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Fidu Fankhauser produziert veganen Käse und Joghurt

Der gelernte Bäcker-Konditor und spätere Versicherungsberater Fidu Fankhauser (54) hat bei der Firma New Roots einen beruflichen Neuanfang gewagt. Hier stimmen für ihn Team, Chefs und Sinn der Arbeit.

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«WIR WERDEN HIER ERNST GENOMMEN»: Fidu Fankhauser fühlt sich wohl bei New Roots. (Foto: Yoshiko Kusano)

Vom Versicherungskonzern zum veganen Käser: Das nennt sich Quereinstieg! Vor einem Jahr ist Fidu Fankhauser bei New Roots in Oberdiessbach BE als Aushilfe im Stundenlohn eingestiegen: «Ich habe immer gerne verschiedene und neue Sachen gemacht.» So war es für ihn nach mehr als zehn Jahren als Versicherungsberater höchste Zeit für einen Wandel. Bei New Roots fühlte er sich sofort im Element: «Es ist ein überschaubarer Betrieb mit spannenden Produkten, in dem auch die Chefs mithelfen und alle Mitarbeitenden ernst genommen werden.»

Bereits nach wenigen Monaten bot man ihm eine Stelle als stellvertretender Bereichsleiter in der Verpackung und Veredelung an. Obwohl er nicht viel Führungserfahrung hatte, packte er die Gelegenheit beim Schopf. Denn er fühlte sich wohl im Betrieb und passte gut ins Team. Sein Lohn sei jetzt zwar tiefer als in der Versicherungsbranche, dafür aber nicht mehr leistungsabhängig und verbunden mit einer sinnhafteren Arbeit. Mit seinem 90-Prozent-Pensum verdient Fankhauser etwas mehr als 5500 Franken brutto pro Monat.

Von Hand

Am Produktionsstandort von New Roots an einer Durchgangsstrasse Richtung Emmental arbeiten gegenwärtig etwa 35 Personen. In einer grosszügigen Küche treffen sich die Mitarbeitenden am Mittag. Wenn Fidu Fankhauser Frühschicht hat, beginnt er mit der Arbeit um 5.15 Uhr morgens. Glücklicherweise wohnt er im Nachbardorf und hat damit nur einen kurzen Arbeitsweg. Fankhauser sagt:

Wir sind hier bei New Roots zwischen einem Familienunternehmen und einer industriellen Produktion, aber vieles wird auch noch von Hand gemacht, was auch körperlich streng sein kann.

HANDARBEIT: Fidu Fankhauser im Betrieb. (Foto: Yoshiko Kusano)

Heute werden beispielsweise 6000 Stück «Lupi» produziert, Anfang Jahr waren es noch halb so viele. Lupi sind fermentierte Proteinblöcke aus Lupinen, Hülsenfrüchten mit Superfood-Qualitäten. Die Herstellung läuft dabei ähnlich wie in einer Käserei ab. Zuerst wird aus den Lupinen die Milch produziert, dann folgt die Fermentation. Der Käse wird dann mit einer sogenannten Harfe geschnitten und das Wasser abgepresst, bevor die Einzelstücke abgepackt werden. Am Nachmittag nimmt auch die Reinigung der Tanks viel Zeit in Anspruch.

DAS PRODUKT: Bei New Roots produziert er veganen Käse. (Foto: Yoshiko Kusano)

In der Produktion gelten die üblichen strengen Hygienebe­stimmungen der Lebensmittelindustrie: Schuhe und Kleidung müssen vor dem Eintritt in den Produktionsbereich gewechselt werden, gearbeitet wird mit einer Haube über den Haaren. Neu gilt auch eine Schutzbrillenpflicht. Fankhauser sagt: «Wir sind nicht mehr nur ein Start-up. Es gibt immer mehr standardisierte Abläufe und Regeln, die auch der Sicherheit von uns Mitarbeitenden zugute kommen.» Es brauche aber immer noch Flexibilität bei den Arbeitszeiten. Manchmal könne ein Arbeitstag länger dauern als geplant.

