Laura mal laut
Laura und der Startschuss

Beitrag vorlesen lassen.
0:00 / 3:13

Dieser Sommer hat’s wirklich in sich. Er fordert mir viel ab. Ich organisiere mein Leben auf allen Ebenen neu, sowohl privat als auch beruflich: neue Wohnung, neue Chefin. Das eine liegt in meiner Hand, das andere nicht. An Entspannung ist zurzeit kaum zu denken, denn meine Gedanken kreisen unaufhörlich, und die Sorgen kreisen mit, begleitet von dieser ewigen Hitze. Meine Sommerferien verbringe ich mit Abmelden, Anmelden und Ummelden. Dazu muss ich die Kosten im Griff haben. 

Laura Gonzalez Martinez ist Verkäuferin in Zürich und Gewerkschafterin.

Trotzig

Gleichzeitig überlege ich, welche Veränderungen mich erwarten, wenn ich wieder in den Laden zurückkehre. Zum Abschied jammerte ich trotzig bei meiner alten Vorgesetzten:

«Ach, du hättest doch warten können, bis ich privat alles durchhabe, um die Filiale zu wechseln.»

Sie lachte daraufhin und sagte beruhigend, dass alles gut werde. Ja, das hoffe ich auch. Aber was genau beunruhigt mich? Der Laden wird sich in meinen Sommerferien nicht vom Fleck bewegt haben. Die Stammkundinnen sind hoffentlich entspannt und zufrieden wieder zurück. Meine Abteilungen möchten weiterhin gepflegt werden, und meine Gspönli werden mir Schönes von den Ferien erzählen. Alles in allem so weit ok. 

Scherzend

Doch mit neuen Vorgesetzten kommt ein neuer Umgang und ein neuer Ton. Ich habe mich sehr an den Umgang und den Ton der letzten drei Jahre mit der vorherigen Chefin gewöhnt und war damit super zufrieden. Wir waren top eingespielt. Ich weiss jetzt nicht, was auf mich zukommt, und das nervt mich. Zudem bemerke ich, dass ich Ansprüche und Erwartungen habe. Scherzend fragte ich, ob uns bei der Auswahl der neuen Chefin ein Mitspracherecht zustehe. Haben wir nicht, klar. Trotz der Tatsache, dass wir als Team, als wichtiger Teil dieses Ladens, genau wissen, was wir brauchen.

Wir haben bereits schlimme Erfahrungen gemacht, insbesondere, was den Umgang untereinander angeht, was zwangsläufig zu einem ungeheuren Druck führt. Aber wir sind in allem ausgeliefert. Es gibt Dinge, die können wir als Team beeinflussen und einfordern. Das ist eine Einstellung, die mir hilft. Diese Haltung habe ich über die Jahre durch viele Konflikte und meine Tätigkeit in der Gewerkschaft gewonnen. Trotz den vielen Veränderungen bin ich jetzt etwas entspannter als vor meinen Ferien. Es gilt, Schritt für Schritt voranzugehen. Wir haben mehr Einfluss auf die Dinge, als wir zunächst denken. Ich stehe an der Startlinie und fühle mich deutlich optimistischer und motivierter mit diesem Gedanken.

Schreibe einen Kommentar

Bitte fülle alle mit * gekennzeichneten Felder aus.