1x1 der Wirtschaft
Preise rauf? Löhne rauf!

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Den Entscheid der USA, Iran anzugreifen, bezahlen wir teuer. Der Krieg hat in der ganzen Golf­region Erdöl- und Erdgasförderungs­anlagen beschädigt. Vor ­allem aber hat Iran als Reaktion die Strasse von Hormuz, die Meerenge zwischen Iran und der Arabischen Halbinsel, ­blockiert. Dort, wo vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweit geförderten Erdöls hindurchtransportiert wurde, passierte in den ­vergangenen Monaten kaum ein Schiff. Die Folge: Erdöl wurde knapp, der Preis schoss in die Höhe. Das spüren wir unmittelbar beim Tanken. Der Preis für den Liter Benzin in der Schweiz stieg von rund 1.60 Franken im Februar auf rund 1.90 Franken im Mai. 

Preise steigen

Beim Tanken allein bleibt es aber nicht: Mit den Erdölpreisen verteuern sich der Transport und die Herstellung vieler Produkte. Hinzu kommen die Mieten, die unabhängig vom Krieg weiter und weiter steigen. Die Teuerung in der Schweiz hat deshalb spürbar zugenommen. Im Mai bezahlten wir für die gleichen Waren und Dienstleistungen 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei wird es aber nicht bleiben: Im Herbst dürfte die Teuerung zwischen 1 und 1,5 Prozent betragen (vgl. Grafik). Die Verhandlungen zwischen den USA und Iran werden daran wenig ­ändern. Es bleibt höchst ungewiss, ob und unter welchen Bedingungen Iran die Strasse von ­Hormuz wieder vollständig öffnet. Und selbst, wenn die Passage ganz geöffnet wird, wird es Monate ­dauern, bis das Erdöl wieder im gewohnten Ausmass fliesst und die Teuerung nachlässt. 

Löhne müssen folgen

Die Löhne in der Schweiz sind nur rund 1 Prozent höher als im vergangenen Jahr. Die Arbeitnehmenden werden deshalb erneut an Kaufkraft verlieren, wenn die Preise im Herbst stärker steigen. Die Krankenkassenprämien machen die Kaufkraftprobleme noch schlimmer. Die ­Prämien steigen fast ungebremst. Der Prämienschub 2026 bedeutet für den durchschnittlichen Schweizer Haushalt 0,3 Prozent weniger Einkommen am Ende des Monats. Es braucht deshalb höhere Löhne, um die Preise und die Prämienlast auszugleichen. Die Löhne müssen aber auch darüber hinaus steigen. Denn die Produktivität steigt. Die Arbeitnehmenden leisten Jahr für Jahr mehr. Sie müssen sich ­deshalb auch endlich wieder mehr leisten können. 

David Gallusser ist Ökonom beim ­Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB).

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