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Laura Gonzalez Martinez ist Verkäuferin in Zürich und Gewerkschafterin.

Kürzlich brannte es auf der Hardbrücke, und zwar richtig! Die Hardbrücke ist ein zentraler Verkehrsknotenpunkt: Gross, wichtig und immer stark frequentiert.

Ich stand also am Samstagnachmittag mitten auf der Hardbrücke und blickte zum Himmel hoch, der Asche nach. Im Hintergrund der schicke, teure Prime Tower. Als ich am Feuer vorbeikam, war noch zu erahnen, dass da wahrscheinlich ein Minihochhaus aus Holzlatten und Karton gestanden hatte, bevor es kontrolliert angezündet wurde.

Monster

Eine kreative und vielsagende Idee, dachte ich mir und lief mit 2500 anderen Menschen weiter durch die Stadt. Die grosse Wohndemo brachte die Strassen auf eine wunderschöne Art zum Brennen. Die Menschen haben auf unsere Wohnungsnot in der Stadt auf unterschiedliche und originelle Weise und vor allem mit sehr deutlichen Ansagen aufmerksam gemacht. Überall gab es was zu sehen, kleine Minihäuser auf Rädern, in denen Kinder sassen, riesige grüne Monster, gierige Profithaie, Tausende Plakate, Zeichnungen, starke Parolen und immer wieder dieser eine Satz: Wir bleiben!

Angst

Ein grosser Teil von Zürich stand für ein paar Stunden still. Und da kam die nächste Ansage, die mich etwas nervte. «Wir bitten Sie um Verständnis», hiess es den ganzen Nachmittag über die Lautsprecher der VBZ, der Betreiberin des städtischen Bus- und Tramnetzes. Um Ver­ständnis bitten, wofür? Wir bitten um ­Verständnis, dass Menschen aus den Häusern ­vertrieben werden. Wir bitten um ­Verständnis, dass Menschen aufgrund der steigenden Mieten die Stadt, ihr Zuhause verlassen müssen. Wir bitten um Verständnis, dass Menschen Existenzängste erleben. Wir bitten um Verständnis, dass ganze Familienquartiere und kleine Läden den Konzernen weichen müssen. Die VBZ-Ansage könnte heissen: «Wir bringen Sie sicher an die Demo, damit wir alle um unser Recht auf Wohnen kämpfen können, weil Wohnen ein Grundrecht ist.» Das wäre doch was! Die Leerkündigungen und Mieterhöhungen betreffen uns alle. Da darf gut mal die halbe Stadt stillstehen

Spannung

Am 14. Juni wird die Stadt erneut stillstehen, weil der feministische Streik stattfindet. Zudem warten wir gebannt auf die Abstimmungsresultate zur Chaosinitiative und auf kantonaler Ebene zur Wohnschutzinitiative. Ich bin dreifach gespannt. Die drei Themen haben eine Gemeinsamkeit: Ohne die Arbeit der Frauen, ohne Migrantinnen, die Care-Arbeit leisten, und ohne bezahlbare Wohnungen ist kein Leben möglich. Dann steht wirklich alles still. Wer wird dann Verständnis haben?

Illu: Laura Gonzalez Martinez

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