Klimademos: «Keine 50°C-Sommer!»
«Diese neue Realität ist erst der Anfang»

Unerträgliche Temperaturen am Arbeitsplatz, Hitze in Schulzimmern und Pflegeheimen, Hitzetote und überlastete Notaufnahmen. Kühe ohne Wasser, verdorrte Wiesen und ausgetrocknete Flüsse. Das ist kein Film über die Klima-Apokalypse, sondern der Sommer 2026 in der Schweiz. Jetzt regt sich Widerstand.

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KEIN 50-GRAD-SOMMER: Demo-Aufruf im ausgetrockneten Emme-Flussbett. (Foto: zvg)

«Diese neue Realität ist erst der Anfang», erklärt Laurène Descamps (32) vom Bündnis «Keine 50°C-Sommer!». Descamps ist Mitglied von «Our answer», einer Organisation, die sich für einen Linksrutsch bei den Parlamentswahlen im Jahr 2027 einsetzt. Derzeit mobilisiert Descamps für die Klimademos am 19. und 25. September, die auch von der Unia unterstützt werden. Ziel ist, dass sich auch möglichst viele Menschen aus dem Gesundheitsbereich, der Landwirtschaft, Baubüezer und Landschaftsgärtnerinnen an den Demos beteiligen. Descamps, sagt:

Die Leute sind besorgt, weil die Klimakrise jetzt stärker spürbar wird.

Laurène Descamps. (Foto: zvg)

Aus dieser Betroffenheit will die Koalition politischen Druck erzeugen. Denn ohne einen grundlegenden politischen und wirtschaftlichen Kurswechsel drohen Sommertemperaturen von bis zu 50 Grad in der Schweiz. Neue Klimaszenarien der ETH bestätigen, dass solche Extremtemperaturen im Jahr 2050 in der Schweiz lokal möglich sind. Der Hitzerekord für die Alpennordseite liegt seit diesem Sommer bei 39,7 Grad. In Basel, wo dieser neue Rekord gemessen wurde, gab es diesen Sommer bereits über 50 Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad. 

Bundesrat lehnt Finanzplatz-Initiative ab

Neben unmittelbaren Schutzmassnahmen fordert das Bündnis «Keine 50°C-Sommer!» den sofortigen Ausstieg aus fossilen Energien. Denn Anpassungsmassnahmen werden für den Schutz der Lebensgrundlagen nicht reichen, wenn die Politik nicht bei den Ursachen der Klimaerhitzung ansetzt. Die Schweiz verfehlt laut Bundesamt für Umwelt (BAFU) ihre wenig ambitionierten Klimaziele, investiert zu wenig in den Klimaschutz und heizt die Klimakrise weiter an. Die Regulierung von besonders klimaschädlichen Industrien und Wirtschaftszweigen wird weiterhin verschleppt. 

Über ihren Finanzplatz, den Rohstoffhandel und international tätige Konzerne trägt die Schweiz eine besonders grosse Verantwortung. Der Schweizer Finanzplatz verursacht das 14- bis 18-Fache der gesamten inländischen CO2-Emissionen der Schweiz. Die Volksinitiative «Für einen nachhaltigen und zukunftsgerichteten Finanzplatz Schweiz» lehnt der Bundesrat dennoch ohne jeglichen Gegenvorschlag ab. Das gab er während der letzten Hitzewelle Mitte August bekannt.

3700 Hitzetote pro Tag

Auch Sofortmassnahmen und zusätzliche Gelder für Klimaschutz gibt es vorerst nicht. Soforthilfe erhalten lediglich die dürregeplagten Bauern: Die Armee fliegt Wasser zu Alp-Betrieben und für die Landwirtschaft werden die Zölle auf Heu-Importe gestrichen. Die Koalition fordert jetzt weitere Sofortmassnahmen zum Schutz der Bevölkerung: 

  • Begrünung von Städten und Siedlungen
  • Klimaresiliente Sanierung von Gebäuden, insbesondere von Schulen und öffentlichen Einrichtungen
  • Angepasste Arbeits- und Unterrichtszeiten während Hitzewellen
  • Verbindliche Massnahmen zum Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, sowie ein Recht auf garantierten Lohn bei Arbeitsunterbruch bei extremer Hitze
  • Wirksame Schutzmassnahmen für besonders gefährdete Personen

Das Bündnis betont auch die globale Dimension der Klimakrise. Die gravierendsten Folgen treffen heute Menschen im globalen Süden, die am wenigsten zur Erderhitzung beigetragen haben.

Die Folgen der Klimakrise sind dramatisch, etwa in Indien, wo Hitzewellen mit Temperaturen von über 45 Grad täglich etwa 3700 zusätzliche Hitzetote verursachen. Der Schutz dieser Menschenleben bedingt eine sozial gerechte Transformation und globale Verantwortung, besonders in einem reichen Land wie der Schweiz.

«Keine 50°C-Sommer!»

Unter dem Bündnisnamen «Keine 50°C-Sommer!» fordern über 70 Organisationen der Schweizer Zivilgesellschaft sofortige und wirksame Hitze- und Klimaschutzmassnahmen. Auch die Unia unterstützt die Klimademos, die am 19. September in der Romandie und am 25. September in der Deutschschweiz stattfinden werden. 
 
https://50degres.ch/de/

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