Ein Spitzbubentrick?
Der neuste Angriff rechter Turbolädeler

Ein liberaler Traum, der auf Teufel komm raus wahr werden soll: Rechte Parteien greifen den arbeitsfreien Sonntag (schon wieder) an. Der neuste Vorschlag kommt vom Genfer SVP-Nationalrat Roger Golay. Er will sonntags mehr Shoppingmöglichkeiten an den Bahnhöfen – auch im hintersten Chrachen.

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KEIN ZUCKERSCHLECKEN: Noch mehr Sonntagsarbeit ist ein Angriff auf die Gesundheit des Verkaufspersonals. (Foto: Keystone)

Kurz vor Weihnachten machte SVP-Nationalrat Roger Golay aus Genf dem Verkaufspersonal ein schrecklich nettes Geschenk: In einer Motion fordert er, dass auch an kleinen Bahnhöfen die Läden sonntags öffnen dürfen. Zurzeit schreibt das Arbeitsgesetz vor, dass sonntags die Läden an den Bahnhöfen nur öffnen dürfen, wenn der entsprechende Bahnhof einen Jahresumsatz von mindestens 20 Millionen Franken macht. Das will der SVP-Nationalrat Golay ändern.

Das Argument mit dem Volk

Golay will, dass auch der kleine Kiosk an sehr abgelegenen Bahnhöfen am Sonntag offen ist. Seine Begründung: Die aktuelle Regelung würde diese wirtschaftlich benachteiligen.

Zudem bemängelt er, die Bahnhöfe seien zu «einfachen Plattformen zum Ein- und Aussteigen von Fahrgästen verkommen». Wieso «verkommen»? Sinn und Zweck eines Bahnhofes ist doch das Ein- und Aussteigen.

Golay argumentiert zudem, dass die Bevölkerung in abgelegenen Gegenden auch sonntags eine Einkaufsmöglichkeit brauche. Dabei ist klar:

Das Schweizer Stimmvolk lehnte in den vergangenen 20 Jahren rund 70 Prozent der Vorlagen ab, die erweiterte Ladenöffnungszeiten forderten.

Die Motion von Roger Golay reiht sich in eine Reihe von Angriffen auf die Ladenöffnungszeiten ein. Ein weiterer Frontalangriff der Bürgerlichen ist die Zürcher Standesinitiative «Zeitlich befristete Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten». Ihre Forderung konkret: Jährlich sollen zwölf Sonntage zu Arbeitstagen umfunktioniert werden. Das Geschäft liegt zurzeit bei der Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerates auf dem Tisch. Für das Verkaufspersonal hätte eine Annahme fatale Folgen.

Sonntags an der Kasse

Was es für die Büezerinnen und Büezer im Detailhandel heisst, auch an Sonntagen arbeiten zu müssen, erklärte Jumbo-Verkäuferin Doris Schneeberger in einem Gespräch mit work vergangenen Dezember. Sie fordert: «Sollen die Politiker doch mal am Sonntag an der Kasse stehen!» Gemeinsam mit der Gewerkschaft wehrt sie sich gegen die Angriffe. Wird die Standesinitiative aus Zürich angenommen, ist für die Gewerkschaft Unia klar: Es braucht ein Referendum. Und dann liegt die Entscheidung wieder in den Händen der Stimmberechtigten.

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