Anne-Sophie Zbinden, Chefredaktorin

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Anne-Sophie Zbinden, Chefredaktorin

Ynysybwl. Nein, da ist kein Kätzchen über die Tastatur gelaufen. So heisst ein Ort in Wales, Grossbritannien, der in die Geschichte eingehen wird: als Dorf, aus dem die ersten Klimaflüchtlinge der Insel änet des Ärmelkanals kommen. Weil ihre Häuser unbewohnbar sind. Mit der Klima­­­erhitzung tritt das Flüsschen am Dorfrand immer häufiger und immer schneller über die Ufer und dringt mit gewaltiger Wucht in die Häuser ein. In den letzten sechs Jahren hat die Gemeinde fast 170 Millionen Franken ausgegeben für Wiederaufbau und Schutzmassnahmen. Doch jetzt ist Schluss. Jahrelange Abklärungen haben ergeben: Für zusätzliche Massnahmen sind die Kosten höher als der Nutzen. Deshalb werden jetzt die Häuser am Flussufer demoliert, die Bewohnerinnen und Bewohner müssen wegziehen. Paul Thomas wohnt seit 40 Jahren am Fluss.

Er sagte zum ­britischen «Guardian»: «Ich hätte mir gewünscht, dass sie den Fluss sanieren, aber sie können nichts mehr tun. Ein Narr, wer glaubt, dass es keinen Klima­wandel gibt … Das Klima hat sich verändert, so einfach ist das.»

Extrem

Die Folgen der Klimakrise sind real. Und die Schweiz ist besonders stark betroffen. Bereits heute ist es fast 3 Grad wärmer als im vorindustriellen Durchschnitt. Die Schweiz wird heisser, trockener, schneeärmer und katastrophenreicher. Das bedeutet für Büezerinnen und Büezer: Hitze am Arbeitsplatz, steigende Gesundheitsrisiken, höhere Wohnnebenkosten. Und die extremen Wetterereignisse nehmen zu. Und das wird extrem teuer. Die Helvetia-Versicherung hat berechnet, dass die Kosten für die Schäden durch Unwetter in den letzten zehn Jahren um 133 Prozent angestiegen sind im Vergleich zu den zehn Jahren davor.

Makaber

Insgesamt kosten die durch die Klimakrise verursachten Schäden pro Jahr fast eine Milliarde Franken. Bis 2060 dürften es 34 Milliarden Franken sein. Angesichts dieses Ausmasses sind die Argu­mente der Gegnerinnen und Gegner der Klimafonds-Initiative (Die Mitte – ohne die Frauen, die GLP – ohne die Jungen, FDP und SVP) zynisch bis makaber: Sie führen ein arg belastetes Bundesbudget oder eine Schwächung der Schuldenbremse ins Feld. Und wenn gar nichts mehr geht, kommt ihnen ganz plötzlich die nächste Genera­tion in den Sinn: Diese brauche ein sauberes Bundesbudget. Koste es, was es wolle.

Gerecht

Die Klimafonds-Initiative will 0,5 bis 1 Prozent des Bruttoinland­produkts (BIP) in Gebäudesanierungen, erneuerbare Energien, klimafreundliche Mobilität und die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften investieren. Finanziert ausdrücklich aus der Bundeskasse, nicht über Kopfsteuern oder Konsumabgaben, sozial gerecht. Der Fonds wäre ein Jahrhundertprojekt wie die Investitionen in den Ausbau der SBB oder in die Wasserkraft. Eine mutige Antwort auf die Jahrhundert-Herausforderung. Und alles andere als für die Katz.

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