Lohnanalyse
Frauen verdienen 1437 Franken weniger – weil sie Frauen sind!

Die Lohndiskriminierung der Frauen hat weiter abgenommen, meldet das Bundesamt für Statistik. Es geht also in die richtige Richtung. Aber: Lohngleichheit im Schneckentempo ist kein Fortschritt, sondern ein Skandal.

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ZUM BEISPIEL DETAILHANDEL: Frauen arbeiten häufiger in Branchen mit tiefen Löhnen. (Foto: Keystone)

Der Lohnunterschied im Jahr 2024 habe sich gegenüber 2022 verringert, von 16,2 Prozent auf 15,7 Prozent, schreibt das Bundesamt für Statistik. Immerhin. Es geht in die richtige Richtung, wenn auch nach wie vor im Schneckentempo. Aber 15,7 Prozent, das sind 1364 Franken – pro Monat! In der Privatwirtschaft ist die Lohndiskriminierung noch grösser: 2024 war sie noch immer bei 17,2 Prozent, gegenüber 17,5 Prozent im Jahr 2022. Der Fortschritt ist also minimal. Oder in Franken ausgedrückt: Frauen verdienen in der Privatwirtschaft im Durchschnitt noch immer 1473 Franken weniger im Monat als Männer. 

Der Grund: Sie sind Frauen

Im privaten und im öffentlichen Sektor zusammen lassen sich rund 47 Prozent der Unterschiede eigentlich nur mit Diskriminierung erklären. Denn auch wenn Faktoren wie Ausbildung, Alter, Dienstjahre, berufliche Stellung und Branche berücksichtigt werden, verdienen Frauen noch immer weniger als Männer in vergleichbaren Positionen, mit vergleichbaren Ausbildungen, vergleichbarer Arbeitserfahrung usw. Und zwar schlicht deshalb, weil sie Frauen sind. Besonders gross ist dieser unerklärte Lohnunterschied im Maschinen- und Gerätebau oder im Detailhandel. 

Die anderen 53 Prozent lassen sich zwar erklären, sind aber nicht minder diskriminierend. Beim sogenannt erklärbaren Unterschied geht es darum, dass Frauen viel häufiger als Männer in Branchen und Berufen mit tiefen Löhnen arbeiten und seltener in Führungspositionen. 44 Prozent der erwerbstätigen Frauen verdienen für einen Vollzeitjob weniger als 5000 Franken, 28 Prozent sogar weniger als 4500 Franken.

Mit dem Kind kommt der Knick

Der Grund ist auch in veralteten Rollenbildern zu suchen: Frauen wird noch immer fast automatisch die unbezahlte Betreuungs- und Pflegearbeit zugesprochen. Frappant: Mit dem ersten Kind sinkt das Einkommen der Frau. Mütter verdienen im Schnitt 21 Prozent weniger als Väter. Mütter reduzieren ihr Pensum und somit auch ihr Einkommen und übernehmen dafür rund 60 Prozent der Haushaltsarbeiten und der Kinderbetreuung. Auch deshalb, weil familienergänzende Kinderbetreuung nicht für alle vorhanden und erschwinglich ist und weil viele Arbeitsbedingungen nicht mit Familienpflichten vereinbar sind. 

Es erstaunt daher nicht, dass die Geburtenrate in der Schweiz auf einem Rekordtief (zum Artikel) ist. Im Durchschnitt kommen in der Schweiz nur noch 1,29 Kinder pro Frau zur Welt. Seit 2019 ist die Zahl der Geburten um über 9 Prozent zurückgegangen.

Was braucht es jetzt endlich für mehr Lohngleichheit? 

  • öffentlich finanzierte vorschulische Betreuung
  • einen Elternurlaub, der diesen Namen verdient
  • griffige Lohnkontrollen, auch für kleinere Unternehmen, und Sanktionen bei Verstössen
  • Mindestlöhne: keine Löhne unter 4500 Franken, mindestens 5000 Franken nach einem Lehrabschluss 
  • familientaugliche Arbeitsbedingungen

Doch was will die bürgerliche Politik stattdessen?

  • vorschulische Betreuung ins Private abschieben
  • auf dem unzureichenden Mutter- und Vaterschaftsurlaub beharren, wenn sie ihn denn nicht sogar noch verschlechtern wollen (zum Artikel)
  • Mindestlöhne bekämpfen, wo es nur geht
  • Arbeitstage von bis zu 17 Stunden und mehr Sonntagsarbeit

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