Überlebt der Fussball diese WM?
Die Mega-Gaga-Maga-Show!

Fifa-Boss Gianni Infantino und US-Präsident Donald «Jesus» Trump halten die teuerste, grössenwahnsinnigste und schmutzigste Weltmeisterschaft der Geschichte ab. Am Ende schauen wir wahrscheinlich trotzdem hin, denn immerhin rollt auch der Ball.

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SCHAU, WIE SCHÖN DER POKAL GLÄNZT: Fifa-Chef Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump teilen eine Passion für goldene Geschäfte. (Foto: Keystone)

Fussball und Gewerkschaften haben dies gemeinsam: Sie sind erfolgreich, weil sie die Büezer und Büezerinnen zusammenbinden, egal woher sie stammen. Auf dem Bolzplatz wie im Betrieb sorgen Kickerei und der Kampf um soziale Gerechtigkeit für das Miteinander, die gesellschaftliche Integration.

Schweizer Erfolgsmodell

Zur nordamerikanischen WM (Mexiko und Kanada bekamen nur 26 der 104 Spiele zugeteilt) reist die kleine Schweiz mit einer sehenswerten Mannschaft. Was immer Patrioten raunzen mögen – Xhaka, Embolo, Akanji, Vargas, Okafor, Ndoye, Jashari, Sow, Manzambi, Cömert, Zakaria, und wie sie alle heissen, sind nicht seit fünf Generationen im schönen Appenzell ausgebrütet worden. Nicht einmal Trainer Yakin. Aber die Gesellschaft hatte die Intelligenz, ihr Potential zu erkennen. Sie sind Teil einer neuen Schweiz. Einer kreolischen Schweiz. Sie ist ein Erfolgsmodell.

XHAKA, EMBOLO, VARGAS UND CO.: Die Schweizer Nati im aktuellen Panini-Heftli. (Foto: Keystone)

Als kürzlich Paris (PSG) und Arsenal aus Nordlondon den Final der europäischen Clubmannschaften ausfochten, jubelte die Fachzeitschrift «Afrik-Foot»: «Afrika hat gewonnen». Denn in beiden Teams spielten Ballkünstler vom Kontinent eine zentrale Rolle. Beim PSG aus den früheren französischen -Kolonien, bei Arsenal aus den britischen. Fussball ist längst global. Ein Kampfplatz der Geopolitik sowieso. Nach dem Zerfall der Sowjetunion sind allein in Europa 19 neue Nationalmannschaften entstanden. 

In den Fängen von ICE

Der Schweizer Nati-Stürmer Breel Embolo durfte also verspätet doch noch in die USA einreisen. Andere bekamen die imperiale Arroganz des US-Regimes ungefiltert zu spüren. Irans Spieler haben Hausverbot, sie müssen in Mexiko nächtigen, obschon sie drei Gruppenspiele in den USA austragen. Wahrscheinlich wird sie Trumps ICE-Miliz an der Grenzmauer erwarten und nach dem Spiel sofort wieder ausschaffen. Sollte es durch irgendeine groteske Fügung zu einem Spiel Iran – USA kommen und die Iraner scoren, darf man damit rechnen, dass ICE-Agenten den Platz stürmen und die persischen Spieler unter Terrorismusverdacht festnehmen. Trump wäre es zuzumuten.

NICHT ERWÜNSCHT: Iranische Fussball-Fans. (Foto: Keystone)

Wir dachten, die vollklimatisierte Wüsten-WM in Katar 2022 mit den vielen Bau-Toten, von denen die Fifa nie etwas wissen wollte, sei ein absoluter Tiefpunkt gewesen. Doch die rechten Strippenzieher können es immer noch schlimmer.

