Weniger Kommerz, weniger Aggression
Was der ­Männer- vom Frauenfussball lernen kann

Fairness. Respekt. Liebe zum Spiel: Was bei der korrupten Fifa nur schöne Mäntelchen sind, lebt der Frauenfussball vor. Eine Rückbesinnung auf Werte statt Marktwert täte auch dem Männerfussball gut.

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HART, ABER FAIR: Die Schweizer Spielerin Lia Wälti im Zweikampf mit Spaniens Olga Carmona an der Frauen-EM 2025 in Bern. (Foto: Keystone)

Fussballfans müssen aktuell den Spagat machen. Zwischen dem WM-Fieber – mit hoffentlich vielen spannenden Matches auf allerhöchstem Niveau – und den hässlichen Seiten des Männerfussballs: Kommerz, Korruption, Aggression. Auf und neben dem Platz.

Das müsste nicht sein. Der Frauenfussball zeigt der Sportwelt, wie es auch anders geht: mit Haltung und Diversität statt Härte und Testosteron. work wollte wissen: Was können die Männer im Fussball von den Frauen lernen?

Klar, «die» Männer und «die» Frauen gibt es nicht. Und schon gar nicht ist im Frauenfussball alles perfekt – Löhne und Trainingsbedingungen etwa sind vielerorts grottenschlecht. Der Blick auf das, was besser ist, zeigt aber: Der Männerfussball müsste nicht so sein, wie er heute ist.

Auf dem Platz:

Es waren unvergessliche Bilder. An der Heim-EM 2025 verloren die Schweizerinnen im Viertelfinal gegen Spanien. Nach Abpfiff standen die Weltmeisterinnen den Gastgeberinnen Spalier und würdigten die starke Leistung mit Applaus. Der Kontrast zum Männerfussball, wo Provokationen und Rempeleien auf dem Platz als normal gelten, ist augenfällig. Fussballerinnen leben das vor, was bei der Fifa nur ein Slogan ist: Respekt.

Eine Erklärung dafür hat Marisa Wunderlin, Trainerin der FC-Thun-Frauen. In der Zeitung «Reformiert» sagte sie:

Fussballerinnen sind sich ihrer Vorbildrolle bewusst. Sie spielen mit ihren Gegnerinnen für eine grössere Sache: die Sichtbarkeit des Frauenfussballs und die gesamtgesellschaftliche Entwicklung.

ORDNET EIN: Fussball-Trainerin Marisa Wunderlin. (Foto: pd)

Ein riesiger Fairness-Vorsprung der Frauen zeigt sich auch in den Daten der Suva über gelbe und rote Karten in allen Ligen. In den obersten Amateurligen der Männer gibt es im Schnitt vier gelbe Karten pro Spiel. Bei den Frauen ist es nur eine alle zwei Spiele – also achtmal weniger! Und im aktuellen Fairplay-Ranking, das alle Strafen der laufenden Saison berücksichtigt, belegen drei reine Frauenfussball­vereine die ersten drei Plätze. Eine weitere Statistik zeigt: Nach einem Pfiff des oder der Unparteiischen diskutieren, reklamieren oder simulieren Frauen deutlich kürzer als Männer.

Auf der Trainerbank:

Statt auf Befehle und Wutausbrüche setzt Trainerin Wunderlin auf Kooperation: «Spielerinnen wollen mehr einbezogen werden.» Das gelte heute aber auch für männliche Jugendliche. Studien hätten gezeigt: Auf Dauer erzielten beide Geschlechter mit einer kooperativen, achtsamen Führungskultur die besseren Resultate.

Im Stadion:

Kollektives Jubeln oder Verzweifeln, Verbrüderung mit wildfremden Sitznachbarn – die Stimmung im Stadion ist einzigartig und zentral für das Erlebnis Fussball. Egal, ob Frauen oder Männer auf dem Platz stehen. An Frauen-Matches fehlt aber eine Zutat, die niemand vermisst: toxische Männlichkeit. Es gibt keine beleidigenden Rufe oder Gesänge, keine «Fan»-Gewalt. Alle feiern zusammen ein Fussballfest.

In der Gesellschaft:

Fussballerinnen sind keine abgehobenen Stars, sondern nahbar. Teil der Community. Viele haben eine politische Haltung, für die sie in der Öffentlichkeit hinstehen. Das zeigt sich etwa beim Thema Queerness. Im Profi-Männerfussball noch immer ein Tabu, gehen die Frauen damit entspannt um. Einige zählen sich zur LGBTQ-Community, andere nicht, alle spielen zusammen im gleichen Team.

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