SVP-Nationalrätin ganz offen:
«Wir sind nicht die Partei der Arbeitnehmenden!»

Vor Gewerkschaftern platzt SVP-Nationalrätin Katja Riem der Kragen. Dann wird sie erfrischend ehrlich.

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MIT WEIN: So macht Katja Riem auf Instagram Politik. (Foto: Screenshot)

Wer kennt eigentlich Katja Riem? Dabei gibt sich die jüngste Nationalrätin der Schweiz (29) alle Mühe aufzufallen. Auf Instagram verbreitet die Winzerin aus Kiesen BE Parolen – weintrinkend. «Gang go abschtimme und go wähle! Und am beschte nimmsch da dezue dä süffig Heida!» Sagt sie und hält die entsprechende Flasche in die Kamera. Erhältlich ist der Tropfen im elterlichen Weinhandel. Geschäft als Politik. Politik im Suff. Weniger trunken, aber gerade so sauglatt ging’s schon früher zu. Ihr Nein-Kreuzchen zur Massentierhaltungs-In­itiative setzte sie inmitten von «glücklichen» Schweinen. Inszenierung zwischen Grunz und Brunz. Ein Jammer bloss, dass all das kaum Klicks generiert. Das Säuli-Video floppte mit nur 28 Youtube-Aufrufen. Jetzt aber geht Riem endlich viral.

«Nie behauptet»

Bedanken muss sie sich dafür beim Berner Gewerkschaftsbund, der sie kürzlich auf ein Podium zur Chaosinitiative hievte. Riems Kontrahenten waren SGB-Chef Daniel Lampart, SP-Bundesrat Beat Jans und ein Grossteil des Publikums, wie sich in der Fragerunde zeigte: Was denn die SVP je für die Arbeitnehmenden getan habe, fragte jemand aus der Menge. Darauf Riem laut, genervt, aber lächelnd: «Da gebe ich Ihnen recht, wir sind nicht die Arbeitnehmendenpartei. Das haben wir auch noch nie behauptet!» Zwar sei es schon so, wie SP-Altvater Ruedi Strahm kürzlich in der NZZ gesagt habe, dass also «die Büezerinnen und Büezer» gerade näher bei der SVP seien als bei der SP. «Und vielleicht sogar näher als bei den Gewerkschaften.» Aber eben: «Wir sind nicht jene Partei, die ihre Anliegen in die Politik einbringt.»

Welch seltene Offenheit! Von ihren Parteioberen wird Riem dafür einen saftigen Rüffel kassiert haben. Schliesslich wollen die Millionäre an der Spitze der angeblichen «Partei des Mittelstands» (früher noch «Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei») doch durchaus endlich auch eine Partei für Arbeiter sein. Und hat man nicht eben erst mit einem Handwerkerplakat und dem Slogan «Mehr Geld für unsere Büezer» die SRG attackiert?! Öffentlich freilich hat der ehrlichen Winzerin niemand widersprochen. In vino veritas!

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