schreibt die Gewerkschaft von einem «Golpe al corazón obrero» – einem Schlag ins Arbeiterherz. Auch Ladenbesitzer, Landwirte und lokale Lieferanten an den Standortgemeinden der beiden Nestlé-Fabriken würden durch den Entscheid des Konzerns stark in Mitleidenschaft gezogen. Sinaltrainal schreibt:

Es ist empörend, dass ein multinationaler Konzern mit weltweiten Gewinnen in Milliardenhöhe die betrieblichen Risiken oder die Folgen von Naturkatastrophen ausschliesslich auf die Schultern der Arbeiterklasse abwälzt.

Die massenhafte Suspendierung der Arbeitsverträge falle auch mit der historischen Forderung nach mehr Arbeitsrechten und Arbeitsplatzsicherheit zusammen. Nestlé versuche die Mitarbeitenden durch die Androhung des Auslaufens der Arbeitsverträge zu verunsichern. 

Nestlé Waters: Jetzt bangen Tausende um ihre Jobs

Nestlé will sein Wassergeschäft in Zukunft in einem Joint Venture mit der US-Finanzfirma Platinum Equity unter dem Namen Peranel weiterführen. Dies löst bei Mitarbeitenden und Gewerkschaften Befürchtungen über Fabrikschliessungen und die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen aus. Seit August läuft ein obligatorisches Konsultationsverfahren. Wie es für die weltweit über 33 000 Mitarbeitenden bei Marken wie Perrier, San-Pellegrino, Vittel oder Henniez weitergeht, ist derzeit aber noch nicht geklärt. Die Unia und weitere Gewerkschaften setzen sich für den Erhalt von Gesamtarbeitsverträgen und Pensionskassenfonds ein.

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