Kennen Sie ein gelungenes Beispiel?
Ich halte die Kampagne von Zohran Mamdani (Bürgermeister New Yorks, Anm. d. Red.) für eine der besten politischen Kampagnen. Er wusste, dass er Menschen erreichen muss, die für Trump gestimmt hatten. Sein Kernanliegen war: Lasst uns diese Stadt bezahlbar machen. Das klingt nach Brot und Butter, nicht wahr? Aber die Wirtschaft ist auch ein moralischer Raum. Zu sagen, die Stadt müsse bezahlbar sein, heisst zu sagen, dass jene, die ganz unten stehen, von ihr nicht ausgeschlossen werden dürfen. Die Wirtschaft ist nicht das, wofür wir sie oft halten – also ein System, in dem Menschen blind ihrem aufgeklärten Eigeninteresse folgen. Es geht auch um Anerkennung und darum, wer dazugehört und wer nicht. Und Mamdani sagte sinngemäss: «Selbst wenn ihr mich anpöbelt, mich anschreit und mich einen Dreckskerl nennt – gut, das ist New York, damit rechne ich. Ich will trotzdem, dass ihr euch das Leben in dieser Stadt leisten könnt.» Wenn man Menschen nicht bevormundet und ihnen praktisch zeigt, was Universalität bedeutet – also: Ich sorge für dich, ich kümmere mich um dich –, dann sind sie vielleicht bereit, mitzugehen. Das passiert nicht über Nacht, aber so lässt sich ein Narrativ aufbauen.