Berner Regierungsrat lässt «Pilotversuch» auslaufen – längere Ladenöffnungszeiten gefloppt
Neue Ohrfeige für Turboläderer

Erst durchgedrückt, dann durchgefallen: Die längeren Ladenöffnungszeiten in der Stadt Bern sind ein Flop. Das hat jetzt endlich auch der Berner Regierungsrat eingesehen und lässt einen unnötigen «Pilotversuch» auslaufen.

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STELL DIR VOR, ES IST EINKAUFEN, UND KEINER GEHT HIN: Der Pilotversuch in der Stadt Bern ist gefloppt. (Symbolbild: Pexels)

Längere Ladenöffnungszeiten sind ein Fetisch der Gewerbeverbände. Und sie sind ein Flop im realen Leben. Trotz angeblich überwältigendem Bedürfnis der Bevölkerung nach Einkaufen an sieben Tagen rund um die Uhr, lehnte das Stimmvolk in den vergangenen 20 Jahren rund 75 Prozent der «Liberali­sierungs»-Vorlagen ab, wenn diese an die Urne kamen. Zuletzt diesen Mai in Kanton St. Gallen (work berichtete). Und auch jene, die nicht abstimmen gehen, zeigen den rechten Turbo-Lädelern die kalte Schulter:

Schon heute werden eigentlich mögliche Sonntagsverkäufe nicht ausgeschöpft, weil es sich nicht lohnt. Zum Teil nicht einmal in der Vorweihnachtszeit.

Der Berner Handels- und Industrieverein und der willfährige Kaufmänische Verband hätten also gewarnt sein müssen, als sie die rechte Berner Kantonsregierung dazu brachten, in der Stadt Bern längere Ladenöffnungszeiten durchzudrücken. Es ging darum, in einem «Pilotversuch» mit «einer Verlängerung um eine Stunde am Samstag auf das geänderte Einkaufsverhalten einzugehen».

Ganz anders – aber für Gewerkschafterinnen, rechnende Gewerbler und andere vernünftige Leute wenig überraschend – tönt es jetzt in der Medienmitteilung des Berner Regierungsrats vom 29. August: «Gemäss Ergebnisbericht wirkten sich die längeren Ladenöffnungszeiten am Samstag nicht wie erhofft auf den Umsatz aus und wurden von einer deutlichen Mehrheit der Unternehmen und der Beschäftigten nicht als positiv beurteilt. Ab 1. Januar 2026 gelten damit wieder die ursprünglichen gesetzlich möglichen Ladenöffnungszeiten – das heisst bis 17 Uhr am Samstag und vor Feiertagen.»

Unia-Umfrage und Petition

Die Unia hat mit ihren Mitgliedern das «Pilotprojekt» von Beginn an kritisiert, weil es für das Personal negative Folgen hatte. Sie reichte auch eine Petition mit rund 2000 Unterschriften gegen die längeren Ladenöffnungszeiten ein. Eine von der Unia durchgeführte Umfrage bei den Beschäftigten in der Berner Innenstadt bestätigte dies klar:

  • Lohnkürzung (mehr Arbeit ohne Entschädigung)
  • Arbeitsverdichtung (mehr Arbeit aber kein zusätzliches Personal)
  • Belastung für die psychische und physische Gesundheit
  • Negative Auswirkungen auf Privat- und Familienleben

Die Unia nimmt den Entscheid der Berner Regierung «zur Kenntnis und fordert nachdrücklich bessere Arbeitsbedingungen im Detailhandel».

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