Neue HSG-Studie über Väter-Vorteile und Mütter-Mängel
Wieso männliche Chefs von einem Papa-Bonus profitieren

Väter in Führungs­positionen erhalten mehr Unterstützung als ­Mütter. Denn ­Männer im ­Familienstress ­werden als ­«Opfer» eines unausgewogenen ­Verhältnisses zwischen Beruf und Privatleben betrachtet. Das zeigt eine neue Studie der ­Universität St. Gallen.

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PAPI-TAG: Was bei Männern gelobt wird, ist bei Frauen nichts, was besondere Beachtung findet. (Foto: Getty Images)

Noch nie waren so viele Frauen in der Schweiz ausser Haus erwerbstätig wie heute. Und noch nie haben sich Väter so aktiv um ihren Nachwuchs gekümmert. Das ist zwar erfreulich. Doch zwei Wörter bringen die Pro­bleme dahinter auf den Punkt: Papi-Tag. Es gibt eine eigene Bezeichnung für den Tag, den der Vater mit seinem Kind verbringt. Den Rest der Woche sind es Mami-Tage, doch davon spricht niemand. Weil Frauen den Hauptanteil der unbezahlten Betreuungsarbeit übernehmen. Aus nachvollziehbaren Gründen: Frauen arbeiten häufiger im Tieflohnsektor als Männer. Familienergänzende Kinderbetreuung ist teuer oder nicht vorhanden. Und dann sind da noch die gesellschaftlichen Erwartungen: Von Müttern wird wie selbstverständlich erwartet, dass sie sich um die Kinder kümmern. Väter hingegen, die dies tun, erhalten mehr gesellschaftliche Anerkennung als Frauen. Dieser Papi-Bonus ist nicht neu. Doch wie wirken sich diese starren Rollenbilder im beruflichen Umfeld aus? Das hat die Universität St. Gallen (HSG) jetzt untersucht.

Väter in der Opferrolle

Die Forschenden haben Daten aus drei miteinander verbundenen Studien mit rund 1200 Teilnehmenden untersucht. Und das herausgefunden: Mitarbeitende sehen die Hauptrolle ihrer männlichen Vorgesetzten in der Arbeitswelt. Deshalb begegnen sie Männern in Führungspositionen, die sich um Kinder kümmern, mit Unterstützung und Verständnis. Auch wenn die Kinderbetreuung die Arbeit beeinträchtigt. Der Grund: Sie wollen mithelfen, diesen scheinbaren Widerspruch zwischen Mann und aktiver ­Vaterrolle aufzulösen. Die Studien-Autorinnen und -Autoren schreiben es so:

Männliche Führungskräfte mit Arbeit-Familie-Konflikten werden häufig als ‹Opfer› eines unausgewogenen Verhältnisses zwischen Beruf und Privatleben angesehen und als hilfsbedürftig betrachtet, während weibliche Führungskräfte mit Arbeit-Familie-Konflikten bestenfalls als Personen mit falsch gesetzten ­Prioritäten und schlimmstenfalls als ‹schlechte Frauen› angesehen werden.

Diese «Doppelmoral» habe Auswirkungen auf die Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz.

Der Baby-Knick

Fakt ist: Die Berufsmöglichkeiten der Frauen sind durch die ihnen zugeschriebene Verantwortung für die ­Familie eingeschränkt. Wirtschafts­nobelpreisträgerin Claudia Goldin nennt das ein «schmutziges kleines Geheimnis, das wir alle kennen, über das wir aber nicht sprechen wollen». Das zeigen auch aktuelle Zahlen aus der Schweiz: Verheiratete Frauen mit Kindern verdienen 21 Prozent weniger als verheiratete Väter. Für Männer ist Vaterschaft hingegen ein Lohn-Booster: Sie haben 27,5 Prozent höhere Löhne als kinderlose Männer.

HSG-Professorin und Studienleiterin Jamie Gloor sagt: «Wenn ein Mann zeigt, dass er unter Stress steht (oder unter einem Arbeit-Familie-Konflikt, wie wir ihn untersucht haben), weicht das von den Erwartungen anderer hinsichtlich der ­Beteiligung von Männern an Betreuungs- und Sorgeaufgaben ab, während derselbe Stress bei Frauen eher als ‹normal› angesehen wird.» Das führe dazu, das Mitarbeitende Vätern stärker helfen wollen, oft mehr, als sie es bei Frauen in Führungs­positionen tun würden. Solche Dynamiken am Arbeitsplatz seien mächtig, erklärt Gloor. Und oft unbewusst: «Obwohl wir helfen, weil wir helfen wollen, wird unser Unterstützungsverhalten durch tief verankerte Erwartungen gegenüber Männern und Frauen geprägt.» Das ­bewirkt für Väter einen Vorteil, der weit über Karriere und Lohn hinausgeht. Diese Dynamik kann aber auch eine Chance sein, die Akzeptanz der Vaterrolle zu fördern.

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