Diverse Teams müssen ohne ihre Fans spielen. Gegen 39 Länder hat Washington einen Reisebann verhängt. Iraner, Haitianerinnen, Irakerinnen und Kongolesen etwa bleiben draussen vor der Tür. Senegalesinnen und Ivorer ebenso. Brasilianer, Ägypterinnen und Kolumbianer kommen nur sehr schwer an ein Visum. Den Fans aus Algerien und Tunesien werden Kautionen bis zu 15'000 Dollar abverlangt.

Latinos meiden die Stadien

Doch selbst wer ein Visum ergattert, den Flug und das Hotel bezahlt und ein irr teures Ticket (bis zu 2 Millionen Dollar) erstanden hat, kann noch abgewiesen werden. Hat er oder sie in den Social Media Kritik an Trump formuliert, droht gar eine Verschleppung in ein ICE-Lager. 120 US-amerikanische Gewerkschaften und Organisationen warnen Besucher, Spieler, Journalistinnen vor der Verletzung ihrer Grundrechte durch ICE. Besser, man fährt nicht hin.

Das Treiben von ICE ist Gift. Latinos wissen das ohnehin, sie werden die Stadien meiden in der Furcht, aufgegriffen zu werden. Just sie aber machen die Stimmung, in der Major League Soccer (der US-Fussballmeisterschaft) stellten sie vor Trump mehr als die Hälfte des Publikums. Überall formiert sich Widerstand. Etwa in Los Angeles. Die Gewerkschaft «Unite Here Local 11», die auch das Dienstleistungspersonal im und um das Stadium organisiert, will sofort streiken, wenn ICE in der Gegend marodiert. 

STREIKBEREIT: Das Stadionpersonal von Los Angeles. (Foto: Keystone)

Für ICE ist die WM nur ein weiterer Drillplatz. Hochgerüstet mit neuen Rekruten, Waffen und einem Milliardenbudget, übt sie gemeinsam mit dem Big-Data-Kraken Palantir die Unterdrückung der Bevölkerung. 

Gieriges Händchen

Eigentlich wären das gute Gründe gewesen, den USA die Ausrichtung der WM zu entziehen (und gleich auch noch die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles). Doch nicht mit dem Liebespaar Infantino-Trump. Zu viel Geld ist im Spiel, die WM soll dem Grosskonzern Fifa an die 10 Milliarden Dollar einbringen. Dafür haben sie sogar die Spielregeln geändert. Ein Match zerfällt nun in vier Viertel, so können mehr Werbeblocks eingeschoben werden. Fussball? Trump zieht ohnehin Käfigkämpfe vor.

Hauptsache, auch der politische Ertrag stimmt. Für die WM haben sie eine riesige Propagandamaschine in Stellung gebracht, unter anderem mit Dutzenden von Influencerinnen. Gewiss wird alles ganz prächtig. Wir erinnern uns an die jämmerliche Szene, als Infantino Trump einen «Friedenspreis» überreichte und der Präsident die zugehörige Medaille mit gierigen Händchen an sich riss. Die Bromance ist echt. Sie sehen sich ständig. Sie teilen eine Weltsicht. Die Fifa hat bei Trump in Mar-a-Lago, Florida, Büros eingerichtet. Und plötzlich sass Infantino unter übelsten Staatschefs in Trumps Retorten-«Friedensrat». Gegen seine Abzockerei mit den WM-Tickets ermitteln inzwischen Staatsanwälte. Vielleicht wird das schönste Ballspiel der Welt auch diesen Missbrauch zwischen Trumps 80. Geburtstag, 250-Jahre-Feier der USA und offizieller Einweihung der Diktatur überleben. Zumindest dieser andere Fussball, der auf allen Strassen dieser Welt gespielt wird. In Clubs mit antifaschistischer Tradition wie Red Star (Paris), St. Pauli (Hamburg), OM (Marseille) oder Livorno 1915 (Italien). 

Tipp: Der uruguayische Autor Eduardo Galeano («Die offenen Adern Lateinamerikas») hat ein wunderbares Buch über Fussball geschrieben: «Der Ball ist rund» (Unionsverlag).

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