Mitsprache

Natürlich gebe es in einem wachsenden Betrieb auch Diskussionen über den richtigen Weg und die richtigen Investitionen. Als Mitarbeiter werde er da auch gehört. Weil die Produkte oft neu sind, müssen sie sich zuerst auch auf dem Markt bewähren, bevor in neue Maschinen investiert werden kann. Das vegane Raclette und das Fondue sind bereits etabliert. Neu wird auch Reibkäse produziert, der im Moment noch in Handarbeit abgefüllt wird. Doch das soll sich bald ändern, denn die Verkaufszahlen sind gut.

MODERNE MASCHINEN: Einblick in die Produktionshalle. (Foto: Yoshiko Kusano)

Im Betrieb werden die Mitarbeitenden auch über vegane Ernährung, Fragen des Tierwohls und die Vorteile einer pflanzenbasierten Ernährung für das Klima ­informiert. Veganismus ist aber keine ­Voraussetzung, um bei New Roots zu ­arbeiten. «Ich selber bin inzwischen Vegetarier», sagt Fankhauser. Diesen September wird das 10jährige Bestehen von New Roots mit einem Fest auf dem Fa­brikareal gefeiert. Die Chancen stehen gut, dass die vegane Ernährung in den nächsten zehn Jahren noch gefragter wird und auch New Roots weiter expandiert, meint Fankhauser.

Bäckerlehre

Ursprünglich hatte Fidu Fankhauser eine Lehre als Bäcker-Konditor gemacht, sehr erfolgreich abgeschlossen und auch während 12 Jahren auf dem Beruf gearbeitet. Fankhauser sagt:

Ich hätte wohl auch meinen Lehrbetrieb übernehmen können, aber der Lohn und die Arbeitsbelastung haben für mich in dieser Branche nicht mehr gestimmt.

BREITE PALETTE: Das Produkteangebot von New Roots. (Foto: Yoshiko Kusano)

Fankhauser ist vor einem Jahr der SP beigetreten. Zu seiner Motivation dazu sagt er: «Mich hat wieder mal etwas Politisches genervt, und da wollte ich so weit weg wie möglich vom SVP-Sünneli und mich vielleicht in Zukunft auch aktiver beteiligen.»

Igel, Gleitschirm und Hypnose

Fidu Fankhauser wohnt mit seiner Partnerin und ihren zwei Kindern in einem Einfamilienhaus in Niederhüningen BE. Sie haben zwar keine Haustiere, dafür aber einen Igel im Garten. Mit einem Umbau des Gartens wollen sie für noch mehr Biodiversität um das Haus sorgen.

In seiner Freizeit ist Fankhauser gerne mit dem Gleitschirm unterwegs. Seit er das Brevet für Tandemflüge hat, auch zu zweit. Die Emotionen, von der Angespanntheit vor dem Abflug bis zum «High» nach der Landung, beobachtet er auch gerne bei seinen Flug­gästen. Als Präsident des Gleitschirmclubs Emmental kennt er in der Gegend die besten Wanderungen sowie Start- und Landeplätze.

Lange Zeit sei er ein «stierer Emmentaler Bürger» gewesen. Im Emmental aufgewachsen, Versicherungsjob, Frau, zwei Kinder, freiwillige Feuerwehr. Nach der Trennung von seiner Frau suchte Fankhauser mehr Abenteuer und Kontakt zur Natur: von der einsamen Nachtwanderung vom Meer aus zum Teide auf Teneriffa bis zur Wildnis-Tour mit einem Freund durch Alaska. Zuletzt hat Fankhauser auch noch eine Hypnose-Ausbildung gemacht. In Zukunft möchte er in Hypnose-Sessions und auf Tandemflügen auch Flugangst therapieren.

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