Noch höhere Gesundheitskosten
Pharma will Kranken an den Kragen

Die Schweiz hat bereits heute die höchsten Medikamentenpreise Europas. Doch jetzt wollen die Pharmakonzerne die Preise noch weiter hochschrauben. Das würde auch die Krankenkassenprämien weiter in die Höhe treiben.

SCHWEIZER PHARMA-LOBBY: Mit dem Trump-Wahn sieht die Branche die Zeit für noch schamlosere Profite gekommen. (Foto: Keystone)

Vor Weihnachten präsentierte US-Präsident Donald Trump ein Abkommen mit neun Pharmakonzernen, darunter den beiden Schweizer Unternehmen Roche und Novartis. Sie sollen die nächsten drei Jahre von Zöllen verschont bleiben und ihre Medikamente in den USA in Zukunft über die Plattform «TrumpRX» ohne andere Zwischenhändler verkaufen. Vom neuen Preissetzungsmechanismus nach dem Prinzip des international tiefsten Preises (Most-Favored-Nation-Regime) werden Roche und Novartis aber voraussichtlich ausgenommen sein und im lukrativen US-Markt weiterhin Milliardenprofite erwirtschaften können.

Schweizer Preise als Referenz für die USA

Dennoch will der Lobbyverband Interpharma die allgemeine Verunsicherung um Trump für die Pharmafirmen nutzen.

Neben den zahlreichen steuerlichen Vorteilen, mit Steuerabzügen für Forschungsausgaben und Patente, welche die Branche in der Schweiz bereits hat, fordert Interpharma vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) noch weitere Anpassungen: Der Verband lobbyiert für eine vereinfachte Zulassung neuer Medikamente und will die Preise für Pharmaprodukte in der Schweiz hochschrauben. Denn die Schweizer Preise dienen in Zukunft als Referenzpreis für den US-Markt.

Erpressung durch die Pharmakonzerne

Auch Novartis-CEO Vas Narasimhan (49) kündigte an einer Investorentagung an, dass neue Medikamente von Novartis nur noch über private Kanäle angeboten würden, wenn Regierungen die höheren Preise nicht akzeptierten.

Auch andere Pharmafirmen scheuen sich nicht vor Erpressung. Nachdem die Verhandlungen zwischen Roche und dem BAG für den Preis des neuen Krebsmedikaments Lunsumio im letzten Sommer gescheitert waren, zog der Pharmakonzern das Medikament zurück. Lunsumio, das zur Behandlung einer seltenen lebensbedrohlichen Blutkrebserkrankung des Lymphsystems eingesetzt wird, ist seither in der Schweiz für neue Patientinnen und Patienten nicht mehr erhältlich. Wer in der Schweiz auf Lunsumio angewiesen ist, muss das Medikament aus Deutschland importieren und aus der eigenen Tasche bezahlen. Tun kann das nur, wer reich ist: Denn eine Dosis aus Deutschland kostet 6514 Euro und die ganze Behandlung bis zu 90000 Euro.   

Höchste Medikamentenpreise Europas

Dass Interpharma eine Erhöhung der Preise in der Schweiz fordert, ist nicht nur angesichts der extrem hohen Gewinnmargen der Pharmakonzerne skandalös. Die Schweiz hat im europäischen Vergleich bereits heute die höchsten Preise und die höchsten Pro-Kopf-Kosten für Medikamente. Das zeigen verschiedene internationale Studien. Und das BAG schreibt auf Anfrage von work: «Die Preisforderungen der Pharmaindustrie sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Für Krebstherapien, die vor zehn Jahren noch 20’000 – 30’000 Franken pro Jahr kosteten, werden neu mehr als 100’000 Franken gefordert.»

BAG will weitere Preiserhöhungen verhindern

Die Kosten für Medikamente im ambulanten Bereich liegen heute bei insgesamt 9,2 Milliarden Franken jährlich. Das entspricht etwa einem Fünftel der Gesamtkosten, die von der Grundversicherung gedeckt sind. Das BAG schreibt:

Ein starker Anstieg der Medikamentenpreise wirkt sich direkt auf die Höhe der Krankenkassenprämien aus.

Dennoch will das BAG den Forderungen von Interpharma ein Stück weit entgegenkommen und das System der Preisfestsetzung modernisieren, auch wenn die Schweiz bereits heute das zweitschnellste Land bei der Zulassung von Medikamenten ist. Die Preise und die Kosten neuer Medikamente sollen über diese Massnahme jedoch nicht noch stärker erhöht werden, schreibt das BAG.

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