Mesken Kahraman (37) über ihren mühseligen Weg zum Schweizer Pass
«Der ganze Prozess war eine grosse Schikane und ist nicht mehr zeitgemäss»

Mesken Kahraman (37) lebt seit 29 Jahren in der Schweiz und arbeitet in der Pflege. Ende 2025 hat es nach einem langwierigen und teuren Verfahren mit der Einbürgerung geklappt. Ein Erfahrungsbericht. 

Beitrag vorlesen lassen.
0:00 / 4:07
ENDLICH SCHWEIZERIN: Mesken Kahraman erzählt vom langen, teuren und teilweise widersprüchlichen Prozess der Einbürgerung. (Foto: jun)

«Ich bin 1989 in Diyarbakır in der Türkei geboren und kam 1997 in die Schweiz. Ich lebe also seit 29 Jahren hier und bin jetzt erst offiziell eingebürgert worden. Das zeigt schon, dass unser System nicht richtig sein kann. Problematisch finde ich, dass es dabei nicht in erster Linie um Integration, sondern um Geld geht. Der ganze Prozess hat mich 5000 Franken gekostet. Und dann hiess es beim Staatssekretariat für Migration noch, dass sie meine Dokumente erst bearbeiten, wenn ich eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr bezahle.

Apropos Dokumente: Der ganze Prozess war eine grosse Schikane. Ich bin in der Schweiz zur Schule gegangen und musste nachweisen, dass ich hier in der Schule war. Von mir wurde verlangt, dass ich einen Lebenslauf von Hand schreibe. Was ich auf dem PC geschrieben hatte, akzeptierte man nicht. Das ist doch nicht mehr zeitgemäss.

Keine erleichterte Einbürgerung

Schlimm ist auch die ganze Wartezeit, die hier im Kanton Solothurn zwischen zwei und drei Jahren liegt. Letztes Jahr hat der Kanton entschieden, dass bei den Sprachkenntnissen für die Einbürgerung mündlich ein B2-Niveau erreicht werden muss und schriftlich ein A2. Ich spreche perfekt Mundart und habe keine erleichterte Einbürgerung erhalten. Man kann nicht mit Ach und Krach Hürden setzen und anderen, die längst die Anforderungen der erleichterten Einbürgerung erfüllen, diese nicht gewähren. Ich habe hier meine Lehre als Fachfrau Gesundheit abgeschlossen. Ich arbeite, ich zahle hier meine Steuern. Aber ich durfte so viele Jahre nicht abstimmen, ich 
war bei politischen Themen ausgeschlossen. Das ist für mich weder demokratisch noch ethisch und moralisch vertretbar. 

Bevor ich mein Dossier endlich einreichen konnte, erhielt ich eine lange Liste mit Anforderungen und wurde ermahnt, alles fristgerecht abzugeben. Das habe ich getan. Doch die Behörden selbst liessen sich so lange Zeit, dass zwischen meinem ersten und meinem zweiten Gespräch einige Dokumente wieder abgelaufen waren und ich diese, wie zum Beispiel den Betreibungsregisterauszug, bei anderen Ämtern neu anfordern musste. 

Eigene Wanderschuhe

Bei meinen Einbürgerungsgesprächen wurde ich gefragt, wie gut ich integriert sei. Meine Antwort war, ich sei so gut integriert, dass ich eigene Wanderschuhe besitze. Ganz allgemein verliefen die Gespräche eigentlich gut. Doch am Schluss wurde ich ziemlich ausgequetscht zu verschiedenen politischen Themen. Und ganz zum Ende konnte ich noch etwas sagen zum Prozess und zu den Fragen. Man antwortete mir: ‹Machen Sie sich keine Sorgen, auch die meisten Schweizerinnen und Schweizer wüssten das nicht.› Zuerst habe ich das als Trost empfunden. Doch dann habe ich mich gefragt: Warum erwartet man das eigentlich von mir, wenn es so viele Schweizerinnen und Schweizer nicht beantworten können? Das war ein Widerspruch. 

Verstehen Sie mich richtig: Die Einbürgerung sollte kein Geschenk sein, muss aber fair gestaltet werden. Doch das ist nicht der Fall. Die Anforderungen für den Schweizer Pass werden von Menschen festgelegt, die ihn geschenkt bekommen haben und sich ihn nicht erarbeiten mussten.»

Schreibe einen Kommentar

Bitte fülle alle mit * gekennzeichneten Felder aus.